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Barbara Otte-Kinast im Schattenkabinett: Bereit für mehr

BAD MÜNDER. Kurzes Durchatmen: Barbara Otte-Kinast sitzt mit Gert Hahne auf einer Rasenfläche des Milchhofes Kinast in Beber. Analysiert die Reaktionen auf das, was am Vortag für überraschte Gesichter selbst in Parteikreisen gesorgt hatte. Ihre Vorstellung als Ministerin im Schattenkabinett von Bernd Althusmann.

Neue Ministerin: Barbara Otte-Kinast.
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Althusmann, der CDU-Mann, der Ministerpräsident Stephan Weil im Oktober ablösen will, hatte sie als erstes Mitglied seines Kabinetts und künftige Agrarministerin in Niedersachsen vorgestellt. Am Morgen danach hat der CDU-Spitzenkandidat seinen Sprecher Hahne nach Beber beordert. Die Aufgabe des Münderaners: Die ersten Interviews der Schattenministerin zu koordinieren. Und Hahnes Telefon klingelt ohne Unterlass. Nicht dass Otte-Kinast als Vorsitzende der Landfrauen in Niedersachsen den Umgang mit Medienvertretern nicht gewöhnt wäre, aber die neue Rolle zieht ungleich mehr Aufmerksamkeit auf ihre Person.

Ein Umstand, der vor der Präsentation beim Kleinen Parteitag in Hannover am Dienstag bereits im Familienkreis erörtert wurde. Mit einem Mal steht die Mutter von drei erwachsenen Kindern im Mittelpunkt und mit ihr auch ihr gesamtes Umfeld. Erfahren haben selbst die Kinder von dem Schritt in die große Politik erst zwei Tage vor der offiziellen Bekanntgabe – und auch in CDU-Kreisen waren die überraschten Reaktionen bei ihrer Präsentation nicht gespielt.

Auf dem Milchhof in Beber wird sich mit einer Schattenministerin im Team zwangsläufig etwas ändern müssen. Die offene Struktur, die den Familienbetrieb mit rund 100 Kühen und Biogasanlage bislang prägte, wird sich nicht mehr halten lassen. Hahne, bereits Sprecher mehrerer Landwirtschaftsminister in Niedersachsen, weiß das aus Erfahrung: „Es wird ganz sicher Situationen geben, in denen hier plötzlich Leute rumlaufen, die nicht eingeladen worden sind. Das birgt Risiken“, sagt er. Otte-Kinast kündigt an, dass der Zugang zum Hof und zu den Ställen künftig überwacht werden wird. Zu den Änderungen wird auch gehören, dass die 52-Jährige auf dem Hof deutlich seltener im Betrieb mitarbeiten kann. Das kommende Wochenende hat sie – lange geplant – noch frei, ab Montag wird sie mit Hochdruck in den Wahlkampfmodus schalten. Landesweit unterwegs sein. „Ich habe richtig Lust, Wahlkampf zu machen. Ich freu’ mich drauf.“ Erste Bundestagskandidaten haben sie nach ihrer Vorstellung sofort angesprochen und eingeladen. „Da war großer Applaus, in die Luft gereckte Daumen. Und totale Begeisterung bei den Frauen. Dass Althusmann als erstes eine Frau präsentiert, und dann noch auf diesem Posten – das kommt gut an.“

Die Entscheidung, dem Spitzenkandidaten zuzusagen, habe sie sich nicht leicht gemacht. Lange habe sie mit ihrem Mann darüber beraten. „Ich hatte auch Bauchschmerzen dabei. Aber ich kann nicht als Vorsitzende der Landfrauen durchs Land ziehen und „Erfolg wird weiblich“ propagieren und Frauen auffordern, nach vorne zu kommen und Führungspositionen zu besetzen – und wenn mir selbst dann so eine Frage gestellt wird, Nein sagen.“ Sie sei sich bewusst, dass sie nicht jeden Bereich sicher bedienen werde, aber sie wisse, dass im Ministerium „gute Leute“ sitzen, die ihr zuarbeiten werden.

Einen Vorgeschmack auf den Wahlkampf gab es gleich bei der Präsentation in Hannover. In zwei Punkten bezog Otte-Kinast klar Stellung: Sie will dafür sorgen, dass Kinder wieder wissen, woher Lebensmittel kommen. „Jedes Kind soll in seiner Grundschulzeit mindestens einmal einen Bauernhof besucht haben“, erklärt sie – eine Erkenntnis, die sie als Vorsitzende der Landfrauen in Niedersachsen gewonnen hat. Und auch ihre Position in einem anderen großen Themenkomplex ist durch diese Arbeit gefestigt worden: „Überhaupt nicht witzig“ sei das Thema Wolf. „Es gibt Gegenden, da nimmt der Wolf überhand, und das darf nicht sein“, sagt sie. Und sie tritt dafür ein, mehr Wölfe als bislang mit Sendern zu versehen, mehr zu vergrämen und auch mehr „Problemwölfe“ zu entnehmen. Der noch amtierende Landwirtschaftsminister Meyer habe sich dieses Themas „einfach nicht vernünftig angenommen.“

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