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Zukunfts-Dorf: So präsentierte sich Eldagsen der Jury

ELDAGSEN.8.47 Uhr: „Vrooom“ – ein Lastwagen lärmt an der Fahrbahn am Bürgersteig vorbei. Drei Minuten bleiben noch, dann geht die Rundfahrt durch den Ort los, der Bus steht schon parat, direkt am Bürgersteig. Ebenso wie die 21 Mitglieder der Bewertungskommission zum Regionswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.

Reisegruppe mit Bewertungsauftrag: Regionspräsident Hauke Jagau ( von rechts) und Springes Bauleitplanerin Susan Demelius hören zu, während Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Rohlf der Jury die Bedeutung des Schützenplatzes für Eldagsen erklärt. FOTOS:
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Direkt neben dem Bus. Das große Fahrzeug hält eigentlich eine Menge Straßenlärm ab – aber offenbar nicht genug.

8.50 Uhr: „Man kann Sie nur ganz schlecht verstehen“, sagt eine Jurorin zu Karl-Heinrich Rohlf, der gerade auf den Schützenplatz deutet und vom Freischießen schwärmt. Rohlf antwortet, nun deutlich lauter: „Ja, das ist die Lange Straße!“ Und verbindet den Satz mit dem Hinweis, dass es leider bislang nur zwei Fußgängerüberwege gibt. Die Jury lacht. Beim Besuch der Bewertungskommission sind sogar die Pointen sekundengenau gesetzt.

90 Minuten bleiben den Eldagsern jetzt, um die Experten zu überzeugen. Besucht haben die Jurymitglieder bereits am Vortag Nöpke, einen Ort bei Neustadt am Rübenberge, Mesmerode bei Wunstorf, am Freitagnachmittag folgt noch Jeinsen bei Pattensen. Am späten Nachmittag fällt dann die Entscheidung darüber, wie der neue Zukunftsort in der Region heißt.

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8.53 Uhr: Der Bus rollt, Rohlf greift zum Mikro, „Willkommen im Sanierungsgebiet“ – und der Weg führt die Reisegruppe entlang der Langen Straße. Der Ortsbürgermeister spricht über geplante und realisierte Bauprojekte, „links hier möchte auch jemand investieren“, redet dann Regionspräsident Hauke Jagau, der die Bewertungskommission leitet, direkt an: „Hier, Herr Jagau, möchte die Regiobus ihre neue Halle bauen“. Dann folgt ein Lob mit Blick auf den Verbleib der Regiobus in der Stadt, gespickt mit einem kleinen Seitenhieb: „Es ist gut, dass die Region – auch – mal – Wort hält.“ Die Juroren lachen, die Atmosphäre ist locker.

Bei der Preisvergabe zählen Planungskonzepte zur Dorfentwicklung und zur Stabilisierung gewachsener Strukturen, das kulturelle Leben, die bauliche Gestaltung und Begrünung sowie der Umweltschutz. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf dem Thema „Integration und Willkommenskultur im ländlichen Raum“. Regionssprecher Klaus Abelmann schleppt eine dicke Mappe mit Unterlagen mit sich herum, alles über Eldagsen. Ein Großteil der Arbeit, die im Vorfeld geleistet wurde, steckt darin: Denn darin wird erklärt, warum Eldagsen zukunftsfähig ist.

9.06 Uhr: Der Bus hält vorm Treffpunkt Einzigartig, Neu-Eldagser aus Syrien und Afghanistan haben Leckereien gebacken und schenken Kaffee und Tee aus. Mansour Ahmadi, ein 15-jähriger Neubürger aus Afghanistan, kommt mit Jagau ins Gespräch: „Ich wohne sehr gern in Eldagsen, weil ich sofort gute Freunde gefunden habe.“ Rohlf spricht über die Integrationsbemühungen im Ort: „Zuzug hat es in Eldagsen schon immer gegeben – und das hat immer geklappt.“ Benjamin Ellermann macht anschließend drei Mausklicks, dann startet ein Imagefilm über den Ort.

Dörfer, die die Jurys auf Regionsebene überzeugen, haben die Chance, am Wettbewerb für ganz Niedersachsen teilzunehmen. Wer sich dort behauptet, dem winkt sogar der Bundesentscheid. Damit in Eldagsen alles glatt läuft, hat fast das ganze Dorf bereits am Mittwochabend einen Probedurchlauf organisiert, um zu verhindern, dass etwas schief läuft, wenn die Jury da ist. Viele Eldagsener haben sich für den großen Tag extra Urlaub genommen.

9.33 Uhr: Rohlf geht mit seinem blauen Ortsrat-Shirt und dem Eldagsen-Schal vorweg. Ihm folgt die gesamte Bewertungskommission im Gänsemarsch. Auf dem Marktplatz herrscht reges Treiben: Chormusik der Grundschüler schallt den Gästen entgegen. Die Feuerwehr hat ein Löschfahrzeug aufgestellt, Ortslandwirt Wilhelm Niedermeier hat dafür gesorgt, dass neue und historische Traktoren auf dem Kirchplatz stehen, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft hat sogar ein kleines Schnellboot aufgestellt und ganz am Ende das Platzes lockt eine Kaffee- und Kuchentafel. 10.11 Uhr: Für die Juroren gibt’s ein Präsent: Eldagsen-Tasse und Leckeres vom Eldagser Hoflieferanten.

All das hat die Jury am Ende nicht vollends überzeugt – zumindest was den Gesamtsieg angeht: Auf Platz eins landete Jeinsen (3000 Euro), Nöpke ist auf dem Zweiten. Eldagsen steht auf Rang vier, wofür die Stadt 1500 Euro einstreichen kann. Die Gehlenbachstadt konnte aber immerhin beide mit je 500 Euro dotierten Sonderpreise abräumen: Einen für Integration und Willkommenskultur im ländlichen Raum, einen weiteren für Klimaschutz und Klima-Anpassung. Insgesamt landen also 2500 Euro für Projekte in der Stadtkasse.

„Die Bewertungskommission fand es beeindruckend, dass Eldagsen nicht nur offensiv seine Stärken herausgestellt, sondern ganz selbstbewusst auch seine Schwächen angesprochen hat“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann. Das Thema Ortsdurchfahrt etwa sei dabei mehrfach zur Sprache gekommen. „Da ist der Eindruck entstanden, dass die Eldagser Probleme erkennen und gut damit umgehen können.“ Begeistert gezeigt hätten sich die Jurymitglieder von der Art, wie Eldagsen mit Flüchtlingen und Neuankömmlingen umgeht.

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