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Zeissig muss Prestige-Auftrag einmotten

Völksen. Es ist ein Auftrag erster Güteklasse, eine bundesweite Auszeichnung: Der Messebauer Zeissig aus Völksen hat im Auftrag des Auswärtigen Amtes den deutschen Themenpavillon für das Janadriya-Festival in Saudi-Arabien gebaut. Doch kurz vor der Eröffnung kommt für Zeissig die Ernüchterung: Nach dem Tod von König Abdullah wurde die Großveranstaltung abgesagt.

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Eigentlich würde Firmenchef Hartmut Zeissig gerade Staatsoberhäupter durch den 81 Meter langen und 24 Meter breiten Wüstentempel führen. Doch der 60-Jährige ist zurück in Völksen, sitzt an seinem Schreibtisch und erzählt von dem Herzblut, das alle Mitarbeiter in das Projekt gesteckt hatten. Das Unternehmen hat ein Jahr Vorarbeit und mehrere Millionen Euro investiert, um die Geschichte der deutschen Stadtentwicklung abzubilden und 15 namhaften Partnern – unter anderem SAP, VW und Airbus – eine Plattform zu bieten.

Hartmut Zeissig war Ende Januar gerade in Saudi-Arabien angekommen, als eine Nachricht das Land erschütterte: Der Herrscher Abdullah bin Abdul Asis al-Saud war gestorben. „Wir haben zuerst vermutet, dass das Festival verschoben wird, vielleicht auf April“, sagt Zeissig. Dass die Großveranstaltung schließlich komplett abgesagt wurde, „hat uns alle überrascht“. Der Grund für die Entscheidung sei nicht etwa eine wochenlange Staatstrauer – der neue Machthaber setze andere Prioritäten.

Mehrere Tage wartete das Völksener Unternehmen vergeblich auf weitere Nachrichten. Seit vorgestern ist klar: Das Janadriyah-Festival fällt in diesem Jahr komplett aus, zur Wiederholung im Februar 2016 ist Deutschland aber erneut als Partnerland ausgewählt. Die Entscheidung, ob die Bundesrepublik die Einladung annimmt, steht allerdings noch aus.

„Es wäre Frevel, wenn wir unsere Arbeit nicht zeigen könnten“, sagt Zeissig. Seine Mitarbeiter haben gerade die bombastische Außenbühne abgebaut und vor Ort eingelagert. Über die Fassaden in der Messehalle haben sie Schutzhüllen gezogen, „damit wir sie 2016 eventuell reaktivieren können“, hofft Zeissig. „Wir versuchen, alle Bauten zu retten.“

Die Veranstalter hätten ihm versprochen, die Klimaanlage in dem Gebäude weiterlaufen zu lassen – im Sommer wird es bis zu 50 Grad warm, im Winter können die Temperaturen auf 0 Grad fallen. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen: Der Wiederaufbau werde „einige hunderttausend Euro“ kosten, prophezeit Zeissig.

So ärgerlich die Absage auch ist, sie bricht dem Völksener Unternehmen nicht das Genick. Ein Passus in den Verträgen zwischen Zeissig und dem Auswärtigen Amt besagt, dass die Völksener ihr Geld trotzdem erhalten.

Er sei glücklicherweise lange genug im Geschäft, um sich vorab gegen alle erdenklichen Risiken abzusichern, sagt der 60-Jährige. Das Auftragsvolumen liegt im siebenstelligen Bereich – es geht also um mehrere Millionen.mari



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