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Der Bennigser Heimatbund-Chef Kurt Abel fürchtet um die Zukunft des Vereins – und um die von Springe

„Wir sind als Heimattümler verschrien“

Bennigsen (vob). Kurt Abel ärgert sich. „Wir sind als Heimattümler verschrien, als Leute, die nur nach hinten schauen und den Bezug zu aktuellen Themen verloren haben“, sagt der Vorsitzende des Heimatbunds Bennigsen. Nicht von ungefähr sänken die Mitgliederzahlen in den Heimatbünden: „Wir müssen Menschen jungen und mittleren Alters für unsere Sache begeistern“, so Abel. Momentan liege das Durchschnittsalter der Mitglieder in Bennigsen bei 70 Jahren. „Eine starke Überalterung bedeutet auf kurz oder lang das Aus für einen Verein.“

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Der Heimatbund Bennigsen wird sich deshalb vermehrt Projekten mit Zukunftsbezug widmen. Abel will mit seinem Verein dem Niedersächsischen Dachverband Vorschläge zu einer Satzungsumgestaltung unterbreiten. Ursachen für die schlechte Lage bei den Heimatbünden sieht Abel auch in den seiner Ansicht nach reaktionären Auflagen des Dachverbandes: „Dort geht man mit dem Gedanken schwanger, seine Satzung einer Revision zu unterziehen – wir müssen diese Chance nutzen, Änderungsvorschläge einzureichen und uns für eine neue Zielsetzung zu engagieren“, warb Abel.

Der Heimatbund müsse Zukunft gestalten, statt nur Vergangenheit zu verwalten. „Beispielsweise sollten wir uns vermehrt aktiv für den Erhalt historischer und schöner Innenstädte einsetzen“, schlug er vor. Springe gebe mit seinem Schwund an kleinen Geschäften und der gleichzeitigen Ballung von Fachmärkten an der Osttangente ein besorgniserregendes Beispiel für eine verblutende Innenstadt, so der Vorsitzende.

„Auch für die Erhaltung und den Ausbau von Grünflächen, Sträuchern und Bäumen sollten wir uns gemeinsam einsetzen“, sagte er. Die Bewahrung alter Traditionen solle nach wie vor ein besonderes Anliegen bleiben: „Wir sollten im Hinblick auf unsere Projekte aber auch Blicke übers Calenberger Land hinauswerfen dürfen, ohne sofort vom Dachverband zurückgepfiffen zu werden“, sagte er.

Auch die Betonung der Pflege des Platt- und Niederdeutschen durch den Heimatbund Niedersachsen sieht Abel mit gemischten Gefühlen: „Es gibt auch Menschen, die Hochdeutsch reden“, bemerkte er ironisch. Man solle sich daher vermehrt für die Pflege der hochdeutschen Sprache einsetzen, beispielsweise Phänomenen wie dem sich ausbreitenden „Denglisch“ entgegenwirken, forderte er.

Bei der Jahresversammlung des Heimatbundes wurden Abel, Schriftführer Fritz Janßen und Kassenwartin Ulrike Janßen einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. Mit dem Beisitzer Karl-Heinz Weber konnte ein neues Mitglied für die Vorstandsarbeit gewonnen werden. An Veranstaltungen für das Jahr 2010 sind unter anderem fünf Vorträge sowie zahlreiche Exkursionen, Fahrten und Wanderungen vorgesehen.

Klare Worte aus Sorge um die Zukunft des Heimatbundes: Vorsitzender Kurt Abel (r.).

Foto: vob

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