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Angriffsziel Wahlwerbung: Plakate geklaut

SPRINGE. Alle Parteien haben während der Bundestagswahl bundesweit über einen erheblichen Anstieg des Vandalismus gegen Wahlplakate geklagt. In Springe ist auch während der Landtagswahl ein erstes Großplakat geklaut worden.

Umgefallen: Dieses Wesselmann-Plakat der Partei „Die Linke“ in der Völksener Straße liegt am Boden. FOTO: MISCHER
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Die Polizei spricht nicht von einer signifikanten Zunahme von Zerstörungswut gegen Wahlwerbung – weist aber darauf hin, dass nicht jedes zerstörte Plakat zu einer Anzeige gebracht wird. Wir haben mit den Parteien über ihre Erfahrungen gesprochen.

CDU-Kandidat Torsten Luhm musste erst am vergangenen Sonntag feststellen, dass sein Bauzaunplakat am E-Center entwendet wurde. „Es muss in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag passiert sein“, sagt Luhm. Seine Frau habe das Plakat am Sonnabend noch gesehen. „Am Sonntag wollte ich dann selber noch einige Plakate von Bernd Althusmann aufhängen und habe nicht schlecht gestaunt, als ich vor dem Bauzaun stand.“ Luhm betont: „Es handelt sich dabei auch nicht um ein kleines Wahlplakat, dass man einfach so abreißen kann. Es ist immerhin circa 2,50 Meter breit.“

Die Kabelbinder seien fein säuberlich an allen 30 Ösen getrennt worden. „Ich habe auch noch in den Büschen nachgeschaut, ob es dort irgendwo liegt“, aber das sei nicht der Fall gewesen.“

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Luhm ärgert sich über den Klau. „Ich muss den Wahlkampf allein finanzieren und dadurch ist mir ein Schaden in Höhe von 100 Euro entstanden.“ Anzeige habe er nicht erstattet. „CDU-Stadtverbandsvorsitzende Elke Riegelmann hatte im Zuge der Bundestagswahl auch Anzeige wegen Vandalismus erstattet, gegen unbekannt.“ Das habe aber nichts gebracht. „Einen Täter ausfindig zu machen, ist fast schon unmöglich.“

Luhm glaubt, dass Jugendliche hinter der Tat stecken, „die sich einen Spaß erlauben wollten. Wenn es sich um ein politisches Statement handeln sollte, reicht es doch einfach, mir die Stimme nicht zu geben.“ Eine Auseinandersetzung in Form eines Plakat-Klaus müsse so nicht aussehen.

Bei der Polizei ist laut Streifendienstleiter Lutz Fricke bislang noch keine Anzeige in dem Fall eingegangen. Er betont aber, dass es immer wieder vorkomme, dass Plakate kaputt gemacht oder geklaut werden. Einen signifikanten Anstieg kann er bei der Landtagswahl aber nicht erkennen. Tatsächlich sei die Zahl der Vorkommnisse während der Bundestagswahl höher gewesen – zumindest was die Fälle betreffe, die der Polizei bekannt sind. „Oft werden die Fälle aber erst nach der Wahl bekannt, wenn die Parteien die Plakate wieder einsammeln möchten.“

Zur Bundestagswahl wurde auf mehreren Plakaten das Gesicht von Matthias Miersch (SPD) herausgeschnitten, sagt René Bennecke. „Da waren viele Plakate weg oder wurden einfach zur Seite geschoben. Das ist eine Frechheit“, ärgert sich der stellvertretende Ortsvereinschef. Mehrfach lagen die Plakate im Gebüsch. „Und wenn die Kabelbinder durchgeschnitten sind, kann nicht der Sturm Schuld sein, dass die Plakate nicht mehr hängen“, sagt er . Häufig seien die Exemplare zudem beschmiert worden. Eberhard Brezski habe in einem Fall sogar Anzeige gegen unbekannt erstattet. „Aber eine Anzeige lohnt sich nicht wirklich, sondern sorgt nur für Ärger und Mühe.“

Was ihn besonders ärgert: Eine Partei hänge ihre Plakate über die der anderen. „Das stößt mir sehr auf.“ Möglicherweise seien die Exemplare auch nur heruntergerutscht. „Aber die Häufigkeit an mehreren Stellen ist verdächtig.“ Beweisen könne man das aber nicht. Dass der Vandalismus zugenommen habe, kann Bennecke nicht bestätigen. „Das ist der übliche Ärger.“

Tobias Berger von der FDP glaubt, dass die Zerstörungswut während der Bundestagswahl höher war, als jetzt. „Unsere Plakate waren nicht betroffen – aber ich habe etliche andere gesehen, die zerstört waren.“ An seinen Großflächenplakaten hat er noch keine Schäden festgestellt.

Damit, dass sie deutlich weniger als andere plakatieren, haben die Grünen nach eigenen Angaben gute Erfahrungen gemacht: Insgesamt hat die Partei zur Landtagswahl lediglich sechs Großplakate aufgestellt, zusätzlich habe Spitzenkandidatin Nicole van der Made einige wenige Kopfplakate an Laternen befestigt – die hängen laut Springes Parteichef Thomas Hüper-Maus so hoch, dass sie nicht ohne Hilfsmittel zerstört werden können.

Wolfram Bednarski hat bisher keine größeren Schäden an den Plakaten der AfD feststellen müssen – weder zur Bundestags- noch zur Landtagswahl. „Ich bin in Springe sehr positiv überrascht, hier sind alle sehr zivilisiert“, sagt Bednarski. Einige kleine Plakate seien allerdings wenige Tage vor der Bundestagswahl in Eldagsen verschwunden, berichtet er. Doch die hätten eh für die Landtagswahl ausgetauscht werden müssen. „Was mir allerdings auffällt, ist, dass die neuen Plakate nicht mehr halten und etwa bei Sturm schnell abreißen.“ Vor einigen Jahren seien die Plakate mit zwei Hölzern sehr viel stabiler gewesen. In anderen Landkreisen oder auch in Isernhagen hätte die AfD aber mehrfach mit beschädigten Plakaten und Vandalismus zu kämpfen gehabt, so Bednarski.

Axel Seng, Direktkandidat der Linken, weist darauf hin, dass der jüngste Herbststurm auch unter den Plakaten einige Opfer gefordert habe. Rund zehn Prozent der gesamten Plakate, die er aufhängt, so Seng, sind am Ende des Wahlkampfs nicht mehr da. Er erstatte in solchen Fällen aber keine Anzeige. Stattdessen sorge er dafür, dass lose Plakate, die auf der Straße liegen, eingesammelt werden. Eine Zunahme des Vandalismus kann er nicht bestätigen.

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