weather-image

Wie sich die Bundestagskandidaten im Internet präsentieren

SPRINGE. Plakate sind out. Der Wahlkampf wird in den sozialen Medien ausgetragen. Vor allem junge Menschen informieren sich vorwiegend im Internet. Anika Heidrich ist eine von ihnen. Zum ersten Mal nimmt die 18-Jährige an einer Bundestagswahl teil.

Der Wahl-O-Mat hilft bei der Wahlentscheidung. Und auch die Kandidaten präsentieren sich im Netz. Wir haben hingeschaut. FOTO: MISCHER
hermes

Autor

Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Sie schaut sich genau an: Wie präsentiert sich der jeweilige Kandidat auf Facebook, Twitter und Co.? Welche Informationen bieten die Internetseite der Parteien?

„Um nicht planlos wählen gehen zu müssen, mache ich mir seit knapp einem Monat Gedanken“, sagt sie. Neben Wahlplakaten, Nachrichten aus Funk, Fernsehen und Tageszeitungen schaut sie sich auch die sozialen Medien an. Sie habe aber auch mit ihren Eltern gesprochen und sich bewusst im Internet die einzelnen Wahlprogramme und Kandidaten angeschaut. Auch die Neue Deister-Zeitung hat die Internetaktivitäten mal genauer unter die Lupe genommen – und ein Blick auf die Seiten der Parteien lohnt. Es macht deutlich: Die einen sind professioneller unterwegs als die anderen.

Auf der – allerdings ehrenamtlich gepflegten – Seite des Stadtverbands der CDU Springe sieht der Nutzer zunächst Bilder vom Klimaschutztag auf dem Marktplatz. Ein Foto zeigt Bundestagskandidatin Maria Flachsbarth mit Landtagskandidat Torsten Luhm. Gleich darunter steht der Punkt „Aktuelles“. Problem ist nur: Die neuste Meldung stammt vom 30. Juni. Sie beinhaltet die Erklärung von Flachsbarth zur Abstimmung über „die Ehe für alle“.Zudem fehlen auf den ersten Blick direkte Links zu Flachsbarths beim Auftritt im Web und bei Facebook. Die gibt es stattdessen von Torsten Luhm.

Aktueller ist in jedem Fall Maria Flachsbarths eigener Internetauftritt. Sie zeigt viele Aufnahmen ihrer zahlreichen Wahlkampfaktivitäten – untergliedert in die Kategorien „unterwegs in Berlin“, „unterwegs im Wahlkreis“ und „anderswo“. Und sie präsentiert einen Kalender mit allen Terminen der nächsten Tage.

Auch ihre politischen Ziele stellt sie einzeln vor und nutzt nicht nur die Verlinkung auf die Seiten der Bundes-CDU. Genauso lebendig agiert Flachsbarth auf Facebook und serviert tagesaktuelle Aktivitäten mit vielen Handyfotos – zuletzt das Treffen mit Innenminister Thomas de Maizière.

Die ebenfalls ehrenamtlich gepflegte Internetseite des SPD-Ortsvereins wirkt zunächst strukturierter als die der Christdemokraten. Aufgelistet werden neben Bundestagskandidat Matthias Miersch auch der Regionsabgeordnete Eberhard Brezski, Ministerpräsident Stephan Weil und der Europaabgeordnete Bernd Lange. Klickt der Nutzer der Seite auf das jeweilige Bild, landet er sogleich auf der Seite des entsprechenden Politikers. Lediglich die Begrüßung von Eberhard Brezski könnte aktueller ausfallen – thematisiert wird immer noch die Kommunalwahl, dabei sollten die Zeichen auf Bundes- und Landtagswahl stehen.

Matthias Miersch informiert unterdessen auf seiner Internetseite über aktuelle Termine, er listet persönliche Erklärungen auf und präsentiert sich als „gläserner Abgeordneter“. Auch auf Facebook ist der Sozialdemokrat sehr aktiv. Er zeigt sich bei seinen Hausbesuchen, postet Wahlspots der Bundes-SPD und macht Werbung für den Ministerpräsidenten Stephan Weil und Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt.

Klickt man auf die Seite www.fdp-springe.de, taucht zwar direkt Harald Klotz auf – aber nicht in seiner Funktion als Bundestagskandidat. Er begrüßt die Leser mit den Worten: „Die Kommunalwahl steht vor der Tür und wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.“ Immerhin: Ein direkter Link führt den Leser auf die Facebookseite der FDP -Springe. Hier geht es in Ansätzen um die Bundes- und Landtagswahlen. Gepostet werden vornehmlich Inhalte der Bundes-FDP.

Harald Klotz taucht in den ersten Beiträgen nicht auf. Dafür präsentiert er sich auf seiner eigenen Facebookseite. Mal zeigt er sich bei einer Wahlkampfveranstaltung, mal gibt er Persönliches preis und mal lässt er die Bundes-FDP für sich sprechen.

Sparsam kommt der Internet-Auftritt des AfD-Stadtverbands Springe daher. Sabine Ehrke wird nicht mal als Bundeskandidatin für den heimischen Wahlkreis präsentiert, geschweige denn verlinkt. Lediglich der regelmäßig stattfindende Stammtisch wird angekündigt. Einen eigenen Internetauftritt hat Ehrke nicht – zu finden ist sie aber in den sozialen Medien, auf Facebook und Twitter. Dort gibt sie allerdings wenig Persönliches preis, sondern teilt Tweets, Zeitungsartikel oder Videos, die sie kurz und knapp kommentiert. Politische Ziele und Aktivitäten erfährt der Leser kaum.

Der Web-Auftritt der Grünen wirkt zwar auf den ersten Blick recht knapp, man stöß0t aber schnell auf den heimischen Bundestagskandidaten Roland Panter. Er wird auf einem Wahlplakat gezeigt, das auch als direkte Verlinkung zu seiner eigenen Seite dient. Auch ein Bericht über seinen Besuch in Springe ist zu finden. Einen Terminkalender führen die Grünen ebenfalls, allerdings fehlen Eintragungen.

Bei seinem Web-Auftritt setzt Panter vor allem auf eins: Videobotschaften. Er spricht seine potenziellen Wähler direkt an und zeigt offen seine politische Haltung. Den Flyer zu seinem persönlichen Programm „Menschen, Arbeit, Digitales“ finden Leser mit nur einem Klick. Auf Facebook treibt sich der Familienvater zwar auch rum, er postet aber längst nicht so regelmäßig wie die Profis Maria Flachsbarth oder Matthias Miersch.

„Springe unterstützt die Bundestagskandidatin Jessica Kaußen“ – wer diesen Satz auf der Seite der Springer Linken finden will, muss ganz schön auf die Suche gehen. Ein Foto von Kaußen sowie eine Verlinkung gibt es nicht.

Dafür wird auf die Seiten der Linksfraktion im Bund und im Landtag verwiesen. Ansonsten ist die 27-jährige nur auf Facebook vertreten, wo sie dokumentiert, an welchen Veranstaltungen sie teilnimmt.



Weiterführende Artikel
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt