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Jugend in Bad Münder – und mit der Dampflok nach Springe

BAD MÜNDER/TOWNSVILLE. Erinnerungen an die Jugend in Bad Münder gibt es nicht nur rund um Deister und Süntel – selbst am anderen Ende der Welt leben Menschen, die oft wehmütig an ihre Kindheit in Bad Münder zurückdenken. Klaus Schnepel wohnt seit über 55 Jahren in Australien – aufgewachsen ist er aber in Bad Münder.

Im Mandolinen- und Gitarrenverein waren Klaus Schnepel und sein Vater jahrelang aktiv. Fotos: pr
lindermann

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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

„Ich wurde 1939 geboren, mein Vater hatte Arbeit bei der Stuhlfabrik ‚Rahlmühle‘ in Bad Münder gefunden“, erinnert sich der heute 79-jährige Schnepel. Bis er 18 Jahre alt war, lebte er gemeinsam mit seinen Eltern in der Straße Vor dem Oberntore 30. Damals waren die Zeiten noch andere: „Fast keiner hatte damals ein Telefon, wir mussten Telegramme zu unseren Verwandten in Hannover schicken“, erinnert er sich. Und noch mehr: „Wir hatten ein Klo in der Scheune und mussten über den Hof dort hingehen.“

Schnepel besuchte die Volksschule in Bad Münder und hatte dort einen Lehrer, „den ich nicht vergessen kann, er hieß Georg Moss, wir nannten ihn Schorse, er kam ursprünglich aus Bakede.“ Nach seinem Schulabschluss trat er eine Lehre als Möbeltischler bei der Firma „Kalenberger Möbelfabrik“ in der Angerstraße an. „Jede Woche fuhr ich einmal mit dem Zug zur Berufsschule nach Springe – das ging damals noch mit Dampflokomotive.“

Später zog Schnepel über den Schwarzwald in die Schweiz. „Von dort konnte ich auch meine Eltern in Bad Münder besuchen, was immer eine große Freude war.“ Im Alter von 23 Jahren stieß er schließlich auf ein Zeitungsinserat, dass Australien Einwanderer suche. Gemeinsam mit seiner Verlobten reiste er daraufhin 1963 nach Melbourne – aus dem ursprünglichen Plan, dort nur für zwei Jahre zu bleiben, sei nichts geworden, gibt Schnepel zu. In Australien gründete er ein Bauunternehmen und führte mit seiner Frau ein Restaurant, bevor er sich auf einer Insel bei Townsville zur Ruhe setzte.

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Vor dem Oberntore 30 – in diesem Haus wuchs Klaus Schnepel in den 1940er und 1950er Jahren auf.
  • Vor dem Oberntore 30 – in diesem Haus wuchs Klaus Schnepel in den 1940er und 1950er Jahren auf.
Am Wochenende wurde mit Freunden Minigolf im Kurpark gespielt – dieses Bild stammt etwa aus dem Jahr 1954.
  • Am Wochenende wurde mit Freunden Minigolf im Kurpark gespielt – dieses Bild stammt etwa aus dem Jahr 1954.
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Vor dem Oberntore 30 – in diesem Haus wuchs Klaus Schnepel in den 1940er und 1950er Jahren auf.
Am Wochenende wurde mit Freunden Minigolf im Kurpark gespielt – dieses Bild stammt etwa aus dem Jahr 1954.
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„Oft sitze ich am Strand im Schatten einer Palme, verfolge die Schiffe am Horizont und frage mich, ob eines von denen vielleicht nach Hamburg fährt“, erzählt er wehmütig. Er denke oft an seine alte Heimat in Bad Münder, „aber in Gedanken kann ich nur alles sehen, wie es früher mal war, als ich dort lebte.“

„Meine Gedanken gehen durch die Straßen und ich erinnere mich an vieles. Es gab wenige Autos – viele Bauern hatten noch Pferde – und keinen Supermarkt. Wir kauften ein bei Gutberlet in der Marktstraße sowie auch bei Garben in der Obertorstraße. Unsere Bäcker waren Hakemeier, Kunrich, Wedekind und Licht, wo ich oft unser Brot kaufte. Die Schlachter waren Knipping, Fehling, Erhard und Karl Schmidt.“ Natürlich weiß Schnepel auch noch ganz genau, wo er sein erstes Bier getrunken hat: in der Gastwirtschaft Hagemann in der Marktstraße.

„Im Winter liefen wir Schlittschuh auf dem Feuerteich, damals wurde das Rohmelbad gebaut und mit dem Bitterquellenwasser gefüllt.“ Im Kurpark habe er außerdem mit Freunden am Wochenende Minigolf gespielt; im Sommer war der kleine Eispavillion ander Ecke Deisterallee der Anlaufpunkt. „Wanderungen unternahmen wir nach der Bergschmiede und Eulenflucht im Süntel oder auch zur Ziegenbuche am Deister und auch zum Waldschlösschen im Osterberg. Schön war es auch jedes Jahr beim Schützenfest am Anger.“

Auch musikalisch war Klaus Schnepel aktiv: „Mein Vater und ich waren Mitglieder im Mandolinen- und Gitarrenverein“, erzählt er. „Jedes Jahr an Weihnachten gaben wir ein Konzert im Saal Hagemann. In diesem Saal wurden auch Filme gezeigt. Wir saßen auf normalen Stühlen und der Eintritt kostete 50 Pfennig.“

Zuletzt besuchte er seine Eltern in Bad Münder im August 1981. Aber „schon damals hatte sich vieles in Bad Münder verändert“, bedauert Schnepel. Viele Geschäfte und Fabriken, die er von früher kannte, gab es nicht mehr. „Aber das ist nunmal Progress“ – also Fortschritt, wie der Wahl-Australier es formuliert. Er betont aber auch: „Obwohl ich nun in Australien eingebürgert bin, habe ich aber immer noch meinen Stolz im Herzen, dass ich Deutscher bin. Dies bringt nun auch mit sich, dass ich oft noch an meine alte Heimat denke, aber nur von früher, wie ich es kannte, als ich dort lebte.“


Haben auch Sie Geschichten aus Ihrer Kindheit oder Jugendzeit in Bad Münder und Springe zu erzählen? Rufen Sie uns an unter 05041/78937 oder schreiben Sie uns eine E-Mail.

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