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Delegation aus Tansania zu Gast in Eldagsen / Treckerfahrt und Besuch des Hofs Rokahr in Holtensen

Wie eine Erdbeere glücklich machen kann

Eldagsen/Holtensen (col). „Ich liebe Erdbeeren“, gesteht Sebastian Nkya und beißt genussvoll zu. In seiner Heimat gibt es die roten Früchte nur sehr selten. Der 43-jährige Pastor stammt aus Tansania und gehört zu einer neunköpfigen Delegation aus dem Partnerkreis Wotta, die für drei Wochen zu Gast in Eldagsen ist. Gestern stand ein Besuch auf dem Holtensener Erdbeerhof Rokahr auf dem Programm.

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Vorab wurde noch die nähere Umgebung erkundet. Mit Trecker und Anhänger ging die Fahrt von Eldagsen über Alferde und Wülfinghausen bis nach Holtensen. Begeistert – aber auch zum Teil ungläubig – bestaunten die Gäste aus Daressalam die großen Felder und Landmaschinen.

In Tansania, erklärt Nkya, sei Mais ein Grundnahrungsmittel – Ugali heiße der dortige Maisbrei. So ist es ihm unbegreiflich, dass die Hälfte der niedersächsischen Maisernte als Tierfutter verwendet wird. Oder dass die Maiskolben geschreddert werden und in einer Biogasanlage landen. „Bei uns würden die Menschen verhungern, wenn wir keinen Mais hätten“, sagt Nyka, „niemals würden wir ihn an die Tiere verfüttern.“

Auch in vielerlei anderer Hinsicht liegen Welten zwischen dem deutschen Alltag und dem Leben in Tansania. Nyka und seine Mitreisenden haben keinen Strom in ihren Häusern, kein fließendes Wasser. Es sei zu teuer, die Anschlüsse legen zu lassen, erklärt der Pastor. So müsse seine Frau Rehema alles mit der Hand waschen. Ja, ergänzt er lachend, auch er wasche manchmal. Kaum jemand könne es sich leisten, in eine Wäscherei zu gehen. Auch Wegwerfwindeln seien teuer, deswegen benutzten sie meist Stoffwindeln für ihr Baby. Der sechs Monate alte Daniel begleitet das Paar auf dessen Reise – die Treckerfahrt hat er schlafend überstanden. Die beiden älteren Söhne Ebenezer (14) und David (3) sind bei Nykas Schwester geblieben.

Kann er verstehen, dass die Menschen hier, obwohl sie im Komfort leben und praktisch alles haben, dennoch oft unglücklich sind? Da lacht der 43-Jährige: „Unglück gibt es überall auf der Welt. Zufriedenheit hängt nicht von Geld oder Besitz ab, sondern wie du dich entscheidest, zu leben. Mich macht gerade diese Erdbeere glücklich“, sagt er und deutet auf die rote Frucht in seinen Händen.

Das voneinander Lernen steht im Mittelpunkt der Partnerschaft zwischen Wotta und Eldagsen. Wer sich daran beteiligen möchte, ist herzlich zum Gemeindefest am 2. September eingeladen.



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