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Abenteuer Geburt

Werdenden Müttern liegt nicht nur eine optimale medizinische Versorgung während der Schwangerschaft am Herzen, sondern sie wollen rund um die Geburt auch eine gute körperliche und emotionale Betreuung.

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Das ist das Ergebnis einer jüngst vom gemeinnützigen Picker-Institut veröffentlichten Befragung unter knapp 10 000 Wöchnerinnen in Deutschland. Doch obwohl immer mehr Geburtskliniken entstehen, fühlen sich viele Frauen bei Beratung und Betreuung oft alleingelassen. Ein Überblick über häufige Fragen.

 
Was ist der Pränatest?

Beim Pränatest handelt es sich um einen Bluttest, mit dem festgestellt werden kann, ob das Ungeborene Trisomie 21 – das sogenannte Downsyndrom – aufweist. Auch Trisomie 13 und 18 können damit nachgewiesen werden. Der Test wird in der neunten bis zwölften Woche vorgenommen. Der Arzt nimmt der Mutter Blut ab, in dem sich auch Körperzellen des Kindes befinden. Diese werden isoliert und auf Abweichungen untersucht. Der Test ist seit dem Jahr 2012 auf dem Markt und gilt als sehr zuverlässig. Anders als bei den invasiven Untersuchungsmethoden wie der Fruchtwasseruntersuchung besteht beim Pränatest kein Risiko einer Fehlgeburt. Dennoch ist der Test umstritten. Kritiker befürchten, dass Eltern häufiger abtreiben. Nicht ohne Grund: Schon heute entscheiden sich 90 Prozent der Eltern gegen ihr Baby, wenn eine genetische Anomalie festgestellt wird.

Kaiserschnitt oder natürliche  Geburt?

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Entbindungen per Kaiserschnitt in Deutschland verdoppelt, mittlerweile kommt jedes dritte Kind auf diesem Wege zur Welt. Damit gehört Deutschland zu den Ländern mit der höchsten Kaiserschnittrate in Europa. Früher war der Kaiserschnitt einzig ein Notfalleingriff. Liegt das Kind quer im Bauch oder ist die Gebärmutter vorgelagert, rettet der Kaiserschnitt das Leben von Mutter und Kind. Heute ist er eine Standardoperation – weil sich immer mehr Ärzte auch bei einer Beckenendlage oder einer vorangegangenen Kaiserschnittgeburt für das Skalpell entscheiden. Das hat drei Gründe: Erstens haben Geburtshelfer heute weniger Erfahrung mit komplizierten Spontangeburten, zweitens fürchten die Ärzte, haftungsrechtlich belangt zu werden, und drittens hat sich die Klinikorganisation geändert. Doch der Kaiserschnitt hat Nachteile: Die so geborenen Kinder  schütten weniger Stresshormone aus, weil sie einfach aus dem Bauch herausgehoben werden und nicht durch den engen Geburtskanal müssen. Das führt jedoch bisweilen dazu, dass sie entkräftet sind und schwerer atmen. Die vaginale Geburt hat hingegen den Vorteil, dass durch den Druck, dem das Kind im Geburtskanal ausgesetzt ist, das Fruchtwasser aus den Lungen der Babys gepresst wird und sie leichter atmen können. Zudem nehmen die Kinder auf dem Geburtsweg Mikroorganismen der Mutter auf. Dieser Bakteriencocktail wirkt sich günstig auf die Darmflora der Kinder aus und immunisiert sie. All die Vorteile der natürlichen Geburt dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kaiserschnitt Leben retten kann.

 

Klinik, Geburtshaus oder  Hausgeburt?

Die Geburt in den eigenen vier Wänden bietet den Frauen große Vorteile, wie eine Übersichtsstudie bestätigt. Ein US-Forscherteam  von der Abteilung für Geburtenhilfe des Maine Medical Centers in Portland hat dazu Daten von 342 000 Hausgeburten und 208 000 Entbindungen in Krankenhäusern verglichen. Das Resultat: Die Frauen nehmen zu  Hause seltener Schmerzmittel und es kommt zu weniger Damm- oder Kaiserschnitten als in der Klinik. Doch bei Hausgeburten ist das Sterberisiko der Neugeborenen dreimal höher als im Krankenhaus. Zudem müssen Säuglinge öfter wiederbelebt werden als Babys im Krankenhaus. Die meisten Kinder werden in Kliniken entbunden. Dort sind Ärzte im Notfall schnell verfügbar. Der Nachteil: Meistens ist den Frauen weder der Arzt noch die Hebamme vertraut, zudem gibt es weniger Privatsphäre. Eine Alternative stellt für viele das Geburtshaus dar, in dem die Frauen ambulant entbinden können.

 

Welche Bedeutung hat die  Hebamme?

Hebammen helfen der werdenden Mutter während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett. Während der Schwangerschaft stehen ihnen – bis auf den Ultraschall – dieselben Mittel zur Verfügung wie Gynäkologen. Viele Frauen nehmen eine persönliche Hebamme jedoch erst nach der Geburt in Anspruch. Die Geburt in der Klinik begleiten in den meisten Fällen Hebammen im Schichtdienst. Eine solche Geburtshebamme hilft der Frau, die Wehen zu verarbeiten. Sie entscheidet, wann es notwendig ist, einen Arzt hinzuzuziehen. Nach der Geburt lassen sich die meisten Frauen von einer Nachsorgehebamme helfen. Gerade in dieser Zeit des Wochenbetts sind sie eine wichtige emotionale Stütze. Schreit das Kind, will es nichts essen, steht die Hebamme den Eltern zur Seite. Um eine Nachsorgehebamme fürs Wochenbett sollte sich jede Frau schon während der Schwangerschaft kümmern.

 

Wehen: Wie stark sind die Schmerzen – und wie kann man sie lindern?

Bäder, Massagen und die richtige Atmung können helfen, mit den Wehen besser klarzukommen. Verschwinden werden sie dadurch nicht. Die Schmerzen entstehen durch die Kontraktionen der Gebärmutter. Kontrahiert diese nicht, wird das Kind nicht durch den Geburtskanal gepresst. Wehen sind also notwendig. Es gibt verschiedene Wehen. Die Eröffnungswehen weiten den Muttermund auf die notwendigen zehn Zentimeter Breite. Erst wenn dieser geöffnet ist, dürfen die Schwangeren durch aktives Pressen die Wehen unterstützen. Der Wehenschmerz kann durch eine Periduralanästhesie (PDA) nahezu vollständig gelindert werden. Dabei wird die Schwangere durch eine Spritze in die Wirbelsäule betäubt, sodass sie keine Wehenschmerzen verspürt, die Geburt aber mitbekommt. Verlangt eine Schwangere nach einer PDA, bekommt sie diese in der Regel auch, es sei denn die Geburt ist bereits zu weit fortgeschritten. Die PDA kann sinnvoll sein, wenn die Wehen zu schwach sind und die Geburt mithilfe eines Wehentropfs eingeleitet werden soll. Sie lindern die Schmerzen, die durch den Wehentropf entstehen. Zu den Risiken der PDA kann man sich in der Geburtsklinik vor dem Geburtstermin aufklären lassen.

 

Wie erkenne ich eine postpartale Depression?

Erschöpft fühlt sich jede Mutter nach einer Geburt. Hält dieser Zustand länger an und gesellt sich dazu ein Gefühl der Leere, Gleichgültigkeit und Gereiztheit, kann dies auf eine postpartale Depression hindeuten. Etwa 15 Prozent aller Mütter leiden darunter. Viele fühlen sich außerstande, eine Beziehung zu dem Kind aufzubauen, auch Versagensängste spielen eine Rolle. Aus Scham vertrauen sich viele Frauen niemandem an. Dabei sind Wochenbettdepressionen nicht nur verbreitet, sondern auch gut behandelbar. Eine erste Ansprechpartnerin ist die Hebamme. Auch Haus- und Frauenärzte helfen weiter. Zudem gibt es an einigen psychiatrischen Krankenhäusern Abteilungen, in denen das Kind zusammen mit der Mutter aufgenommen werden kann. Infos dazu gibt es unter www.marce-gesellschaft.de.

Von Nadine Zeller/RND

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