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Wisentgehege: Schmerzensgeld für Otterbiss

Niedlich? Ja, irgendwie auch. Aber in erster Linie ist der Fischotter ein Raubtier. Auf schmerzliche Weise lernte ein damals siebenjähriger Junge diesen Fakt im Wisentgehege: Der Otter biss ihn in den Finger. Der Vorfall landete nun vor dem Amtsgericht Springe – denn die Mutter des Kindes verlangte Schmerzensgeld.

Foto: dpa
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Es war im Herbst 2017, als der Siebenjährige mit seiner Mutter zu Besuch war in dem heimischen Tierpark, der zu den Niedersächsischen Landesforsten gehört. Am Fischottergehege wird dort vor den Tieren gewarnt – und auch der Junge habe laut Amtsgericht gewusst, dass er den Zaun nicht berühren durfte.

Einzig: Der Reiz, die Verlockung des Verbotenen war am Ende doch zu groß. Prompt biss einer der flinken Fischotter dem Kind in den Ringfinger. Mit Folgen: Der Junge musste sich lange ärztlich behandeln – und mehrere Impfungen über sich ergehen lassen. Die Mutter will dafür das Wisentgehege zur Verantwortung ziehen: Sie klagte auf 5000 Euro Schmerzensgeld.

Und scheiterte damit vor der Springer Justiz – zumindest in der geforderten Höhe: Am Ende sprach das Gericht der Familie 500 Euro zu: Schließlich habe sich der Junge „ein erhebliches Eigenverschulden zuzurechnen“.

Dass es trotzdem ein Schmerzensgeld gibt, liegt an einer gewissen Mitverantwortung, die das Amtsgericht dem Wisentgehege zusprechen: Grundsätzlich, so das Urteil, hafte der Halter eines Tieres für Schäden, die sein Tier hervorruft – unabhängig davon, wer diesen Schaden verschuldet. Der Tierpark müsse sich außerdem an Verkehrssicherungspflichten halten – und gegen Gefahrenquellen notwendige Vorkehrungen treffen.

Dabei, so das Gericht, seien auch „nicht ganz aus der Welt liegende bestimmungswidrige Benutzungen“ zu berücksichtigen. In diesem Fall eben: Ein Kind, dass sich in der geschützten Umgebung des Wisentgeheges nicht die ganze Zeit unmittelbar unter der Kontrolle der Eltern befindet. Und sich trotz Verbots an einer Stelle festhalte, die dazu einlade: Der Zaun am Fischottergehege biete „durch seine Höhe und seine Gitterstruktur die naheliegende Möglichkeit hierfür“.

Ein Stück weit wurde dem Wisentgehege im Prozess sogar sein tolles Angebot zum Verhängnis: „Wegen der unbestreitbaren Attraktionen des Tierparks“ sei auch damit zu rechnen, dass Kinder „vor lauter Begeisterung“ Ermahnungen der Eltern sowie Warnhinweise auf Schildern „wieder vergessen und nicht durchgängig beachten“, so das Gericht. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Es kann Berufung vorm Landgericht Hannover eingelegt werden.



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