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24 Menschen leben im Obdachlosenheim Im Reite / Sozialarbeiterin der Stadt kümmert sich um sie

Wohnen am Rande der Gesellschaft

Springe (jemi). Abgeschieden und etwas trostlos liegt es tief eingeschneit am Rande der Kernstadt: das Obdachlosenheim Im Reite. 24 Menschen leben dort derzeit, berichtet Diplom-Pädagogin Hanne Finke, die dort als Sozialarbeiterin für die Stadt Springe tätig ist. Knapp 60 Menschen könnten in dem Heim untergebracht werden. Weil in den vergangenen Jahren aber immer weniger Spätaussiedler nach Deutschland kamen, stehen immer mehr Räume leer.

Am Rand der Kernstadt: das Obdachlosenheim Im Reite.  Fotos: jemi

Weniger Menschen vor Ort bedeutet auch weniger Arbeit. Aus diesem Grund ist Finke nur noch bei Bedarf in der städtischen Einrichtung. „Ich komme hier her, wenn mich die Leute brauchen“, sagt sie. Hauptsächlich sei Hilfestellung nötig, wenn die Asylsuchenden Formulare ausfüllen müssen, erzählt sie. Hin und wieder muss auch Streit geschlichtet werden. Sprachbarrieren und unterschiedliche Religionen machten das Zusammenleben nicht immer einfach, berichtet die Sozialarbeiterin, die seit knapp fünf Jahren für die Obdachlosenunterkunft zuständig ist.

Auch wenn derzeit längst nicht alle Kapazitäten ausgeschöpft und viele Zimmer leer sind, bleibt die Einrichtung bestehen. „Es ist ja gesetzlich vorgeschrieben, dass es eine Obdachlosenstätte geben muss“, erklärt Finke. Die Stadt trägt lediglich die Betriebskosten. Ein Hausmeister kümmert sich um die anstehenden Reparaturen. „Wenn wieder ein Krieg ausbricht, wie damals in Jugoslawien, kann es hier schnell wieder voll werden“, weiß Finke. Auch so komme häufiger ein ganzer Schwung von Menschen auf einen Schlag. Finke vermutet, dass auch in den kommenden Jahren die Verwaltung und Organisation des Obdachlosenheims so weiter laufen wird, wie es derzeit der Fall ist.

Für die Menschen, die in dem Heim wohnen, ist es oft nicht einfach, anschließend wieder in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Nicht selten gestaltet es sich für sie schwierig, eine Wohnung zu mieten. Sie verlieren schnell den Kontakt und Draht zum Rest der Bevölkerung. Finke bedauert, dass es in Springe keinen Treffpunkt vor allem für ausländische Menschen gibt. Soziale Kontakte außerhalb des Heims seien wichtig. „Das wäre sicherlich wünschenswert, aber die Zeit hat sich geändert.“ Vor einigen Jahren habe es einfach noch mehr Bedarf gegeben.

An einigen Tagen in der Woche leert Hanne Finke den Briefkasten.
  • An einigen Tagen in der Woche leert Hanne Finke den Briefkasten.

Viele Springer wüssten wohl auch gar nicht mehr, dass es vor Ort eine Einrichtung für Obdachlose, Asylbewerber und Spätaussiedler gibt, glaubt Finke. „Die einen möchten ihre heile Springer Welt bewahren, andere scheren sich nicht um die Probleme der Menschen hier“, sagt die gelernte Pädagogin. Dabei gebe es immer Gründe und Schicksalsschläge, weshalb Menschen alleine nicht mehr mit ihrem Leben klar kommen. Finke ist nach eigenen Worten immer froh, wenn es mit der gesellschaftlichen Integration eines Bewohners klappt. Das sei etwa bei einem Somalier der Fall gewesen, der von einem Fußballverein aufgenommen wurde, obwohl er den Beitrag nicht bezahlen kann. Solche Menschlichkeit erführen die Bewohner sonst eher selten, bedauert Finke.

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