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Alt-Kennzeichen als Mittel des Stadtmarketings: Hochschul-Experte sieht viele Vorteile für Springe

Wissenschaftler wirbt für Rückkehr zu SPR

Springe (mf). Die Rückkehr Springes zum alten SPR-Autokennzeichen ist mehr als nur eine fixe Idee. Der Heilbronner Wissenschaftler Prof. Ralf Bochert empfiehlt der Stadt sogar ausdrücklich einen solchen Schritt – schon unter Marketing-Gesichtspunkten.

So könnte es demnächst wieder aussehen – das KfZ-Kennzeichen für Springe. Die Neue Deister-Zeitung hat probeweise schon ei

Nachdem sich die Verkehrsminister der Länder bereits im April dafür ausgesprochen hatten, ausgelaufene Kfz-Kennzeichen wieder zuzulassen, haben sie diese Haltung am Donnerstag auf einer gemeinsamen Konferenz bekräftigt. Der Bund soll nun verbindliche Vorgaben zur Umsetzung machen, so der Auftrag. Auch die niedersächsische Landesregierung hat politisch grünes Licht für eine Liberalisierung der Kennzeichenregelung signalisiert.

Damit könnte auch Springe sein Mitte der 1970er Jahre vom H für Hannover abgelöstes SPR-Kennzeichen zurück bekommen. Derzeit finden sich die drei Buchstaben – die zum liebevollen Spitznamen „Sau-park-rüpel“ geführt haben – nur noch auf einer kleinen Zahl von Nummerschildern. Meist sind diese an inzwischen betagten landwirtschaftlichen Fahrzeugen montiert. Wie Springe hat eine Vielzahl deutscher Städte und Gemeinden in den vergangenen 40 Jahren ihr Kfz-Kennzeichen verloren. Grund waren die zahlreichen Um- und Neustrukturierungen der Landkreise. Nach Ansicht von

Ralf Bochert von der Hochschule Heilbronn müssen die betroffenen Kommunen damit gezwungenermaßen auf ein wichtiges Identitätsmerkmal verzichten.

Dass bei vielen Springern noch heute der Begriff „Sauparkrüpel“ im kollektiven Gedächtnis sei, belege eindrucksvoll den hohen Symbolwert des alten SPR-Kennzeichens, ist Bochert, der als Studiendekan Volkswirtschaftslehre und Tourismusmanagement an der Hochschule Heilbronn lehrt, überzeugt. Mit der Rückkehr zum Alt-Kennzeichen könne die Stadt ein wichtiges Identitätsmerkmal schaffen, das die Bindung der Springer an ihre Stadt stärkt.

Auch im Verhältnis zu Nachbargemeinden könnte Springe nach Ansicht Bocherts punkten. Mit dem SPR-Schild würden ihre Bürger gleichermaßen zu fahrenden Botschaftern und Werbeträgern ihrer Heimatgemeinde. Springe erhielte ein Stück verloren gegangener Außenwirkung zurück.

Im Rahmen einer Testreihe hat Bochert Folgendes herausgefunden: „Städte mit eigenem Kennzeichen werden von Außenstehenden als größer und bedeutender wahrgenommen als vergleichbare Kommunen ohne eigenes Nummernschild.“ Im regionalen Umfeld könne dies durchaus von Vorteil sein. Etwa beim Freizeitverhalten, wenn es um Kinobesuch oder Einkaufstour gehe und die Entscheidung häufig unbewusst zugunsten größerer Städte gefällt werde, verdeutlicht der Wissenschaftler. Unterm Strich gestalte sich also auch die wirtschaftliche und touristische Vermarktung einfacher. Das wichtigste Argument für die Wiedereinführung lautet für Bochert indes: „Es ist politisch von oben gewollt und kostet nichts.“

Die Heibronner Hochschule hat in mehr als 120 betroffenen Städten über 25 000 Interviews geführt. Das Ergebnis sei eindeutig, so der Wissenschaftler: „Durchschnittlich 73 Prozent der Befragten wollen ihr altes Kennzeichen wieder haben, nur 12 Prozent sind dagegen, dem Rest ist es egal.“ Erstaunlich sei, dass unter den Befürwortern auch viele Jüngere seien. In dieser Altersgruppe stehe nicht die Nostalgie im Vordergrund, sondern die Lust an Veränderung. Auch das Bewusstsein für Marketingideen sei hier ausgeprägter.

Einen Rückfall in Kleinstaaterei sieht Bochert nicht. Gerade in so großen Landkreisen wie der Region Hannover seien mehrere Kennzeichen „ein Königsweg, um ein kleinräumigeres Zugehörigkeitsgefühl zu ermöglichen“. Innerhalb der Region hatten bis zur Gebietsreform außer Springe auch noch die Städte Neustadt am Rübenberge (NRÜ) und Burgdorf (BU) eigene Kennzeichen.



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