weather-image
27°
Noch eine Wahl: Die Bennigserin Barbara Thiel möchte am Sonntag Landrätin in Wolfenbüttel werden

„Wir feiern – komme, was wolle…“

Bennigsen. Als Jörg-Roger Hische vor zwei Jahren um seine zweite Amtszeit als Springer Bürgermeister kämpfte, hat sie am Wahlabend im Rathaus mitgefiebert. Am kommenden Sonntag wird es genau umgekehrt sein. Dann braucht Barbara Thiel den Beistand ihres Lebensgefährten. Auch der gemeinsame Sohn Markus wird dabei sein, wenn im Wolfenbütteler Kreishaus die ersten Ergebnisse eintrudeln. Thiel hofft, dort am späten Sonntagabend als neue Landrätin ausgerufen zu werden.

270_008_6612001_thiel_barbara_2013.jpg

Autor:

marc Fügmann

„Es wird sehr spannend“, zeigt sich die 57-Jährige überzeugt und räumt offen ein: „Ohne meine Familie bekäme ich wohl ziemlich weiche Knie.“ Wie auch immer das Rennen ausgeht: „Gefeiert wird, komme, was wolle“, kündigt sie an. Ihre Partei, die CDU, hat für die Wahlparty die zentral gelegene Gastwirtschaft „Kronprinz“ angemietet.

Seit Monaten kämpft Thiel in Wolfenbüttel, wo sie zwischen 2002 und 2007 als Erste Kreisrätin tätig war, um den Chefsessel der Kreisverwaltung. Um im Endspurt noch einmal Gas geben zu können, hat sie sich von ihrem derzeitigen Arbeitgeber, der Region Hannover, zeitweise freistellen lassen. So eilt sie von Termin zu Termin, um sich bekannt zu machen, Hände zu schütteln, Wähler von sich zu überzeugen.

„An den Wochenenden bin ich praktisch ununterbrochen unterwegs“, berichtet Thiel. Bürgerstammtisch, Seifenkistenrennen, Hoffest, eine Besichtigung des Atommüllendlagers Asse – gestern Abend erst noch ein Besuch auf einer Biogasanlage. Immer muss sie den richtigen Ton treffen, immer wissen, wo bei ihren Gesprächspartnern gerade der Schuh drückt.

Auch unter der Woche hat sie sich oft ins Auto gesetzt, um zu einem Wahlkampfauftritt nach Wolfenbüttel zu fahren – von Bennigsen aus sind das rund 80 Kilometer je Strecke. Wann immer die Zeit es zulässt, fährt die Regionsdezernentin zwischendurch in ihr Büro nach Hannover. Zum einen, weil dort wichtige Arbeit auf sie warte, die keinen Aufschub dulde, wie sie sagt. „Aber natürlich auch, weil ich schließlich weiterhin Geld verdienen muss.“ Die wahlkampfbedingten Fehlzeiten werden ihr vom Gehalt abgezogen.

Das Zuhause in Bennigsen würde sie auch im Fall eines Wahlsiegs nicht aufgeben – „vor allem wegen Markus“. Der 16-Jährige gehe noch in Springe zur Schule, habe hier viele Freunde. „Da wollen wir ihn nicht rausreißen“, sagt Thiel. „Ich würde mir in Wolfenbüttel aber zusätzlich eine Wohnung nehmen.“

Dass sie in diesem Punkt von Anfang an mit offenen Karten gespielt habe, erweise sich nun als Achillesferse. „Eine wunde Stelle“, sagt sie, die vom gegnerischen Lager im Wahlkampf gern für Angriffe genutzt werde. Thiel empfindet das als unfair und verweist auf den zeitgleichen Landratswahlkampf in Hameln-Pyrmont. Dort habe die SPD augenscheinlich kein Problem damit, dass ihr Kandidat Tjark Bartels in der gleichen Situation sei wie sie.

Mit ihrer Gegenkandidatin selbst versteht sich Thiel nach eigenen Worten gut. Der Umgang miteinander sei sehr fair. „Wir streiten uns nur in der Sache.“ Christiana Steinbrügge, so der Name der SPD-Bewerberin, ist übrigens eine frühere Mitarbeiterin Thiels aus Wolfenbütteler Zeiten.

Über den Ausgang der Wahl mag die Bennigserin keine Prognose abgeben. Fest stehe aber, dass es für sie nicht einfach werde. Nicht nur, dass in Wolfenbüttel eine rot-grüne Kreistagsmehrheit regiert, es ist auch die politische Heimat des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel. Und der hat im Bundestagswahlkampf reichlich Prominenz vor Ort aufgefahren, davon profitiere auch Steinbrügge, glaubt Thiel. Sie setzt deshalb ganz auf ihre langjährige Erfahrung als Verwaltungsjuristin.

Und falls es nicht klappt mit Wolfenbüttel? „Dann erfülle ich selbstverständlich meinen bis zum 31. März 2015 laufenden Vertrag als Dezernentin in Hannover“, betont Thiel. Auf eine Verlängerung kann sie dort aber kaum hoffen. Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) hat der CDU-Politikerin bereits signalisiert, dass es für sie zumindest derzeit keine Aussicht auf Wiederwahl gibt.

Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare