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Wolfgang Klemmt tritt zurück

Für den Vorsitzenden der Naturfreunde Springe, Wolfgang Klemmt, ist die Grenze des Erträglichen überschritten. Am Mittwoch hat er gegenüber dem Vorstand seinen sofortigen Rücktritt erklärt.

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Autor:

von saskia helmbrecht

SPRINGE. Für den Vorsitzenden der Naturfreunde Springe, Wolfgang Klemmt, ist die Grenze des Erträglichen überschritten. Am Mittwoch hat er gegenüber dem Vorstand seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Der Grund: „Unterschiedliche Strömungen im Verein“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Reinhold Krause.

Für Klemmt seien die vergangenen zweieinhalb Jahre sehr intensiv gewesen und hätten „enorm viel Kraft und Substanz gekostet“, erklärt er selbst schriftlich. „Allerdings sehe ich mich nun auch seitens meinungs- und stimmungsrelevanter Mitglieder, massiven ehrverletzenden Vorwürfen ausgesetzt, die mich zu Konsequenzen und zum Handeln zwingen.“

Einige Mitglieder hätten die Arbeit des Vorstandes kritisiert, „Wolfgang Klemmt hat das auf sich persönlich bezogen“, sagt Krause.

Der Hintergrund: Im Rahmen einer Fragebogen-Aktion wurden Mitglieder nach ihrer Meinung gefragt: Welche Ideen haben sie für die Ortsgruppe? Welche Anregungen, aber auch welche Kritikpunkte gibt es? Krause habe immer wieder mitbekommen, dass einige Mitglieder das politische Engagement der Gruppe hinterfragten, gerade in Bezug auf das Internet und der Vernetzung zu anderen Naturfreunde-Gruppen im Ausland.

„Wir sind nicht nur ein Wander- oder Gesangverein“, betont Krause. Die Naturfreunde sind ein sozial-ökologischer und gesellschaftspolitisch aktiver Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur, heißt es bei den Naturfreunden Deutschlands.

„Was uns von anderen Naturschützern und Natursportlern unterscheidet, ist unser Anspruch, politisch zu wirken, um die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen“, schreibt Hans-Gerd Marian, Bundesgeschäftsführer der Naturfreunde Deutschlands auf der Internetseite des Dachverbandes.

Damit, so Krause, würden die Naturfreunde satzungskonform handeln. „Andererseits merke ich auch, dass es eigentlich keinen interessiert. Bei der TTIP-Demonstration in Hannover, die von Naturfreunden organisiert wurde, war gerade einmal ein Mitglied da“, sagt Krause.

Klemmt habe jetzt die Reißlinie gezogen. „Ehrenamtliches Engagement basiert nahezu ausschließlich auf Vertrauen. Durch die jetzt erhobenen Vorwürfe, habe ich gegenüber Teilen der Mitgliedschaft dieses Grundvertrauen verloren“, sagt Klemmt, der sich in seiner Ehre verletzt fühle. Damit seien die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Handeln nicht mehr gegeben und er sehe sich vor dem Hintergrund nicht mehr in der Lage, die Herausforderungen der Zukunft im Verein zu bewältigen. „Ein Vorstand, dem die Mitglieder nicht vorbehaltlos vertrauen, wird zum Scheitern verurteilt sein“, gibt Klemmt zu Bedenken. Viele Vereinskollegen, so die Einschätzung von Krause, hätten nicht mitbekommen, wie viel Zeit der Vorstand in seine Arbeit investiere. Die Führungsetage stehe weiterhin hinter Klemmt.

Bis spätestens Ende September soll eine außerordentliche Mitgliederversammlung organisiert werden. Einziger Tagesordnungspunkt: Neuwahlen. „Wir bleiben bis dahin aber handlungsfähig“, stellt Krause klar. Konsequenzen für das Jahresprogramm wird es im Zuge des Rücktrittes nicht geben. Klemmts Stellvertreter Krause wird sich bei den Neuwahlen nicht als Vorsitzender für das Amt bewerben, er wird jetzt aber kommissarisch die Funktion übernehmen.

Aber nicht nur der Rücktritt beschäftigt die Naturfreunde. Derzeit planen sie, die Deisterhütte in andere Hände abzugeben. Heißt konkret: verpachten oder vermieten, aber nicht verkaufen. „Es ist sehr schwer, Mitglieder zu finden, die sich in der Deisterhütte einbringen, gerade an den Wochenenden“, sagt Krause. Sie suchen zwar nach einer Lösung, würden aber keine finden. „Die Hütte hängt uns wie ein Klotz am Bein. Alles dreht sich um das Haus“, so Krause. Obwohl die Ortsgruppe fast 200 Mitglieder habe, würden sich kaum Helfer finden. Bei den Arbeitseinstätzen kämen gerade einmal zehn Helfer.



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