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Unwetter in Bennigsen: Experten sind sich uneins, wie viel Niederschlag fiel / Feuerwehr gründet Arbeitsgruppe

Zu viel Regen über Bennigsen

BENNIGSEN. Fest steht, dass es am Freitagabend in Bennigsen stark geregnet hat. So stark, dass es zu Überschwemmungen gekommen ist. Darüber, wie stark der Guss über Benigsen war, gibt es Unklarheit: Während der Deutsche Wetterdienst (DWD) von Regenmengen um bis zu maximal 40 Liter pro Quadratmetern ausgeht, berichten lokale Wetterbeobachter von Niederschlagsmengen von bis zu 60 Litern. Dieter Erdmann, Leiter des Städtischen Stadtentwässerungsdienstes, geht, je nach tatsächlicher Regenmenge, von einem Ereignis aus, das nur alle 100 bis 500 Jahre vorkommt.

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Autor:

von ralf t. mischer und saskia helmbrecht

Der DWD, der seine Berechnung des Niederschlages mithilfe sogenannter Regenradars erstellt, spricht von 30 bis 35 Litern pro Quadratmeter, maximal 40 Liter, würde man einen Fehler in der Messung berücksichtigen. „Das ist schon eine ordentliche Menge“, sagt Christian Herold vom DWD. Im Vergleich zu anderen Gewitterzellen sei der Niederschlag aber gering. In Braunschweig seien an die 60 Liter heruntergekommen.

Erdmann von der Stadt vertraut den tatsächlichen Messungen der Bennigser, die mithilfe von klassischen Niederschlagsmessern durchgeführt worden sind. Insgesamt drei verschiedene Personen aus dem Ort haben ihm ihre Zahlen mitgeteilt: Ein Landwirt in Bennigsen sei auf 50 Liter pro Quadratmeter gekommen, an der Kläranlage seien 35 Liter gemessen worden, ein Bennigser, der nördlich der Bahn wohne, habe an dem Abend sogar 60 Liter gemessen. „Ich halte es durchaus für wahrscheinlich, dass es im Ort eine regelrechte Spitze gegeben hat“, sagt er und sieht in den lokalen Messwerten keinen Widerspruch zu jenen des DWD. Zudem müsse neben der Regenmenge auch berücksichtigt werden, in welche Richtung das Wasser läuft.

Lässt sich gegen eine solche Laune der Natur überhaupt sinnvoll vorbeugen? „Zum Teil ja“, erläutert Dieter Erdmann, „aber irgendwann ist der Regen einfach zu viel“. So wie eben am Freitag: Der Boden stoße bei solch starken Regenfällen binnen weniger Minuten rasch an seinen Aufnahmegrenzen. Aber: „Mit einer modernen Kanalisation wäre weniger passiert.“ Deshalb müsse der Weg hin zur Trennung von Schmutz- und Regenwasser konsequent weitergegangen werden. In Bennigsen sei der Umstieg aufs Trennsystem erst bei einem Teil des Leitungsnetzes vollzogen.

Während sich die Wetterexperten bei der Wassermenge uneins sind, ist man sich in Springe über den hervorragenden Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr einig. „Die Zusammenarbeit hat sehr gut geklappt“, lobt Feuerwehr-Sprecher Stefan Quentin. In der Kernstadt haben die Helfer eine sogenannte „Elo“ eingerichtete, eine Einheit, die dem Einsatzleiter als Unterstützungseinheit dient. Die Elo führt den Funkverkehr sowie die Lagekarte und dokumentiert in einem Tagebuch wichtige Maßnahmen oder Ereignisse, die an der Einsatzstelle passieren. In Bennigsen wurde zudem eine Abschnittsleitung eingerichtet.

„Diese Strukturen, die in Springe nur rudimentär vorhanden sind, müssen ausgebaut werden“, sagt Stadtbrandmeister Herbert Tschöpe. „Ich bin sehr zufrieden mit den Kameraden, sie waren sehr engagiert und sehr ruhig“, so Tschöpe. Die Einsätze konnten mit den Mitteln abgearbeitet werden, die der Feuerwehr zur Verfügung standen. Um die Kraftstoffversorgung kümmerte sich die Feuerwehr Alferde. „Natürlich geht es immer besser“, betont Tschöpe. Aus diesem Grund möchte er jetzt eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen, die von Stefan Quentin geleitet werden soll, um die Strukturen einer Einsatzleitung im Ort zu verbessern.

„Die Einsatzleitung muss eine Übersicht über die Einsätze haben und darüber, welcher Priorität hat oder welcher schon abgeschlossen ist“, erklärt Tschöpe. Auch die Freiwilligen sollten im Auge behalten werden, um zu wissen, welcher Helfer wie lang in Aktion ist und wo gegebenenfalls das Personal ausgetauscht werden kann. „Die Elo führt Lagerkarten, um einen Lagervortrag machen zu können“, sagt Tschöpe. Diese Abläufe funktionieren zwar, in Teilen müsste aber nachgebessert werden.

Die Idee, eine Arbeitsgemeinschaft zu gründen, habe Tschöpe schon länger. Jetzt müsse ein Konzept entwickelt werden sowie Organisatorisches geklärt werden, zum Beispiel, wo sich die Gruppe treffen kann. „Wir müssen in die Feuerwehr etwas Struktur reinbringen und manches üben“, so Tschöpe.

Seit Sonntag hat auch das Freibad Bennigsen wieder geöffnet. „Es stand alles unter Wasser“, sagt Freibad-Chefin Martina Riemer. Am Freitag arbeitete das Team daran, den Schlamm vom großen Becken fernzuhalten. Im Planschbecken habe sich allerdings durch den Wasserdruck eine Folie gelöst, die jetzt repariert werden muss.

„Wir haben zum Glück keine großen Nachwirkungen vom Unwetter gehabt“, sagt Riemer erleichtert. Über 20 Helfer hätten dafür gesorgt, dass die beiden Pumpen des Bades von dem Unwetter verschont blieben. „Das wäre sonstrichtig teuer geworden“, so Riemer. Drei Löschwagen pumpten im Bad das Wasser ab, auch am Sonnabend kamen Freunde und Helfer ins Bad, um das Gebäude von dem Schlamm zu befreien und die Räume wieder zu säubern.

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