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Wie geht es weiter mit dem Springer Schützenfest?

SPRINGE. Fünf Jahre in Folge hat sich Festwirt Jörg Ahrend beim Volks- und Schützenfest um das Zelt und das Drumherum gekümmert. Jetzt wehrt er sich gegen die Kritik. Die Ausrichter wollen sich unterdessen diese Woche treffen.

Foto: Archiv

Autor:

SASKIA HELMBRECHT und CHRISTIAN ZETT

Dass das Jägercorps als Ausrichter nun unzufrieden sei, könne er nicht nachvollziehen. Als Unternehmer habe er die Kalkulation den vergangenen Festen anpassen müssen: „2017 war ein Reinfall, wir haben ein katastrophales Ergebnis eingefahren“. Er kritisiert die mangelnde Transparenz bei der Ausrichtung des Festes: „Ich würde gerne wissen, wofür mein Geld eigentlich verwendet wird, etwa per Kostenaufstellung.“ Er müsse wirtschaftlich denken und habe auch eine Verantwortung gegenüber den Schaustellern, die ebenfalls etwas verdienen wollen. „Meine Sorge ist es, dass mit meinem Geld versucht wird, die Vereinsstruktur aufrecht zu erhalten. Das geht so nicht. Das Schützenfest ist eine Werbeplattform.“

Somit müsse jeder Euro ins Fest fließen – und nicht in die Vereinsarbeit. „Viele unserer Partner haben das schon verstanden“. In Springe werde nicht nachhaltig geplant. Zudem seien die ohnehin schrumpfenden Vereine nicht mehr in der Lage, ausreichend Besucher anzusprechen, die das Geld wieder reinholen. Er habe kein Vertrauen, „dass man in Springe Richtung Umsatzsteigerung geht“. Statt etwas zu ändern und neue Wege zu gehen, werde strikt an Traditionen festgehalten.

Die gleichzeitig stattfindende Fußballweltmeisterschaft sei für den Umsatz in der Tat nicht gerade förderlich, da stimmt Ahrend zu: „Da haben wir schon einmal ganz schlechte Erfahrungen gemacht, an dem Sonnabend vor vier Jahren war gar nichts los.“ Das beste Ergebnis habe die Feuerwehr als Ausrichter eingefahren. „Daran sollte man sich ein Beispiel nehmen. Wenn die Feuerwehr dran ist, springe ich ein. Da hat die Zusammenarbeit gut geklappt.“ Das Schützenfest in diesem Jahr habe er abgehakt. „Da werden wir nicht zusammenkommen.“

Während sich die fünf Ausrichtervereine nach der Absage des Junitermins noch in dieser Woche zu einer Krisensitzung verabredet haben, will auch Ortsbürgermeister Karl-Heinz Friedrich das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen: „Wenn es so weitergeht, ist das Fest in drei Jahren tot“, fürchtet er.

Er habe Verständnis für beide Seiten, betont der CDU-Ortsbürgermeister: Im Ehrenamt müsse man nicht bei so einer Veranstaltung draufzahlen – „aber auch der Festwirt ist ja ein Geschäftsmann“. Die Gesamtsituation habe sich „in den vergangenen Jahren abgezeichnet“ und werde ohne Veränderungen auch „im nächsten Jahr nicht besser“, bedauert Friedrich.

Er will mit den Vereinen, aber auch mit der Stadt, über alle Optionen reden – darunter auch über die Ausrichtung eines Stadtfestes als Alternative. Den vom Jägercorps für dieses Jahr erwogenen Ausweichtermin im September sieht Friedrich kritisch – er erinnert an Wirtschaftsschau und Oktoberfest, die an den beiden ersten September-Wochenenden auf dem Burghof geplant sind. In jedem Fall will Friedrich das Thema für den 14. Februar auf die Tagesordnung des Ortsrats (18 Uhr, Altes Rathaus) setzen.

Überrascht war Ortsbrandmeister Florian Doege, als er gestern die Zeitung las. Eigentlich habe sich das Jägercorps mit Details zur Ausrichtung noch zurückhalten wollen. „Dennoch stehen wir hinter der Entscheidung. Mit der Summe wäre das nicht machbar gewesen; damit hätte man nicht arbeiten können.“ Er sieht die Gefahr, das Fest könne leiden, wenn es ein Jahr ausfällt. „Das sieht man in Bad Münder, da passiert nix mehr. Es wäre nicht das erste Schützenfest, das gar nicht mehr stattfindet.“

Dass das Corps jetzt auf September ausweichen will, sei neu für ihn – auch Doege verweist auf Konkurrenzveranstaltungen. Zudem sei dann auch eine Feier zum 90-jährigen Bestehen des Feuerwehr-Musikzuges geplant: Jeder Verein sei als Veranstalter für sich selbst verantwortlich.

Auch Jagdklub-Chef Peter Böttcher betont, dass das Angebot von Festwirt Ahrend nicht ausgereicht habe. „Die Suche nach einem neuen Festwirt wird jetzt aber schwer werden“, befürchtet er. Es sei ein gemeinsamer Entschluss aller Ausrichtervereine gewesen, das Angebot nicht anzunehmen. „Wir können da nicht am Ende noch draufzahlen – und eigentlich hätten wir gerne ein bisschen was übrig für die Vereine und die harte Arbeit.“

Für das kommende Jahr – dann ist der Jagdklub dran – ist Böttcher aber optimistisch. „Wir werden alles daran setzen und alles Menschenmögliche tun, das Fest 2019 auszurichten“, kündigt Böttcher an. Der Jagdklub wolle dann auch das Kreisschützenfest ausrichten. Böttcher verspricht: „Das Bürgerkönigschießen beim Maibaumaufstellen soll dieses Jahr auf jeden Fall stattfinden.“

Christa Heinzel, Vorsitzende des Spielmanns- und Hörnerkorps, kann die Position des Jägercorps‘ nachvollziehen: „Auch bei unserer Ausrichtung 2017 waren wir hart an der Grenze, man spart sich kaputt“, sagt Heinzel. Zudem müsse mehr Werbung gemacht werden, um die Springer anzulocken. Auch das koste Geld. „Noch ist alles offen, wir arbeiten weiter an Lösungen. Es ist total schade, wie es sich entwickelt hat, aber manches muss man eben neu überdenken“, sagt Heinzel.

Ebenso wie Böttcher hofft sie auf die Ausrichtung des Festes im kommenden Jahr. Die Gefahr, das Fest könne gar langfristig ausfallen, sieht sie allerdings nicht. „Alleine dadurch, dass das Kreisschützenfest schon angemeldet wurde, hängt da viel dran. Und Herr Böttcher ist in einer ganz anderen Position: Er hat zwölf Monate mehr Zeit.“



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