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Aufwachsen in Bakede: Als Skilauf am Süntel noch üblich war

BAKEDE. „Damals gab es noch richtige Winter zwischen Deister und Süntel“, erinnert sich Heinz Bähre, Jahrgang 1953, der in Bakede aufwuchs. Die Kinder im Dorf rodelten; Start war an der damaligen Stuhlfabrik Westphal. Vom Papenbrink ging es dann durch die Kurven an der Kirche vorbei bis zur Bauernstelle.

Die Bauernstelle beim Umzug des Volksfestes in Bakede im Jahr 1959. Vorne rechts ist der damalige Bürgermeister Lambert Hupe zu sehen, daneben Heinz Bähres Vater Heinrich Bähre, damals Mitglied des Verwaltungsausschusses in Bakede. Fotos: Bähre/Pr

„Mit viel Schwung und 15 gekoppelten Schlitten reichte es manchmal sogar bis zum Gasthaus Stern. Das Rodeln wurde vom allgegenwärtigen Dorfpolizisten noch geduldet, aber freihändig Fahrrad fahren war ihm ein Gräuel. Mit wenigen Handgriffen war flugs der Lenker abgeschraubt. Mit den Worten ‚Den brauchst du ja offensichtlich nicht, den kannst du nächste Woche bei mir wieder abholen’ schickte er uns mit dem nun unfahrbaren Untersatz davon.“

Auch der Skilauf hatte im Dorf Tradition. Holzskier wurden sogar in Bakede produziert. „Am Mattenberg schoss mancher Läufer forsch aus dem Süntel heraus und kam auf Skiern fast bis zur Wasserpumpstation. Hier habe ich das Skilaufen in den schneereichen Wintern gelernt und bin heute seit fast 60 Jahren auf Brettern unterwegs“, beschreibt Bähre sein Winterhobby. „Manchmal sind wir zum Abschluss vom Mattenberg am Waldrand entlang nach Kessiehausen gelaufen. Dort vom DRK-Haus ging es mit viel Schwung runter bis zur Kirche; 1250 Meter, die längste Abfahrt am Süntel.“ Damals gab es für den Winterdienst sogar einen Schneepflug im Dorf: „Ein V-förmiger breiter Holzschlitten gezogen von einem Trecker, Hand- und Spanndienste eines Landwirtes“, so Bähre

„Ein Highlight um Ostern war die Schaustellerfamilie Kölling“, erzählt Bähre weiter. Ein Kinderkarussell, ein Kettenkarussell und eine Schießbude waren dabei die Attraktionen. „Als kleinere Kinder bestaunten wir das Angebot, in späteren Jahren wurde gegen Freikarten selbst mit angepackt und aufgebaut. Der Begriff Kinderarbeit war noch nicht erfunden“, fügt er hinzu.

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Anfang 1955 lud die Schneelandschaft am Ortseingang Bakede zu Wintersport ein.
  • Anfang 1955 lud die Schneelandschaft am Ortseingang Bakede zu Wintersport ein.
Die Leidenschaft ist geblieben: Heinz Bähre mit modernen Skiern und historischen Holzbrettern aus dem Sünteltal.
  • Die Leidenschaft ist geblieben: Heinz Bähre mit modernen Skiern und historischen Holzbrettern aus dem Sünteltal.
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Anfang 1955 lud die Schneelandschaft am Ortseingang Bakede zu Wintersport ein.
Die Leidenschaft ist geblieben: Heinz Bähre mit modernen Skiern und historischen Holzbrettern aus dem Sünteltal.
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Im Sommer wurde draußen gespielt – Cowboyspiel, Freibad, Fußball und Rollschuhfahren waren die Aktivitäten –, im Herbst war dann die britische Rheinarmee immer auf Manöver im Sünteltal. „Panzer und Lastwagen standen getarnt bei Schönemeier am Ortsrand auf dem Bauernhof; die Gegner griffen von Beber aus an. Zum Leidwesen der Bauern nicht nur auf der Straße, sondern auch auf den Feldern“, erinnert sich Bähre. „Wir Kinder trieben uns immer in der Nähe herum, denn es gab aus den Verpflegungspaketen Naschereien, insbesondere Schokolade“. Bei schlechtem Wetter wurde mit der Modelleisenbahn gespielt – „wir wollten damals alle Lokführer werden“. Und wenn das doch einmal langweilig wurde, „ging es runter in die Backstube und am Ende tobten wir mit unseren Schuhen über die Mehlsäcke. Die sahen danach zumindest außen recht dreckig aus und es gab mächtig Ärger. Aber der Dorfbevölkerung hat das gesundheitlich in den nächsten Tagen offenkundig nichts ausgemacht“, fügt er augenzwinkernd hinzu.

Anfang der 60er bekam Bakede einen neuen Sportplatz. „Nachmittags wurde beim Gasthaus Keese nach einem Lederball gebettelt und dann wurde der Ball den ganzen Nachmittag über das Feld gejagt“, erzählt Bähre. In Erinnerung blieben ihm auch die Auswärtsspiele während der Bauphase in Hamelspringe. „Mit dem Großvater ging es am Sonntag zunächst zum Fußball. Nach dem Spiel gab es dort in der Gaststätte eine Bockwurst und eine Bluna. Mit etwas Glück war es dann kurz vor 17 Uhr und Opa hatte noch Spendierhosen an – dann gab es noch das Eintrittsgeld für die Kindervorstellung im Kino des Saales Keese.“

Mit der 5. Klasse folgte die Umschulung nach Hameln; los ging es morgens um 7 Uhr mit der Bahn vom Egestorfer Bahnhof. „Natürlich marschierten wir den Kilometer dorthin zu Fuß, bei Wind und Wetter, Regen und Schnee. Später, als Autos aufkamen, wurden wir auch manchmal mittags abgeholt – das Elterntaxi ist also keine Erfindung der Neuzeit.“

Mit 16 Jahren war dann der Führerschein für Kleinkrafträder Pflicht. Die Standardmopeds waren von Kreidler. Daran wurde geschraubt und gebastelt. „Am Ende hatten wir die schnellsten Kreidler im Sünteltal. Das kostete zwar manchmal einen Motor, aber für eine bessere Lautstärke taten wir vieles. Schließlich hatten wir als Halbstarke einen Ruf zu verlieren.“


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