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Wie ist Helmut Luther mit Martin Luther verwandt?

SPRINGE. „Ich bin ein wissbegieriger Mann, das habe ich von meinem Vater geerbt“, sagt Helmut Luther. Und so pflegt der Sachverständige für Elektroanlagen ein Hobby, das immer wieder Überraschungen und neue Erkenntnisse mit sich bringt.

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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

Seine Cousine Inge Steinmann und er wälzen Kirchenbücher, um mehr über den Namen Luther herauszufinden, mit dem beide geboren sind. Genauer: Sie zeichnen nach, inwiefern sie mit Martin Luther verwandt sind.

Sie, die 84-Jährige beherrscht noch passabel die Sütterlinschrift, der 75-jährige Helmut Luther liebt es, die Dinge in Frage zu stellen und genau zu unterscheiden zwischen gesichertem Wissen und bloßen Annahmen. „Als Sachverständiger muss man das Ganze objektiv sehen“, sagt er. So manches, was im Lutherjahr diskutiert wird, empört ihn. Persönlich hält er es weniger mit Meinungen und Verurteilungen, sondern vertieft sich in den Aspekt der Ahnenforschung. Wenn verschiedene Schreibweisen des Namens nicht in die Irre geführt haben, dann stammen die Luthers aus Springe vom Bruder Martin Luthers, Jakob Luther ab. Gemeinsam mit weiteren Schwestern waren die Söhne im sachsen-anhaltinischen Mansfeld aufgewachsen. „Wer behauptet, direkt von Martin Luther abzustammen, der lügt“, sagt Helmut Luther. Diese Linie sei schon lange ausgestorben.

Bestrebungen katholisch und evangelisch gegeneinander auszuspielen, sind Helmut Luther fremd. Zu seiner Jugendzeit war er im Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) aktiv, schon damals auch mit katholischen Freunden. Sein Sohn sei mit der Heirat zum katholischen Glauben übergetreten. „Luther wollte nie die Spaltung der Kirche“, beruft er sich auf den Reformator.

Das Hobby der Ahnenforschung nahm seinen Beginn, als er mit seinem Vater von Dorf zu Dorf in der Umgebung fuhr, um mehr über die Luthers am Deister und in Niedersachsen zu erfahren. Sogar in die DDR durfte sein Vater seinerzeit reisen, um mehr herauszufinden. Penibel sämtliche Ergebnisse für die Nachwelt aufzuschreiben machte dem Senior im Ruhestand sichtlich Spaß.

Weil sich im 18. Jahrhundert eine Lücke auftat, bei der die Recherchen irgendwie stecken blieben, streckten Helmut Luther und seine Cousine ihre Fühler vor ein paar Jahren noch weiter aus. Nicht nur nahmen sie Kontakt zur Lutheriden-Vereinigung auf, dem Verein der Verwandtschaft Martin Luthers. Sie beantragten auch Dokumenteneinsicht bei der Glaubensgemeinschaft „Die Seligen der 1000 Jahre“ mit dem größten einschlägigen Archiv in Amerika und einer Niederlassung in Hannover Döhren. „Wer da ein berechtigtes Interesse nachweisen kann, bekommt auch seine Informationen“, erzählt Luther. „Die Neugier macht das Hobby auch schön“. In seinem Fall verging etwa ein halbes Jahr bis zum erhellenden Ergebnis, das ihn weiterbrachte. „Damit sind wir dann in Kathrinhagen (Landkreis Schaumburg) von Haus zu Haus gegangen, bis wir vor einer Inschrift standen die die Eheleute Luther in einen Giebelbalken hatten schneiden lassen“, erzählt Helmut Luther. Diese Begegnung sei schon berührend gewesen. Sein Frau hat ihm einmal vorgeschlagen, einen Gentest machen zu lassen um herauszufinden, ob die Familie in Springe wirklich verwandt mit der von Martin Luther ist. Bisher stand Helmut Luther danach aber nicht der Sinn: Die meisten Luthers seien keine besonderen Persönlichkeiten gewesen, sondern normale Leute mit allen positiven und negativen Seiten des Menschseins. Er selbst lebe mit seinem Namen so gut wie jeder andere auch.

Reisen auf Martin Luthers Spuren haben auch die Luthers aus Springe hingegen schon oft gemacht und genossen. Gerne tragen sie sich bei solchen Gelegenheiten auch in die Gästebücher ein. Mit ihrem berühmten Nachnamen.



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