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Wie Senioren mit mieser Gewinnspiel-Masche abgezockt werden

BENNIGSEN. Der Verlag Reader’s Digest verführt Senioren mit Glücksspielen. Manfred Pueschner aus Bennigsen hat die Masche frühzeitig erkannt, er will aber andere vor den „dubiosen Geschäften“ warnen.

Mit dieser Post wird Manfred Pueschner immer wieder geködert. Er soll Verlagsprodukte kaufen – im Gegenzug steigt angeblich seine Gewinnchance auf einen sechsstelligen Betrag.
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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Viele Senioren seien sehr vertrauensselig und durchschauten derartige Machenschaften nur noch schwer, sagt Pueschner.

„Fast täglich trudeln bei mir Briefe des Verlags ein“, berichtet der Bennigser. Zuletzt habe er die Post gar nicht mehr geöffnet. „Ich empfinde das schon als Belästigung.“ Das Unternehmen Reader’s Digest gehört zur amerikanischen Muttergesellschaft The Reader’s Digest Association in New York und beschäftigt in Deutschland mehr als 200 Mitarbeiter. Die Masche: Woche für Woche verschickt das Unternehmen Werbeanschreiben, die gleichzeitig neue Verlagsprodukte wie auch Gewinnspiele anpreisen.

In einem der Briefe, die Manfred Pueschner bekommen hat und die der NDZ vorliegen, wird suggeriert, dass viele Bestellungen die Gewinnchance erhöhen – Bestellungen wie etwa Bücher, CD´s oder DVDs. Bei den möglichen Gewinnen handelt es sich um Beträge im sechsstelligen Bereich. Klingt verlockend. Nicht für Manfred Pueschner. „Darauf falle ich nicht rein. Am Ende geht es doch immer darum, dass man denen irgendeinen Quatsch abkauft. Es gewinnt keiner was – nur der Verlag.“

Die Briefe von Reader’s Digest sind sehr persönlich geschrieben. Sie schmeicheln dem Empfänger, schenken ihm Aufmerksamkeit. Pueschner wird beispielsweise zum „ausgewählten Teilnehmer für diese exklusive Aktion“ ernannt, erhält einen VIP-Kunden-Status. Unterschrieben hat Ulrich Forschner, „Direktor Preisvergabe-Büro“ vom Verlag Reader’s Digest.

Die Verbraucherzentrale Hamburg weist Kunden auf der Homepage deutlich darauf hin, dass die Werbung von Reader’s Digest in den Papiermüll gehört. In Foren wie dem Verbraucherportal ciao.de warnen Nutzer vor den vielversprechenden Werbesendungen. Mit dieser Masche sei der Reader’s-Digest-Verlag schon seit Jahren unterwegs. Im Internet beklagen sich viele Betroffene über die ständige Postwerbung, aber auch darüber, dass sie für Tausende von Euro Ware bestellt haben, die sie eigentlich gar nicht wollen und brauchen. Alles nur weil sie fest davon ausgegangen sind, sie stünden kurz vor dem ganz großen Gewinn. Kritiker sprechen von „Demenz-Marketing“, das ganz bewusst auf die Gutgläubigkeit einzelner Senioren abziele.



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