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Wie Heinz Glauche vor zehn Jahren den Blutkrebs besiegte

SPRINGE. Sein Kampf gegen Leukämie endete für Heinz Glauche vor zehn Jahren, im Juli 2008. Zwölf Tage lang war sein Immunsystem runtergefahren. Parallel hatte in London ein Mann Knochenmark gespendet, das per Flugzeug und Polizeieskorte zu dem Blutkrebspatienten in die Medizinische Hochschule Hannover gelangt war.

Gibt sich nicht so schnell geschlagen: Heinz Glauche bei der Springer Trophy 2018. Das obere kleine Foto zeigt ihn mit seinem „genetischen Zwilling“ Eamonn Whelan bei einem Besuch in Leicester. Darunter Glauche zu Gast im Londoner Stadtteil Wimbledon
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Juliet Ackermann Volontärin zur Autorenseite

Während der Transplantation schlief der Springer ein, erschöpft von dieser für ihn skurrilen Situation. In seinem Traum tauchte ein großer, dicker schwarzhaariger Mann auf und eine kleine schwarzhäutige Frau auf.

Nach einer kritischen Phase von sieben Tagen, in der offen war, ob sein Körper das fremde Blut annehmen würde, spürte der Glauche Ruhe im Körper, schon als er die Augen aufschlug – „wie wenn jemand den Schalter umlegt“, beschreibt er. Drei Wochen nach der Transplantation konnte er aus dem Krankenhaus entlassen werden und auch seine Dosis von bis zu 40 Tabletten waren nach bereits 90 Tagen hinfällig.

Und heute? „Ich tue genau das Gleiche, genieße aber mehr und nehme intensiver wahr. Ich bin dankbar, wenn die Natur atmet.“ Sein großer Garten von heute ist ein starker Kontrast zum sterilen, hermetisch abgeriegelten Zimmer auf der Isolierstation von damals – wo Pumpen Frischluft lieferten, keine Gerüche, nicht einmal eine Fliege zu ihm durchdringen konnte und Besucher eine Stunde aufwenden mussten, um mit Vollschutzkleidung Zugang zu seinem Zimmer zu erhalten.

Halb Deutscher, Viertel Ire und Viertel Brite


Nachdem der Springer von Eamonn Whelan neue Stammzellen erhalten hatte, konnte er zu neuer Stärke finden und sogar darüber hinaus: „Ich bin spürbar leistungsfähiger und reaktionsschneller geworden.“ Anders ist seither auch seine Blutgruppe A+, die er von seinem Knochenmarkspender übernommen hat – einem „Bär von einem Mann“. Und auch seine Nationalität hat sich erweitert: „Jetzt bin ich halb Deutscher, Viertel Ire und Viertel Brite“, erklärt Glauche lachend. Denn sein genetischer Zwilling lebt im englischen Leicester und hat zudem irische Wurzeln.

Whelan war der Mann gewesen, der Glauche während der Transplantation im Traum erschienen ist. Das erkannte der 71-Jährige gleich bei ihrem ersten Treffen. Doch wer war die Frau, die – anders als Whelans Ehefrau –, schwarzhäutig war? Whelan kannte die Antwort: Es sei die indische Krankenschwester gewesen, die ihm das Blut abgenommen hatte, so der Brite. Bei Glauches Besuch in Leicester 2014 bescherte ihm Whelans Bruder eine ganz besondere Freude, an die ihm ein Foto mit Jamie Vardy, dem „zweitbesten Stürmer Großbritanniens“, erinnert: Bei einem Fußballspiel wurde der Springer im Stadion durch den Spielertunnel an den Spielfeldrand geführt, wo sich 42 000 Augenpaare auf ihn richteten. Ein Moderator erzählte das Schicksal des ehemaligen Leukämie-Patienten und seine Genesung, woraufhin alle die Fußballhymne „You‘ll Never Walk Alone“ anstimmten. Dort heißt es mitunter: Mit Hoffnung in deinem Herzen wirst du niemals allein gehen.

Und weil Glauche Hoffnung weitergeben will, veranstaltet der passionierte Tennisspieler jährlich ein Benefizturnier, um Geld für den Kampf gegen Blutkrebs zu sammeln.

„Um sein Leben zu kämpfen lohnt sich!“, ist er überzeugt. Nach einer Leukämie-Diagnose solle man nicht den Kopf hängen lassen und sich vor allem nicht selber aufgeben.

Glauches Ziel ist es, möglichst viel Zeit mit seiner Familie zu verbringen, auch seine 89-jährigen Eltern leben noch. Sein Enkel Timon, dessen Ultraschallbilder ihm in der schweren Zeit ein Lichtblick waren, feiert in wenigen Wochen seinen zehnten Geburtstag.



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