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Hebammen raten: „Hören Sie auf Ihre Instinkte“

BAD MÜNDER. Ohne Hebammen würden sich viele werdende und frisch entbundene Mütter ganz schön aufgeschmissen fühlen. Wohin dann mit den Unsicherheiten und brennenden Fragen? Wohin mit den Problemen? Brigitte Hillen und ihre Tochter Karin Hillen arbeiten als Hebammen in Bad Münder und Umgebung.

Als Hebamme in Bad Münder tätig: Karin Hillen. Foto: Szabo

Autor:

PATRICIA SZABO

Brigitte Hillen und ihre Tochter Karin Hillen sind Hebammen und führen in Eimbeckhausen eine Gemeinschaftspraxis. Brigitte Hillen erinnert sich, sie habe die Begleitung bei der Geburt ihrer Tochter sehr genossen. Nach ihrem vierten Kind entschied sie sich, beruflich noch einmal neu anzufangen und auf dem zweiten Bildungsweg den Beruf der Hebamme zu erlernen.

„Mit einem starken Willen kann man das schaffen“, erzählt Hillen über ihre Ausbildung. Ihre Tochter Karin hatte schon immer den Traum, den gleichen Beruf wie ihre Mutter zu erlernen und sammelte erste Erfahrungen bereits vor Beginn ihrer Ausbildung: Sie begleitete ihre Mutter noch während der Schulzeit. „Wir ergänzen uns sehr gut“, sagt Karin Hillen, die seit vier Jahren als Beleghebamme arbeitet.

Trotz eigener 18-jähriger Berufspraxis erinnert sich Brigitte Hillen noch lebendig an die erste Geburt, die sie begleitete: „Es war ein Frühchen. Schon die Anreise zum Geburtsort war dunkel und abenteuerlich. Das war schon ziemlich aufregend.“

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Das Kernstück der Arbeit, nämlich die Unterstützung bei der Geburt selbst, leistet Brigitte Hillen inzwischen nicht mehr. Stattdessen kümmert sie sich um Vor- und Nachsorge. Besonders an diesem Beruf liebt sie, junge Familien in einer besonderen Situation zu begleiten. „Das ist einfach wunderschön“, sagt die 55-Jährige. Und bei Komplikationen? „Dann ist es eine neue Herausforderung.“

Karin Hillen schätzt insbesondere die Vielfältigkeit der Aufgaben und die Begegnungen mit Menschen. „Es ist egal, ob jung oder alt. Arm oder reich. Die Unsicherheiten sind meist sehr ähnlich. Die werdenden Eltern stellen immer die selben Fragen.“

Trotzdem beginnt bei jeder Familie ein neuer und individueller Weg. „Das macht den Job so spannend“, erzählt Karin Hillen, die bereits rund 200 Geburten aktiv begleitet hat. „Oft möchten Eltern ihr Kind besonders teuer und edel ausstatten. Das ist überhaupt nicht notwendig“, sagt Karin Hillen. Nicht zuletzt deswegen raten die Hebammen: „Hören Sie auf ihre Instinkte. Klare Regeln gibt es sowieso nicht. Lassen Sie sich einfach auf die Geburt ein.“ Karin Hillen ergänzt: „Und hören Sie nicht so viel auf Ihre Freundinnen oder Google.“ Sie weiß aber auch, dass es schwer sei, sich nicht beeinflussen zu lassen.

Eine Geburt könne man – mit Ausnahme eines Wunschkaiserschnitts – nicht planen. Für die Frau und ihren Körper sei es „eine absolute Ausnahmesituation“. Wichtig sei das Selbstvertrauen in den eigenen Körper und die Einstellung: „Ich schaffe das“, sagt Brigitte Hillen.

Inzwischen hat sich auch die Ausbildung zur Hebamme verändert. Ab 2020 soll laut einer EU-Richtlinie ein Hebammenstudium eingeführt werden. „Die Grundstruktur des Studiums ist das Handwerk“, sagt Karin. Im Studium lernen die angehenden Geburtshelfer nicht nur die richtigen Handgriffe, sondern auch Betriebswirtschaft, die, so Karin Hillen, „überlebenswichtig“ sei.

Über die Zukunft der Geburtshilfe sind sich Mutter und Tochter einig: „Wir hoffen, dass das nicht ausstirbt, sondern wiederbelebt wird.“ Denn leicht haben Hebammen es nicht. Für viele Freiberufler außerhalb der Kliniken ist die Haftpflichtversicherung sehr teuer geworden. Von den Regelungen sind Brigitte und Karin Hillen jedoch nicht so stark betroffen wie einige Kolleginnen. „Iin erster Linie geht es um Hebammen, die außerklinische Geburten begleiten.“

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