weather-image
19°

Drei Abgeordnete für Bad Münder: So war der Abend

BAD MÜNDER. Die großen Fußstapfen, er hat sie gefüllt: Johannes Schraps löst seine Genossin Gabriele Lösekrug-Möller ab. Als Bundestagsabgeordnete für Bad Münder und den Landkreis hat sie 16 Jahre die Region in der SPD-Fraktion vertreten – wie vor ihr schon Gabriele Schulte.

270_0900_63382_wahl155_SPD_cb_2509.jpg

Autor:

JENS RATHMANN UND CHRISTIAN ZETT

Nun also der Newcomer Johannes Schraps. Er wird allerdings nicht alleine aus dem Wahlkreis 46 nach Berlin ziehen: Jutta Krellmann (Linke) und Armin Hampel (AfD) haben den Einzug über gute Listenplatzierungen ebenfalls geschafft. Noch offen war bei Redaktionsschluss ein möglicher Einzug des CDU-Kandidaten Michael Vietz ins Parlament, wie bereits vor vier Jahren könnte er höchstens noch über die Liste einen Sitz erreichen.

Schraps zeigte sich am Abend gegenüber der Neuen Deister-Zeitung erleichtert: „Mir fällt ein Stein vom Herzen, dass der Generationenwechsel geklappt hat.“ Das deutlich bessere Ergebnis der SPD im Weserbergland sei ein Beweis der guten Arbeit, die man vor Ort leiste – ein „Vertrauensbeweis“. Die Werte der Bundes-SPD seien dagegen „deprimierend“. Und: Es sei schlimm, dass mit der AfD wieder „eine rechtsradikale Partei im Bundestag sitzt – das muss man so benennen“. Für ihn und die SPD gelte es, weiter auf Transparenz zu setzen, Politik zu erklären, um Verständnis zu wecken.

Krellmann erfuhr gegen 21 Uhr, dass ihr dritter Listenplatz sie wieder nach Berlin führen würde. Die Freude darüber vermischte sich jedoch mit Frust für die Politikerin: Sie habe sich zum einen eine linke Mehrheit im Bundestag gewünscht. Zum anderen mache es ihr Sorgen, dass die AfD als „teils faschistische“ Partei „ohne Programm“ in den Bundestag eingezogen sei. Sie wolle nun als Teil ihrer Arbeit im Parlament auch Gruppen wie Gewerkschaften und Sozialverbände stärken.

Vietz zeigte sich nach Bekanntgabe der ersten Schnellmeldungen ernüchtert über das Abschneiden seiner Partei und sein Ergebnis. Er sei zwar gläubiger Katholik, aber nicht so sehr, dass er an ein Wunder glaube, das ihn noch an Schraps vorbei führe. Der SPD-Kandidat habe an die gute Arbeit von Lösekrug-Möller angeknüpft, mit der er in den vergangenen vier Jahren sehr zum Wohl des Weserberglandes zusammengearbeitet habe. „Der Wähler gibt, der Wähler nimmt“, erklärte Vietz, deutlich unzufrieden auch mit dem Ergebnis von CDU/CSU auf Bundesebene. Eine der zentralen Fragen werde sein, wie die erschreckend hohe Zahl der AfD-Wähler „in die Mitte“ zurückgeholt werden könne. „Nicht jeder AfD-Wähler ist rechtsradikal, auch wenn sich die führenden Vertreter der Partei durch rechtsradikale Äußerungen hervortun.“

Klaus-Peter Wennemann (FDP) konnte sein Ergebnis in Bad Münder deutlich verbessern – von 1,37 Prozent vor vier Jahren auf 4,93 Prozent. Er war sich bewusst, dass viele FDP-Wähler taktisch gewählt hätten – Zweitstimme für die FDP, Erststimme für den Kandidaten von CDU oder SPD. Die frühe Festlegung auf die SPD, in die Opposition zu wechseln, könne er nicht nachvollziehen. Ähnlich wie Wennemann kann Ute Michel (Grüne) nicht auf einen Einzug in den Bundestag hoffen. Deutlich abgeschlagen: der Münderaner Hermann Gebauer, der auf der Liste der Piraten angetreten war. Er erreichte 1,48 Prozent.

Links zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare