weather-image
Ein 85-jähriger Springer profitiert noch heute von einem Kaufvertrag, den er 1969 abschloss

Zwei Millionen Euro Rente von der Stadt

Springe (zett). Vor 42 Jahren schien es wie ein Schnäppchen – doch der Kauf eines Grundstücks am Ebersberg ist für die Stadt richtig teuer geworden. Denn der heute 85-jährige Verkäufer hatte sich damals statt einer festen Kaufsumme eine lebenslange Rente zusichern lassen. Bis heute bekommt er monatlich 4328 Euro – und hat damit bislang sage und schreibe rund 2,1 Millionen Euro von der Stadt erhalten. Ende offen.


„Solche Verträge würde man heute wohl nicht mehr machen. Aber damals haben sich beide Seiten Vorteile davon erhofft“, erklärt der Erste Stadtrat Hermann Aden. Das große Grundstück an der Deisterpforte sei im Rahmen der Stadtentwicklung in den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts angekauft worden. Heute befänden sich dort Mehrfamilienhäuser, sagt Aden.

Er vermutet, die Verwaltung habe damals vielleicht nicht genug Geld auf einmal zur Verfügung gehabt und die Aufnahme eines teuren Bankkredits vermeiden wollen: „Und es hat wohl kaum jemand damit gerechnet, dass der Vertrag so lange laufen würde.“

Rein statistisch sei man bei dem damals 44 Jahre alten Verkäufer des Grundstücks von einer Lebenserwartung von weiteren 23 Jahren ausgegangen, nimmt Aden an. Das hätte die Stadt umgerechnet nur etwa eine Million Euro gekostet – und damit eine ganze Menge weniger als es heute der Fall ist.

Für die Stadtkasse ist übrigens noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Der Rat soll am 27. Januar in seiner Sondersitzung die außerplanmäßige Bereitstellung von weiteren 35 000 Euro beschließen, um die zur Verfügung stehende Summe an die ständig aktualisierte Lebenserwartung des Mannes anzupassen.

Denn die muss die Stadt, auch wenn es makaber wirkt, Jahr für Jahr neu berechnen: „Wir müssen für künftige Verpflichtungen Rücklagen bilden und Risiken beziffern“, sagt Aden. Momentan geht die Stadt davon aus, dass der 85-Jährige statistisch noch exakt 5,47 Jahre zu leben hat – und genau so lange auch noch Anspruch auf Zahlungen besitzt. Bislang stehen im Stadtbudget noch 248 000 Euro bereit – gut 52 000 Euro fließen pro Jahr an den Grundstücksverkäufer. „Wir müssen eben immer sicherstellen, dass wir die Verpflichtungen aus diesem Vertrag bezahlen können“, erklärt Aden.

Bei allen Kosten für die Stadt mag es ein schwacher Trost sein – aber offenbar ist dieser besondere Vertrag in Springe ein Einzelfall: „Ich weiß zumindest von keinem weiteren“, sagt Aden.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt