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Wird Springe endlich fahrradfreundlich?

Kaum jemand kennt Springes Straßen so gut aus Radfahrersicht wie Jürgen Trotte und Herbert Priestoph. Im Praxistest mit der Neuen Deister-Zeitung sprechen die Radfahrer über Problemstellen und Zukunftswünsche.

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Autor:

Lukas Hoffmann

SPRINGE. Kaum jemand kennt Springes Straßen so gut aus Radfahrersicht wie Jürgen Trotte und Herbert Priestoph. Seit über zehn Jahren treffen sie sich jede Woche mit ihrer Radlergruppe und starten zu einer großen gemeinsamen Ausfahrt. Bis zu 100km lange Touren stehen auf dem Programm, auch bei schlechtem Wetter. Das neue Radverkehrskonzept der Stadt hat auch bei den Radlern hohe Wellen geschlagen. Im Praxistest mit der Neuen Deister Zeitung sprechen die Radfahrer über Problemstellen und Zukunftswünsche.

Osttangente

Auf Springes meistbefahrener Straße zwischen Kreisel und Abfahrt zur Einkaufsmeile haben Radfahrer nichts verloren. So steht es jedenfalls im neuen Konzept der Stadt. Für die Velofahrer ist das nachvollziehbar: So hätten die Zweiräder bei der Abbiegespur zum Einkaufsgebiet nur wenig Platz und es könne zu Unfällen kommen. Nach der Ampel in Richtung Industriestraße wurde von den Behörden bereits ein Fahrradstreifen für den weiteren Verlauf der Osttangente eingeplant. Für die kleine Radsportgruppe unverständlich: „Klar ist der Radweg an den Kleingärten in einem schlechten Zustand, aber nun werden die Radler den Verkehr blockieren,“ prognostiziert Trotte.

Innenstadt (Burgstraße)

Das künftige Straßenfahrgebot begrüßen Trotte und Priestoph auch in der Innenstadt, speziell in der Burgstraße. Besonders am Freitag, wenn der Wochenmarkt viele Menschen anzieht, ist an ein Fahren auf dem Radweg nicht zu denken. „Hier ist es für alle sicherer, wenn die Radfahrer auf die Straße ausweichen,“ sagt der 71-jährige Trotte.

Völksener Straße

Für Diskussionen sorgte auch der Fahrradstreifen am Friedhof der Völksener Straße. Trotte sieht in ihm eine Verbesserung für Radfahrer: „Bevor der Streifen aufgesprüht wurde, musste man auf dem Radweg, speziell am Friedhof, auch mal parkenden Autos ausweichen. Auf dem Streifen wird man nun von den Autofahrern besser wahrgenommen.“ Eine Umstellung, gerade für Gewohnheitsfahrer, sei die neue Verkehrsführung trotzdem. An der Ampel vorm Niederntor erläuterten die beiden Radler außerdem eine geplante Fahrradbox – einen Wartebereich vor der Ampel speziell für Zweiräder. Dadurch würden sie laut vorhandenen Einzeichnungen bei Rot – räumlich – vor den Autos warten. Für die beiden Vielfahrer eine gute Idee: „Das ist in anderen fahrradfreundlichen Städten, wie zum Beispiel in Münster, auch so gelöst,“ weiß Trotte von diversen Radreisen durch die Republik.

Industriestraße

Anders sieht es für die passionierten Radfahrer auf der Industriestraße aus. Besonders auf dem Teilstück zwischen Bahnhof und Kreuzung am Kalkwerk wünschen sich die beiden einen Radstreifen auf der Fahrbahn. Davon steht bislang noch nichts im Radwegekonzept. Die beiden argumentieren, dass dort von den Autos oft die zulässige Geschwindigkeit überschritten werde – es klingt gewöhnugsbedürftig, wenn sie sagen, dass sie sich deshalb auf dem Asphalt wohler fühlen. Aber: „Besonders wenn Züge ankommen, ist auf dem Bürgersteig zu wenig Platz,“ begründet Trotte seine Meinung. Vom Bahnhof Richtung Industriegebiet sieht er hingegen keine Notwendigkeit, den Radweg zu verlassen. „Allerdings müsste die Bahn das Unkraut am Wegesrand beseitigen. Sonst wird es zu eng“, schränkt Priestoph ein.

Kreisverkehr Osttangente

Die Freunde des Zweirades bemängeln außerdem die Verkehrsführung am Kreisverkehr der Osttangente. Glücklicherweise hatte Priestoph durch wachsames Fahren bisher keine Probleme im Kreisel. Trotzdem sieht er das neue Konzept an der Stelle kritisch: „Ich denke die meisten Radfahrer, gerade ältere, wollen nicht in den engen Kreisverkehr. Da kann es schon zu brenzlichen Situationen kommen.“ In den Niederlanden hätten die Zweiräder sogar eine eigene Spur im Kreisel, schildern die beiden ihre Erfahrungen von einer Amsterdam-Reise.

Oppelner Straße

Riskant ist es für Radler auch an der Auffahrt zur B217 / Oppelner Straße. Dort fahren die Autos bereits fast in Bundesstraßentempo, was das Risiko beim Überqueren steigert. Die zwei Herren aus der Radgruppe wünschen sich etwa einen Radstreifen an der Verkehrsinsel – weil die Strecke von Radlern auch viel befahren werde.

Fazit der Fahrradenthusiasten: Fahren auf der Straße befürworten sie nicht an problematischen Stellen. Grundsätzlich sei nicht viel los in Springe, was Fahrradverkehr angeht. Außerdem seien Autofahrer zumeist sehr umsichtig und freundlich, sodass einem generellen Fahren auf der Straße nichts im Wege stehe. Noch einmal prüfen sollten die Behörden das Straßenfahrgebot für Kinder und Jugendliche. „Die meisten Wege sind breit ausgebaut. Bisher hat es ja auch funktioniert,“denkt Trotte.



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