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Paradontitis: Viele Senioren betroffen

SPRINGE. Paradontitis ist ein Problem – keine Frage: Wenn Karies oder eine schlechte Mundhygiene Entzündungen und schließlich das chronische Zahnfleischleiden hervorrufen, dann sind inbesondere Senioren von der drohenden Zerstörung der Zähne betroffen: Rund 80 Prozent von ihnen weisen eine Parodontitis auf.

Zahnexperten: Dr. Michael Thies (von links), Melanie Hoheisel und Ralf Häsemeyer.

„Das ist erheblich“, sagt die Springer Zahnärztin Melanie Hoheisel. Die Zahlen entstammen der jüngsten Mundgesundheitsstudie.

Auch für sie beginnt die Erkrankung womöglich mit Zahnfleischbluten und Mundgeruch: Doch erst wenn die Zähne beginnen, sich zu lockern, erkennen viele Patienten den Ernst der Lage: „Die Parodontitis mit ihren signifikanten Auswirkungen auch auf andere Bereiche des Körpers ist erst in den letzten Jahren in den Fokus gerückt“, sagt Hoheisel, Zahnärztin in der Gemeinschaftspraxis von Ralf Häsemeyer und Dr. Michael Thies.

Von einer Parodontitis spricht der Zahnarzt, wenn es zu einer Entzündung des sogenannten Zahnhalteapparates kommt. Das beinhaltet nicht nur das Zahnfleisch, sondern auch die Wurzelhaut und den Knochen. Konkret kommt es im Verlauf es zu einer fortschreitenden Vertiefung der Zahnfleischtaschen mit zunehmendem und unumkehrbaren Verlust des umgebenden Knochengewebes.

Zu den Entzündungen wiederum kommt es, weil die in den anhaftenden weichen (Plaque) und festen Belägen (Zahnstein) sitzenden Bakterien eine Abwehrreaktion des Körpers auslösen. Dies führt zu einer anhaltenden Entzündungsreaktion, bei der bestimmte Bakterienarten dann sogar mit von ihnen produzierten Enzymen die Fasern und den umgebenden Knochen aktiv abbauen können.

Daneben gibt es auch eine apikale Parodontitis, bei der vor allem der Knochen im Bereich der der Wurzelspitze geschädigt wird. „Diese Form resultiert, typischerweise ausgelöst durch eine sehr tiefe Karies, aus abgestorbenem Nervgewebe im Wurzelkanal eines Zahnes“, erklärt Dr. Thies.

Um die Bakterien im Wurzelbereich zu eliminieren, wendet der Zahnarzt eine chemomechanische Reinigung des Zahnkanalsystems an – um auch hier, ähnlich wie bei der Parodontitis, die Zahl der die Entzündung unterhaltenden Keime so weit wie möglich zu reduzieren. Anschließend erfolgt ein bakteriendichter Verschluss des Wurzelkanals, die Wurzelfüllung.

Dass viele Senioren betroffen sind, macht eine besonderes Augenmerk auf andere Erkrankungen nötig: Auswirkungen habe Parodontitis nicht nur bei Diabetes. Auch bei gewissen Herz-Kreislauferkrankungen und ebenso bei künstlichen Gelenkprothesen – etwa der Hüften oder bei Kniegelenken – können die schädlichen Bakterien in der Mundhöhle negative Folgen haben.

So kann etwa durch Aussaat von schädlichen Bakterien aus der Mundhöhle in die Blutbahn auch schon beim Zahnsteinentfernen beim Zahnarzt eine Entzündungsreaktion am Gelenkersatz provoziert werden.

Bei Patienten mit Parodontitis, die künstliche Herzklappen oder Gelenkersatz haben, werde vor der Therapie der Zahnbetterkrankung eine antibiotische Prophylaxe durchgeführt, die das Forttragen der Infektion in andere Körperregionen verhindert. Hoheisel empfiehlt deshalb, vor geplanten Operationen der Herzklappen oder vor dem Einsetzen eines neuen Gelenks den behandelnden Zahnarzt zu kontaktieren, um entzündliche Veränderungen auszuschließen oder – wenn nötig – vor der Operation zu sanieren.



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