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Die heimische Abgeordnete ist dabei, wenn der Landtag ab nächster Woche die Vergabeaffäre aufklären will

Petra Joumaah im Geheimraum

BAD MÜNDER/HANNOVER. Die Kontaminierungen im Versuchslager Asse II, das Transrapid-Unglück, Nazi-Parteien und vieles mehr: In 23 Untersuchungsausschüssen haben die Abgeordneten des Niedersächsischen Landtags seit 1947 versucht, Missständen auf den Grund zu gehen. Am Dienstag, 1. August, startet Runde 24.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Erstmals mit an Bord: die mündersche Abgeordnete Petra Joumaah (CDU).

Thema ist dann die sogenannte Vergabeaffäre in Wirtschaftsministerium und Staatskanzlei: Bei der Suche nach einem neuen Claim für Niedersachsen, aber auch nach Organisatoren von Veranstaltungen sowie der Erstellung der neuen Internetseite des Landes soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein.

Joumaah ist als stellvertretendes Mitglied der CDU-Fraktion an Bord. Arbeit hat sie trotzdem mehr als genug. „Ich hatte keinen Tag Urlaub dieses Jahr“. Stattdessen hat sie sich seit der ersten Sitzung Ende Juni, bei der es vor allem um Formalitäten ging, akribisch vorbereitet: „Das ist richtig viel Arbeit“

Allein diese Woche geht es mehrmals zum Akten-Studium – mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen. Die vertraulichen Unterlagen, die etwa das Land dem Ausschuss ordnerweise übermittelte, dürfe man nur in einem besonders gesicherten Raum lesen, so Joumaah: „Da darf man nur unter Aufsicht rein und auch während des Lesens bleibt immer jemand dabei.“ Ihr Mobiltelefon muss die Münderanerin offen liegenlassen, Fotos sind streng verboten. Allein heute wird Joumaah den halben Tag in Hannover verbringen: „Ich bin gespannt, wie lange und wie viel ich lesen kann, bis die Konzentration weg ist.“

Apropos Spannung: Die steigt bei der Abgeordneten in den Tagen vor der nächsten Sitzung, bei der Wirtschaftsminister Olaf Lies als Zeuge geladen ist. „Ich freue mich, dass es jetzt richtig los geht.“ Joumaah wird nicht nur den Sommer mit der Arbeit rund um den Ausschuss verbringen: Bis in den Dezember hinein sind bislang wöchentliche Termine eingeplant. Eine besondere Herausforderung für die Abgeordnete: „Ich bedauere sehr, dass die Termine immer dienstags sind – auch wenn das nicht anders ging. Bis Ende des Jahres werde ich bei unseren Fraktionssitzungen im Landtag fehlen.“

Dass der Ausschuss nur wenige Wochen vor der Landtagswahl im Januar enden könnte – macht das die ganze Sache besonders brisant? Joumaah zögert. „So habe ich das noch nicht betrachtet.“ Trotzdem ist sie überzeugt, dass es richtig ist, den Fall genauer zu untersuchen: „Herr Lies hat ja schon einiges eingestanden. Und ich habe eben den Verdacht, dass da nicht alles richtig verlaufen ist.“

Gespannt ist Joumaah auch auf die Stimmung während der Sitzungen: Im Sozialausschuss, in dem sie regulär für die CDU sitzt, sei die Arbeit „freundlich und harmonisch“ – im Gegensatz zu manch anderem Ausschuss, den sie vertretungsweise besuchte: „Da dachte ich, gleich holt einer die Boxhandschuhe raus.“

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