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Nicole van der Made: Von der Bürgerbewegung in die Politik

SPRINGE. Um dort anzukommen, wo sie heute steht, musste Nicole van der Made schon viele Widerstände überwinden. Aufgeben kam für die Lokalpolitikerin nie in Frage. Jetzt will sie für die Grünen in den niedersächsischen Landtag einziehen. Chancen hat sie aber nur, wenn sie den Wahlkreis direkt gewinnt.

Mit einer Freundin zusammen hat Nicole van der Made 40 Quadratmeter Land bei einem Bio-Bauern gepachtet. „Hier pflanze ich mein eigenes Gemüse an – das erdet mich.“
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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

„Ich bin alleinerziehende Mutter“, berichtet van der Made. Finanzielle Unterstützung vonseiten des Vaters habe es nie gegeben. Nicht ohne Grund will sie sich daher auf Landesebene für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie um die Gleichstellung von Frau und Mann einsetzen. „Hier muss gelten: gleiche Arbeit, gleicher Lohn.“ Ihr ist wichtig, dass alte Rollenmodelle aufgebrochen werden. Dafür kämpft sie bereits seit 2013 als Mitglied des Regionsvorstands und als Gleichstellungspolitische Sprecherin in der Region Hannover. Außerdem sei sie in der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Migration und Flucht, in der LAG Frauen und der AG Grundeinkommen tätig. Von 2011 bis 2016 war die gelernte Tischlerin Ratsfrau im Rat der Stadt Gehrden.

Dass sie als Landtagskandidatin nicht in ihrem heimischen Wahlkreis (Barsinghausen, Gehrden und Seelze) antritt, ist für Nicole van der Made kein Problem. „Dort gab es bereits einen Kandidaten, im Wahlkreis 35 jedoch nicht. Darum habe ich einfach nachgefragt, ob sie mich aufstellen wollen.“ Der Wahlkreis sei ihr aber nicht unbekannt. „Ich war als Kind oft im Saupark in Springe, meine erste eigene Wohnung hatte ich in Ronnenberg, während meiner Ausbildung habe ich in Empelde gewohnt und meine beiden Töchter sind in Wennigsen zur Schule gegangen.“

20 Jahre lang war sie mit einem Handwerksbetrieb ihr eigener Chef, sagt van der Made. Sie habe ihre Firma damals mithilfe von Nebenjobs finanziert und aufgebaut. „Ich habe meine Selbstständigkeit nur sehr ungern aufgegeben, aber damit ließ sich der Familienunterhalt einfach nicht mehr zahlen“, gibt die 54-Jährige offen zu. Heute arbeitet die Mutter zweier Töchter nach einer weiteren Ausbildung als Finanzkauffrau bei einem kanadischen Unternehmen im Innendienst.

Wenn sie zur Ruhe kommen will, baut sie ihr eigenes Gemüse an. „Ich habe bei einem Bio-Bauen zusammen mit einer Freundin 40 Quadratmeter Land gepachtet – das erdet mich“, sagt van der Made. Bei schlechtem Wetter greife sie zum Buch – meist eins von Martin Suter.

„Ich bin mit Leib und Seele Politikerin“, sagt die grüne Regionsabgeordnete. Das sei aus der Bürgerbewegung heraus entstanden. „Ich habe mich immer für den Umweltschutz eingesetzt.“ Sie sei oft auf Demonstrationen vertreten gewesen. „Meine Eltern haben mich dabei immer unterstützt, nie aufgehalten.“ Generell hätten ihr Vater und ihre Mutter sie politisch sehr geprägt. „Bei uns zuhause wurde immer viel über Politik diskutiert.“ Irgendwann habe sie aber gemerkt, dass sie nicht so viel bewirken könne, wenn sie „nur“ demonstriere. „Da blieb nur der Schritt in die Politik“, sagt die 54-Jährige.

Die wichtigen Themen im Wahlkampf sind für sie neben der Gleichstellung: soziale Ungleichheit in der Gesellschaft, Bildung, Verbraucherschutz und die Entwicklung des ländlichen Raumes. Van der Made fordert Chancengleichheit für alle – vor allem bei den Ausbildungsmöglichkeiten. Aber auch für eine verlässliche Kinderbetreuung will sie sich einsetzen.

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