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NDZ-Wahlforum: Sechs Bundestagskandidaten – ein Termin

BAD MÜNDER. Noch elf Tage, bis sich entscheidet, wer für den Wahlkreis 46, zu dem auch Bad Münder gehört, in den Bundestag einzieht. Am Donnerstag stellen sich die Kandidaten aller großen Parteien den Fragen der Wähler im NDZ-Forum. Wir stellen vor, wer um 19 Uhr auf dem Podium in Bad Münder sitzt.

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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Johannes Schraps, SPD

Der Nachfolger: Johannes Schraps will in die Fußstapfen von Gabriele Lösekrug-Möller – und er ist der jüngste Kandidat im Wahlkreis 46: Mit 34 Jahren buhlt der Politologe um die Gunst der Wähler in Hameln-Pyrmont und Holzminden. In einer Kampfabstimmung hat er sich im Januar bei den Sozialdemokraten durchgesetzt, bei den Bürgern will er mit den Schlagworten „gemeinsam, solide, stark, gerecht“ punkten. Der Mann aus Groß Berkel ist überzeugter Europäer und seit dem 16. Lebensjahr Mitglied der SPD. 2014 kandidierte er für das Europaparlament, schaffte es aber nicht auf einen Sitz in Brüssel. In zweiter Reihe ist er beruflich bereits seit 2011 politisch aktiv – zuerst als parlamentarischer Assistent in Brüssel, seit Dezember 2013 als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Achim Barchmann im Europaausschuss.

Michael Vietz, CDU

Auf seiner Wahlkampfseite präsentiert sich Michael Vietz mit einem Buch des Physikprofessors Brian Greene – beruflich ist der CDU-Kandidat allerdings davon weit entfernt: Ausbildung als Bankkaufmann bei der Deutschen Bank in Hameln, später Studium der Wirtschaftswissenschaften, danach Mitarbeiter des Kreditinstituts Ing.Diba in Hannover – Vietz ist in der Finanzwelt zuhause.

Seit 2013 ruhen seine Posten dort aber – Vietz ist seitdem Mitglied des Bundestags, er schaffte den Sprung nach Berlin über die Parteiliste. Der 48-Jährige sitzt dort unter anderem im Auswärtigen- sowie im Petitionsausschuss. Parteimitglied ist er seit 1988 und hat seitdem einige politische Ämter durchlaufen – angefangen bei der Jungen Union in Hameln-Pyrmont, die er bis 2003 anführte. Von 2011 bis 2016 saß er für die Union im Stadtrat seiner Heimat Hameln und im Kreistag Hameln-Pyrmont.

Ute Michel, Die Grünen

Gesellschaftliche Veränderungen konkret mitgestalten – das ist das, was Ute Michel reizt. Die 48-jährige Pyrmonterin kandidiert auf Listenplatz 21 für Bündnis 90/Die Grünen in Niedersachsen und will den Wahlkreis künftig in Berlin vertreten. Sie hat Geschichte und Slavische Philologie studiert, dann in Brüssel für das Europäische Parlament und für Nichtregierungsorganisationen gearbeitet. Mehr als sechs Jahre war sie in Frankreich und England für den Weltverband der Interessenvertretungen von Menschen mit geistiger Behinderung tätig. Elf Jahre lebte sie in London, und nach eigener Einschätzung war diese Zeit hauptsächlich durch ihr politisches Engagement geprägt. Sie trat der englischen Grünen Partei bei, war gewähltes Ratsmitglied, kandidierte bei der Europawahl 2009 auf der Liste der Grünen in London auf Platz 2. In Bad Pyrmont ist sie seit dem Vorjahr Fraktionsvorsitzende.jhr

Jutta Krellmann, Die Linke

Sie ist die Kandidatin mit der meisten Erfahrung als Abgeordnete: Bereits 2009 und 2013 zog Jutta Krellmann für die Linke in den Bundestag ein. Jetzt unternimmt die 61-Jährige aus Brünnighausen bei Coppenbrügge einen weiteren Anlauf, und ihre Partei setzt auf sie: Platz drei der Landesliste in Niedersachsen wurde ihr von den Mitgliedern zugedacht. Ein Platz, der die Arbeit der Gewerkschaftssekretärin in Berlin in den vergangenen Jahren würdigt. Die gelernte Chemielaborantin und studierte Volkwirtin Krellmann war viele Jahre SPD-Mitglied, trat aber nach der „Agenda 2010“ aus und wechselte 2004 zur WASG, um dann die Linke in Niedersachsen mit aufzubauen. Neben ihrem Job als Bundestagsabgeordnete arbeitet Krellmann mit geringer Stundenzahl als Gewerkschaftssekretärin bei der IG Metall in Hameln. „So verliere ich nicht die Bodenhaftung“, sagt sie.jhr

Klaus-Peter Wennemann, FDP

Ein zweiter Anlauf: Klaus-Peter Wennemann will für die FDP in den Bundestag einziehen. Der 59-jährige Hamelner hatte bereits bei der vergangenen Bundestagswahl seinen Hut in den Ring geworfen – weil er den Bereich Wirtschaft und Finanzen stärken will. Dass er die Kompetenzen dazu hat, hat er bei seiner Bewerbung um einen aussichtsreichen Listenplatz seiner Partei herausgestellt. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hannover machte er Karriere im Bankensektor. Mehr als 35 Jahre war er in Führungspositionen aktiv, seit 2010 arbeitet er als Unternehmensberater mit den Schwerpunkten Kapitalmarkt- und Strategieberatung. Die Stichworte Euro, Handelsabkommen und Brexit machen für Wennemann deutlich, dass Expertise in diesem Bereich im Bundestag künftig mehr als gefragt sein wird. Der Hamelner sieht sich aber auch gut geerdet – als Stadtverbandsvorsitzender der FDP, als Familienmensch.jhr

Armin-Paul Hampel, AFD

Er ist Spitzenkandidat seiner Partei in Niedersachsen: Armin-Paul Hampel will für die Alternative für Deutschland in den Bundestag einziehen, setzte sich nach innerparteilichem Streit deutlich an die Spitze. Der 60-Jährige aus der Lüneburger Heide kandidiert im Wahlkreis 46 Hameln-Pyrmont - Holzminden – und dass er vielen Älteren bekannt vorkommt, liegt an seiner medialen Präsenz. Als Landesvorsitzender seiner Partei und Mitglied im Bundesvorstand ist er häufig zu sehen, noch häufiger war er in seiner aktiven Zeit als Fernsehjournalist in deutschen Wohnzimmern zu Gast: Er arbeitete für Sat.1 und RTL, war Nachrichtenchef des MDR, berichtete für die ARD aus Berlin und später lange Zeit auch aus Neu-Delhi. 2013 trat er in die AfD ein und wurde im selben Jahr an die Spitze des Landesverbandes gewählt.

Der gebürtige Bielefelder ist Vater von vier Kindern.jhr

Was sonst noch wichtig ist - Fragen und Antworten zur Bundestagswahl:

Wer ist Wahlberechtigt?

Zur Bundestagswahl darf jeder seine Stimme abgeben, der bis zum Wahltag das 18. Lebensjahr vollendet hat. Seit 2013 dürfen übrigens auch deutsche Staatsbürger wählen, die im Ausland leben – sofern der Umzug nicht bereits über 25 Jahre zurückliegt.

Wieviele Wahlberechtigte gibt es in Bad Münder?

Im Wählerverzeichnis der Stadt sind aktuell genau 13 902 Personen eingetragen. Im Vergleich zur Wahl vor vier Jahren ist die Zahl um beinahe 200 gesunken – damals waren noch 14 094 Wahlberechtigt. Insgesamt sind 61,5 Millionen Bürger zur Bundestagswahl aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Wo kann gewählt werden?

Wahllokale gibt es in jedem Ortsteil von Bad Münder und in der Kernstadt – vorrangig sind es die Gerätehäuser der Feuerwehr, Schulen oder Freizeiteinrichtungen der Vereine. Insgesamt ist das Stadtgebiet in 22 Bezirke unterteilt – danach richtet sich auch, wo der Stimmzettel in die Urne geworfen werden darf. Ein Blick auf die Wahlbenachrichtigung verrät die genaue Adresse des Wahllokals.

Und wer am Tag der Bundestagswahl keine Zeit hat?

Jeder Wähler kann auch im Vorfeld abstimmen. Dafür gibt es drei Möglichkeiten: Entweder mit dem Wahlschein die Unterlagen schriftlich beantragen, in der Briefwahlstelle der Stadt im Steinhof direkt wählen, die von Montag bis Freitag geöffnet hat, oder online einen Stimmzettel beantragen – die Adresse ist auf www.bad-muender.de verlinkt. Der Wahlzettel muss aber eingegangen sein, bevor die Wahllokale schließen.

Wer und was darf gewählt werden?

Grundsätzlich gibt es bei der Bundestagswahl zwei Stimmen – eine für den Direktkandidaten, eine für die gesamte Liste der Partei. Wichtig: Jeweils nur ein Kreuz, sonst wird zählt die Stimme nicht. Wer noch eine Entscheidungshilfe benötigt: Die Kandidaten von SPD, CDU, FDP, Grünen, Linke und AFD sind morgen ab 19 Uhr im Foyer des Martin-Schmidt-Konzertsaals zu Gast – Stellen Sie Ihre Fragen im NDZ-Wahlforum!

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