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Ortsrat verleiht Olivia Jones einen anderen Ehrentitel

Wir sind Botschafterin

Springe. Der Ortsrat hat Travestiestar Olivia Jones die Ehrenbürgerwürde verweigert. Stattdessen beschlossen die Politiker gestern Abend aber, Jones zur „Ehrenbotschafterin“ Springes zu machen. Zuvor hatte Olivia stundenlang ihre Heimatstadt erkundet – und bei der Neuen Deister-Zeitung ihre eigene Briefmarke gefeiert.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Als die Abstimmung vorbei ist, brandet Applaus auf in der Aula des Schulzentrums Süd, „Bravo“-Rufe schallen durch den Saal. Dabei hat der Ortsrat gerade genau das Gegenteil von dem beschlossen, was sich viele der gut 150 Besucher wünschten: Er hat eine Ehrenbürgerschaft für den Star abgelehnt. Doch auch der Kompromiss macht alle zufrieden: Jones wird Springes Botschafterin – mit der Option auf einen neuen Anlauf für den ganz großen Wurf.

Kurz vor Beginn der Ortsratssitzung herrschte fast Volksfeststimmung vor dem Schulzentrum Süd: Die Deisterjungens trällerten ihren „Olivia“-Hit für Fans und Fernsehkameras, die Sonne schien, die Menschen plauderten. Versteckt hinter dem Gebüsch stand ein Polizeiwagen – die Stadt hatte die Unterstützung vorsorglich angefordert, um mögliche Pöbler aus dem Verkehr zu ziehen.

Während die Springer draußen auf Olivia warten, halten sich die Entscheider drinnen strikt an die Tagesordnung: Um 18 Uhr eröffnet Ortsbürgermeister Carsten Marock die Sitzung: Ladungsfristen werden kontrolliert, Protokolle besprochen – da hat der Star des Abends seinen großen Auftritt: Olivia stolziert mit ihrem schrillen Assistenten Sven Florijan in die Aula, hinter ihr ein großes Gefolge. Ihr „Hallihallo!“ übertönt Marocks Versuch, bei der Tagesordnung zu bleiben. Als sich alle beruhigt haben, eröffnet der Ortsbürgermeister die Diskussion – und gleich ist klar, wohin die Reise geht: Jörg Gassl (SPD) spricht von einer „sehr undankbaren Aufgabe“ – wenn der Ortsrat eine von vielen nicht gewünschte Entscheidung fälle, „dann steht man als Depp da“.

Trotzdem sprechen sich SPD, CDU und Grüne gegen eine Ehrenbürgerwürde für Olivia Jones aus – aber für eine andere Art der Würdigung, wie die Verwaltung sie bereits im Vorfeld empfohlen hatte. Und noch mehr: Wenn sich der Travestiestar in seiner neuen Rolle als Ehrenbotschafterin beweist, dann könnte eines Tages auch die Ehrenbürgerwürde drin sein: „Was nicht ist, kann noch werden“, sagt Uwe Mügge (Grüne). Gegen den Botschaftertitel für Jones stimmten nur Marita Kürsten und Katrin Kreipe (beide SPD).

Bürgermeister Marock appelliert an Jones, „Springe über die bisherigen Grenzen hinaus bekannt zu machen und die Gedanken der Springer nach draußen zu tragen“. Die Zusammenarbeit mit ihr sei „eine Chance, die wir nutzen sollten“. Und die neue Ehrenbotschafterin? Freute sich über die Verleihung des Titels, den am 26. September noch der Rat bestätigen muss. „Springe“, sagte Jones, „ist bunt und tolerant. Ich werde versuchen, meinem Amt gerecht zu werden.“



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