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Wohin mit dem Springer Klärschlamm?

SPRINGE. Es ist ein Thema, das Ulrich Riethmüller gewaltig stinkt. Für den technischen Leiter der Springer Kläranlage wird es immer schwieriger, den Klärschlamm zu verwerten, der vom Abwasser der Bürger übrig bleibt. Im vergangenen Jahr war die Klärschlamm- und Düngemittelverordnung verschärft worden.

Foto: Archiv
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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Seitdem gelten höhere Hürden für das Düngen mit den festen Bestandteilen aus dem Klärwerk. Noch nimmt der Maschinenring Hannover-Land, ein Zusammenschluss von Landwirten, die Ware aus der Springer Anlage an, „aber sobald die nächste Gesetzesänderung greift, geht das nicht mehr“, erklärt Simone Falk, stellvertretende Leiterin des städtischen Eigenbetriebs „Stadtentwässerung“. Man dürfe schon jetzt nur noch deshalb mit den Landwirten zusammenarbeiten, weil die städtische Kläranlage zertifiziert ist.

Weitgehend gestrichen wurde den Landwirten 2017 bereits das Klärschlamm-Ausbringen im Herbst, sagt Riethmüller: „Das war nur noch begrenzt möglich.“ Damit bleiben nur noch wenige Wochen im Frühjahr. 1700 bis 2000 Tonnen Klärschlamm fallen jährlich im Stadtgebiet an. Anfang voriger Woche wollte Riethmüller die Abfuhr-Kampagne starten. „Da war allerdings noch Frost im Boden. Anschließend war der Untergrund zu nass.“ Die Folge: In der ersten Woche konnten die Landwirte nicht mal die Hälfte der geplanten ersten 700 Tonnen Schlamm abnehmen.

Jetzt müsse es zügig trockener werden. Andernfalls verfallen die ersten Genehmigungen wieder.  Und spielt das Wetter dann noch immer nicht mit, bekommt Riethmüller das Lager nicht leer. Ein Jahr könnte er überbrücken, sagt er. Wiederholt sich das Desaster aber im nächsten Frühling, wo soll er dann hin mit dem ganzen Dung?

Die groberen Rückstände machen noch mehr Probleme. „Die Preise, die die Branche den Abnehmern zahlen muss, haben sich innerhalb von drei, vier Jahren verdoppelt bis vervierfacht“, sagt Riethmüller. Springe könne sich derzeit wegen der gültigen Altverträge mit dem Maschinenring glücklich schätzen. Lange würden die Landwirte aber nicht mehr mitspielen. Auch deshalb nicht, weil nur noch ein Teil des Schlamms aus Springe unter die heimischen Felder gepflügt werden darf. Hier würden mittlerweile die Gärreste aus den Biogasanlagen bevorzugt, sagt Riethmüller. Der Springer Schlamm werde stattdessen bis hinter Northeim und Hannover gefahren. Fällt die Abgabe an die Landwirte weg, bleibt nur der Weg zur Verbrennungsanlage. „Derzeit gibt es in Deutschland aber nur vier bis fünf geeignete Anlagen“, so Riethmüller. „Die für uns nächste ist in Hamburg. Die ganze Branche ist in heller Aufruhr, wie das künftig passen soll.“ Die Politik soll heute im Betriebsausschuss „Stadtentwässerung“ über die Probleme informiert werden.

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