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Bennigser entwickelt Handy-App für Diabetiker

27 Jahre ist es her, dass sich Robin Hrassniggs Leben änderte. Er war 13 Jahre alt, als er seine Diagnose erhielt: Typ-1-Diabetes. Heute ist Hrassnigg geschäftsführender Gesellschafter der Firma „Diabetizer“. Und will anderen helfen, mit der Krankheit besser zurechtzukommen.

Robin Hrassing entwickelte eine Handy-App für Diabetiker.

Autor:

patricia szabo

Funktionieren die sogenannten Langerhansschen Inseln in der Bauchspeicheldrüse nicht, müssen Menschen wie Hrassnigg das lebenswichtige Insulin künstlich zuführen, denn Unter- und Überzuckerungen können lebensbedrohlich sein. Neben Typ-1-Diabetes, von dem etwa 300 000 Deutsche betroffen sind, gibt es Typ-2-Diabetes, „den man selbst beeinflussen kann“, sagt Hrassnigg. Meist werde er verursacht durch Bewegungsmangel und falsche Ernährung. Rund sechs Millionen Deutsche sind davon betroffen. „Typ-2-Diabetes ist eine Volkskrankheit“, meint Hrassnigg.

In Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Alexander Zick und in Kooperation mit Diabetologen und weiteren Betroffenen entwickelte Hrassnigg vor sechs Jahren „Diabetizer“, eine App, mit der man nicht nur Blutzucker- Insulin- und Lebensmittelwerte auf seinem Smartphone analysieren kann, sondern auch die Aktivitätswerte, die Energieaufnahme in Kalorien und Kohlenhydrate sowie die Blutvitaldaten, die während der Arztbesuche aufgenommen werden – alles Informationen, die ein Diabetiker zum „managen“ seiner Erkrankung benötigt.

„Es gibt viele Apps und Tagebücher, die die Therapie erleichtern sollen“, sagt der 40-jährige Bennigser. „Wir sind unabhängig und nicht an bestimmte Typen oder Systeme gekoppelt. Ich kann selbst entscheiden, welches Gerät ich benutze.“

Die Idee für die App, die sowohl für Android-Geräte als auch für das Apple-System iOS erhältlich ist, hatte Hrassnigg, als er seine Blutzuckerwerte maß und mit Hilfe einer anderen App analysierte, die ihn nicht zufriedenstellte: „Es müsste doch eine Möglichkeit geben, mehr aus den Daten herauszuholen“, dachte er damals.

Unter Berücksichtigung medizinischer Erkenntnisse entwickelte der Bennigser schließlich selbst eine App: „Zunächst nur für mich.“ Inzwischen wird die Anwendung zu therapeutischen Zwecken vermarktet und ist als Medizinprodukt zertifiziert.

Einiges hat sich getan für Diabetiker. In den Finger pieksen und Blutzucker messen – „mit Blut und Messstäbchen“, so beschreibt Hrassnigg das. Und auch er habe lange Jahre seinen Blutzucker auf die herkömmliche Weise gemessen. Heute nutzt er eine kontinuierliche Blutzuckermessung per Sensor.

Nicht immer war auch die Insulintherapie per Pen oder Pumpe so einfach wie heute. Hrassnigg erinnert sich: „Damals wirkte das Insulin noch anders. Man hatte einen ganz starren Ernährungsplan“. Es galt, zu einer bestimmten Uhrzeit eine feste Menge an Broteinheiten zu essen und „bloß keinen Zucker“. Seinen speziellen Ernährungsplan ergänzten zudem aus seiner Sicht völlig überteuerte Diätprodukte. „So ist man damals vorgegangen. Das lag aber auch an der Insulinwirkung.“ Mit der Weiterentwicklung kam immer mehr Flexibilität in die Therapie und damit auch in die Ernährung. Auch „Diabetizer“ sei an der Nahrungsanalyse dran und verarbeite Lebensmittelinformationen für den User.

Trotzdem: Auch heute gehöre Disziplin dazu. „Man muss sich mit dem Essen auskennen. Das geht irgendwann in Fleisch und Blut über“, sagt Hrassnigg, schließlich orientiere sich alles an dem Blutzuckerwert. Eine wichtige Rolle spielt in seinem Leben zudem der Sport: Er spielt Tischtennis, Fußball und möchte im Mai am Hannover-Marathon teilnehmen. Stets dabei: Traubenzucker, mit dem er einer drohenden Unterzuckerung entgegenwirken kann. Doch gibt es seiner Meinung nach eine optimale Therapie? „Es wird stets geforscht“, sagt Hrassnig. Neu sei etwa das Close-Loop-System, eine Kombination aus kontinuierlicher Messung und Insulintherapie. Das laufe zwar automatisch, aber „man gibt alles in die Maschinenhände ab“.



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