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Springe: So erlebten die Kandidaten den Wahlabend

SPRINGE. „Er kommt!“, ruft einer. Applaus brandet auf. Torsten Luhm betritt den Raum, in dem seine Springer Christdemokraten inmitten von „Nach vorn“-Wegweisern und Plakaten eines siegesgewiss blickenden Bernd Althusmann warten. Sie wollten eigentlich kommen, um Luhm zum Landtagsmandat zu gratulieren. Und dann so ein Abend.

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Autor:

CHRISTIAN ZETT UND MARITA SCHEFFLER

Lächelnd geht der Alvesröder durch die Menge. Wie es wirklich in ihm aussieht, lässt er dann in seinen Begrüßungsworten durchblicken: „Ich habe mich auf Euch gefreut. Ich wusste, hier werde ich aufgefangen.“ Nur 33,6 Prozent. Der Abstand zur SPD-Kontrahentin Kerstin Liebelt ist deutlich – und das bisherige CDU-Mandat im Wahlkreis 35 verloren.

Selbst in Springe trennen den Lokalmatadoren Luhm und seine Herausforderin Liebelt mehr als 500 Wählerstimmen. „Ich bin ganz ehrlich: Wenn man aus Springe kommt, muss man Springe gewinnen“, sagt der Alvesröder.

Schon im April hatte er mit dem Wahlkampf begonnen, in den vergangenen sechs Wochen von morgens bis abends nichts anderes gemacht, als für sich und seine CDU zu werben. „Mehr als er getan hat, geht nicht“, sagt die noch amtierende CDU-Landtagsabgeordnete Gabriela Kohlenberg aus Völksen. „Das, was hier passiert ist, ist wirklich bitter. Das tut mir persönlich wahnsinnig leid.“

Ganz anders die Stimmung bei Liebelt, die gestern Abend erst in ihrem Heimatort Hemmingen, dann in Hannover feierte. Sie will nun ihr Mandat als Regionsabgeordnete abgeben – auch, um sich noch besser um Springe als größten Ort des Wahlkreises kümmern zu können. Sie habe auch dort gemerkt, wie in den vergangenen Wochen „die Stimmung gekippt“ sei, sagte Liebelt gestern Abend.

Als sie dann bei der Auszählung nach 18 Uhr in den ersten sonst konservativen Dörfern im Wahlkreis gut abschnitt, da habe sie an den Sieg geglaubt. Dass sie selbst in Springe gegen Lokalmatador Luhm siegte, sei auch ein Verdienst der Genossen vor Ort, die sie „richtig toll“ unterstützt hätten.

Luhm gibt zu, dass auch er bis zum letzten Moment an seinen Sieg geglaubt hat. Zwar habe er immer wieder Personen angetroffen, die meinten: „Sie würden wir ja wählen. Aber nicht die CDU!“ Oder „Die Frau Merkel muss mal abgestraft werden.“ In seiner Wahrnehmung aber sei die Zahl der Unterstützer schier unendlich gewesen.

„Ich muss das Ergebnis akzeptieren“, meint er bei der Wahlparty im Euphrat. Letztlich habe er gegen den Landestrend nicht ankämpfen können. „Da konnte ich mich abstrampeln, wie ich wollte.“ Er gratuliere Frau Liebelt und wünsche ihr alles Gute.

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