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Ein Besuch in der Herzsportgruppe

SPRINGE. „Sport nach einem Herzinfarkt? Kann ich mir das überhaupt noch zutrauen?“ Ein solcher Einschnitt verunsichert die Betroffenen häufig. „Belastung ja, Überlastung nein“, sagt dazu der Allgemein- und Sportmediziner Fritz Werner Funke, der die Herzsportgruppe des TGV Springe beaufsichtigt. Ein Besuch.

Ins Leben zurück: Nach einem Herzinfarkt sollen die Teilnehmer der Herzsportgruppe des TGV Springe wieder fit werden – und gesund leben. FOTO: SZABO

Autor:

PATRICIA SZABO

Die gewünschten Resultate bringe nur ein Trainingsplan, der die Patienten nicht gefährde, so der Arzt. Ein solch schonendes Training bieten in Springe gleich mehrere Koronarsportgruppen des Turn- und Gymnastikvereins an. Unter der Leitung von Sabine Dubielzig werden Herzkranke wieder langsam an den Sport herangeführt.

„Bei einem Herzinfarkt werden die Menschen oft völlig aus der Bahn geworfen und sind unsicher, was sie sich überhaupt noch zutrauen können. Sie sind ängstlich. Es ist schön zu sehen, wie sie hier zu Kräften kommen“, sagt die Trainerin, die seit 18 Jahren Herzsport anbietet. Dubielzig ist speziell geschult und weiß genau, wie sie die Teilnehmer belasten kann. Um als Trainerin die Gruppe leiten zu dürfen, muss sie alle drei Jahre eine Fortbildung absolvieren.

Ein ein wesentlicher Pflicht-Bestandteil der Herzsportgruppe ist medizinische Betreuung. In der Praxis heißt das: Fritz Werner Funke ist immer vor Ort. Stets griffbereit ist auch ein Defibrillator für den Ernstfall. „Gebraucht haben wir ihn aber noch nie“, sagt der Arzt.

Um die Gruppe kümmern sich Fritz Werner Funke und Sabine Dubielzig. FOTO: SZABO
  • Um die Gruppe kümmern sich Fritz Werner Funke und Sabine Dubielzig. FOTO: SZABO

„Herzsport soll nicht nur für Fitness sorgen, sondern auch der Psyche helfen. Deswegen trainiert die Gruppe nicht nur, sondern unternimmt auch Ausflüge, oder organisiert schon mal einen Grillabend“, erzählt Dubielzig. Nach Jahren gemeinsamen Trainings kennen sich viele Teilnehmer auch privat. „So ist manches Los leichter zu ertragen“, sagt die Trainerin. Auch Funke bestätigt: „Die Patienten sind inzwischen eine eingeschworene Truppe. Es herrschen Geselligkeit und Vertrautheit“.

Der Sportmediziner verrät, dass fast alle Patienten einen Herzkatheter haben und sie alle sind bestens über ihre Krankheit informiert. „Viele erleben nach dem Herzinfarkt eine Lebensstiländerung. Sie sitzen nicht mehr so viel rum und kommen häufig aus ihrer Isolation heraus“, weiß Funke. Die Patienten achteten viel mehr auf sich. Sie hören auf zu trinken, zu rauchen und bewegen sich mehr als vor dem Herzinfarkt. Auch gesündere Ernährung und mehr Freude am Leben gehören dazu. „Lebensstiländerung ist ein wesentlicher Bestandteil der Rehabilitation“, so der Mediziner.

Trotz gemäßigter Aktivität müssen die Patienten bestimmte gesundheitliche Mindestvoraussetzungen erfüllen. „Wichtig ist, dass die Patienten keine Herzrhythmusstörungen haben und nicht unter Luftnot leiden“, sagt Funke. Darüber hinaus erteilt der Arzt wichtige Hinweise: „Jeder, der schon mal Luftnot hatte, sollte einen Gang zum Arzt wagen“, empfiehlt er.

Außerdem rät Funke dazu, einen Kardiologen aufzusuchen und sich prophylaktisch untersuchen lassen, besonders dann, wenn folgende Umstände zugrunde liegen: Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht, familiäre Veranlagung, Blutfetterhöhung, Engegefühl in der Brust, Oberbauchbeschwerden (bei Frauen) oder in den linken Arm ausstrahlende Schmerzen.

Beim Herzsport des TGV Springe kann fast jeder mitmachen, der eine Herzerkrankung überstanden hat. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung. Das Training findet dann jeden Dienstag von 17 bis 18 Uhr sowie immer mittwochs von 16 bis 18 Uhr statt – und zwar in der Sporthalle im Schulzentrum Nord, Adolf-Reichwein-Straße.

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