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Marc Telgheder: Von der grünen Bühne aufs politische Parkett

BAD MÜNDER. Große Chancen auf einen Platz im Landtag malt sich Marc Telgheder nicht aus: Auf der Landesliste der Grünen taucht er nicht auf, die Konkurrenz im Wahlkreis 36 ist hart. Trotzdem versucht der Grüne aus Osterwald den Wahlkampf bunter zu machen und betritt eine für ihn neue Bühne: die Landespolitik.

Will für die Grünen in den Landtag – oder zumindest für grüne Politik werben: Marc Telgheder aus Osterwald. Foto: Dittrich
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Dabei hat der Sozialarbeiter schon enorm viel Erfahrung im Scheinwerferlicht gesammelt – allerdings auf der Theaterbühne. Telgheder engagiert sich seit Jahrzehnten für die Freilichtbühne Osterwald – inzwischen als Mitglied des geschäftsführenden Vorstands. „Meine Heimat“, sagt er.

Es ist auch seine familiäre Heimat: Seine Frau Claudia Höflich führt dort Regie, seine beiden Kinder, vier und sieben Jahre alt, stehen auf der Bühne. Anders sei Familie und Ehrenamt auch gar nicht unter einen Hut zu bekommen, meint der 40-jährige Vater. Telgheder arbeitet in Hameln in der Einrichtung „Familie im Zentrum“ als Koordinator.

Das Spannungsfeld aus Ehrenamt und hauptberuflicher Betreuung – für Telgheder ist es der Auslöser für sein politisches Engagement auf Landesebene. „Jedes Ehrenamt braucht hauptberufliche Begleitung.“ Spätestens mit der Ankunft der vielen Flüchtlinge in Deutschland habe man gemerkt, wie wertvoll der Einsatz vieler Menschen gewesen sei. „Ohne professionelle Unterstützung zerbröselt das.“ Und für ihn ist klar: „Politik kann etwas bewegen, wenn sie die Ängste, Sorgen, Wünsche der Menschen vor Ort ernst nimmt und sie verantwortungsvoll bearbeitet.“ Dazu gehöre auch eine Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements. Die meisten könnten nicht den Überblick über Regeln, Gesetze und Förderanträge behalten. Entsprechend solle das Land dafür Beratungsstrukturen aufbauen: „Das Engagement zu erhalten, wäre schon ein Erfolg.“

Erhalt und Ausbau von Angeboten in der ländlichen Region mit dem Schwerpunkt der kulturellen Förderung – Telgheder setzt damit dort an, wo er vor Ort selbst aktiv ist. „Die Freilichtbühne ist der größte Kulturträger in der Region“, erklärt er selbstbewusst, „mit 15 000 Besuchern pro Jahr, mit Gästen aus Celle, Paderborn und Northeim.“ Für ihn ist es auch Bildungsraum, frei von Noten und Lehrplänen. „Diese Freiräume müssen wir für Jugendliche schaffen“, erklärt Telgheder. Orte, wo Jugendliche Verantwortung übernehmen können, Teamfähigkeit lernen können. Dass es genug Potenzial für solche Angebote auch auf dem Land gibt, davon ist Telgheder überzeugt. So könne man ländliche Regionen auch lebenswert gestalten. Dass Osterwald für ihn in dieser Kategorie weit vorne rangiert, daran lässt der gebürtige Afferder keine Zweifel aufkommen. Von seinem Wohnort aus könne er bei gutem Wetter bis zum Brocken schauen: „Das ist sensationell.“

Damit die Region nicht ausblutet, setzt sich Telgheder auch für bessere Betreuungszeiten in Kitas und Betreuungsangebote für Schüler nach dem Unterricht ein – für den Grünen gehört alles zusammen, greift ineinander. Aber: „Wir müssen davon wegkommen, dass der Staat das machen muss.“ Stattdessen solle auch die freie Wirtschaft flexiblere Arbeitszeiten und -Orte ermöglichen.

Damit das immer wieder geforderte „Home Office“ auch auf dem Land möglich ist, bedarf es aber einer digitalen Infrastruktur – ein Schnittpunkt von Grünen und FDP. Beim Pendelverkehr stellt Telgheder dann aber klar die grüne Position dazu: Weg vom Individualverkehr mit dem eigenen Auto. Stattdessen den Nahverkehr von Bus und Bahn besser verzahnen, um die Attraktivität der Region zu steigern. „Da sind wir in Hameln-Pyrmont schon die ersten Schritte gegangen“, freut sich Telgheder über die Reformen der Öffis.

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