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„Bad Münder bewegt": So geht es weiter

BAD MÜNDER. Wie bewegt man die, die sich sonst vielleicht nicht bewegen? Die keine Zeit haben, etwas für sich zu tun? Oder keinen Zugang zu den Gesundheitsangeboten, die es schon gibt, zum Beispiel aus Geld- oder sprachlichen Gründen? Seit 2014 stellt das Projekt „Bad Münder bewegt“ diese Fragen.

Gegen Übergewicht – bei Erwachsenen und Kindern – will das Projekt „Bad Münder bewegt“ kämpfen. FOTO: DPA
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Die Pilotmaßnahme startet dieses Jahr in die zweite Phase – und soll sich an deren Ende nach zwei Jahren ganz ohne Geld des Partners Kaufmännische Krankenkasse verselbstständigt haben.

Der erste Abschnitt von „Bad Münder bewegt“ dauerte drei Jahre, bis Ende 2017. Man habe inzwischen intensive Gespräche geführt, um die bisherige Arbeit zu evaluieren, sagt Thomas Slappa von der städtischen Tochter „Getour“, die das Projekt fürs Rathaus koordiniert. Die umfangreiche Dokumentation sei nötig, weil es sich schließlich um eine Pilotmaßnahme handelt – „mit dem Ziel, auch andere Kommunen profitieren zu lassen“.

Bis zu fünf Jahre können Krankenkassen solche Projekte zur kommunalen Gesundheitsförderung finanziell unterstützen. Und so sei die Entscheidung gefallen, den Zeitraum auszuschöpfen und die Jahre 2018 und 2019 dranzuhängen. Eine Steuerungsgruppe aus heimischen Gesundheitsakteuren habe jetzt die Pläne für die letzten beiden Jahre festgelegt, so Slappa. Eingeteilt sind die Vorhaben in drei Gruppen: Kinder und Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Die Pläne im Überblick:

Gemeinsam in Bewegung: Die Aktionstage des Projektes animieren zum Ausprobieren und Kennenlernen neuer Bewegungsformen.
  • Gemeinsam in Bewegung: Die Aktionstage des Projektes animieren zum Ausprobieren und Kennenlernen neuer Bewegungsformen.
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Kinder und Jugend: „Bad Münder bewegt“ soll einen eigenen Internetauftritt bekommen, in dem alle verfügbaren Sport- und Bewegungsangebote für Jüngere zusammengefasst sind. Man wolle aber nicht nur den Bestand aufnehmen, sondern auch „Trends suchen und entwickeln“: Mit Schülern, Lehrern und Kindergärten gehe es darum, Übungsleiter für den Bedarf gezielt zu qualifizieren – etwa für Trendsportarten.

Ebenfalls ein Thema: Suchtprävention. Hier wolle man jedoch nicht in erster Linie neue Angebote schaffen, so Slappa, sondern das, was es gibt, gezielt in die Kooperative Gesamtschule bringen.

Ein neues Projekt soll sich dagegen beim Thema „Übergewicht bei Kindern“ formieren. Die Idee dahinter: Nicht Kinder sind schuld an ihren Gewichtsproblemen. „Wir wollen schauen, welche Ernährungsgewohnheiten die Eltern haben.“ In dem Projekt gehe es dann darum, mit den Familien Einkaufen zu gehen, gemeinsam zu kochen und über Themen wie gemeinsames Essen zu sprechen. „Dabei müssen wir überlegen, wie man die Leute auswählt und anspricht. Verständlicherweise will da auch niemand an den Pranger gestellt werden“, sagt Slappa.

Erwachsene: Auch in dieser Zielgruppe geht es um das Thema Gewicht: „Wir wollen ein Paket schnüren, bei dem die Betroffenen von Ärzten, Ernährungsberatern und Fitnessexperten gemeinsam beraten werden.“ Die Ärzte sollen dabei gezielt Patienten ansprechen, bei denen bisherige Anstrengungen nicht gefruchtet haben.

Für Raucher, die sich ihr Laster abgewöhnen möchten, soll es ebenfalls ein Angebot geben. Slappa spricht von einem „neuen Forschungsansatz zur Entwöhnung“, den man in Bad Münder ausprobieren wolle. Die Idee: eine Smartphone-App, die man immer dann aktiviert, wenn man eigentlich rauchen würde.

Man wolle über die Arbeitgeber, insbesondere heimische Großbetriebe, gezielt an Teilnehmer kommen, sagt Slappa: Die Frage, wie man die Menschen erreiche, stehe auch hier im Mittelpunkt der Überlegungen. „Wenn wir einfach nur zu einem Kurs einladen, kriegen wir nur die, die sich eh schon interessieren.“

Senioren: Eine Broschüre mit Gesundheitsangeboten für Senioren gibt es bereits – sie soll nun überarbeitet und aktualisiert werden. Darin, das ist Slappa wichtig, finden sich nicht nur Anlaufpunkte in der Kernstadt: „Bad Münder bewegt ist ein Projekt für die gesamte Stadt.“

Ebenfalls auf dem Programm: Gedächtnistraining. Die Angebote, die es in diesem Bereich gibt, sollen noch bekannter werden: „Wir wollen die erreichen, die noch nicht dabei sind.“

Generationenübergreifend gedacht sind außerdem Projekte wie gemeinsames Kochen für Kinder und Senioren oder spezielle Vorlese-Angebote. „Ein großes Thema ist für uns dabei die Vereinsamung“, sagt Slappa.

Ein Thema bei allen Überlegungen: Wie geht es weiter, wenn die Krankenkassen-Förderung ab 2020 wegfällt? Slappa betont: „Damit soll das Projekt nicht zuende sein.“ Das Geld sei eher als Anschubfinanzierung zu verstehen. „Wir haben viele Dinge, die gut gestartet sind und sich nun verstetigen“ – Kochkurse etwa oder ein Laufangebot für Einsteiger. Für Slappa „ist und bleibt es eine kommunale Aufgabe, sich um diese Dinge zu kümmern“. Gerade in Bad Münder gebe es in Sachen Gesundheit jede Menge Potenziale und Kompetenz.

Am Sonntag, 3. Juni, soll wieder der Familienaktionstag „Bad Münder bewegt“ stattfinden – mit der Beteiligung zahlreicher Organisationen. Dieses Jahr soll die Veranstaltung losgelöst von Parallelangeboten wie dem verkaufsoffenen Sonntag steigen: „Das war bislang eher kontraproduktiv.“ Auch ein prominenter Gast soll wieder dabei sein – wer, das stehe noch nicht fest, so Slappa.



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