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Wie ein Springer Landwirt mit der Stallpflicht umgeht

SPRINGE. Eigentlich, findet Benedikt Kickel, ist es für alle eine blöde Situation: Die Hühner dürfen nicht raus. Die Kunden müssen sich umstellen. Und der Familienbetrieb im Alten Lande in Springe hat Mehrkosten und darf seine Freiland-Eier erst mal nicht mehr als Freiland-Eier verkaufen.

Landwirt Benedikt Kickel im Stall des Familienbetriebs: Aus den Freiland-Eiern sind jetzt erstmal Bodenhaltungs-Eier geworden. Foto: Hermes

Autor:

Sandra Hermes und Christian Zett

Weil die etwa 2400 Hennen auf dem Hof eben nicht mehr an der frischen Luft sind, sondern im Stall seit mehr als zwölf Wochen. Die Vogelgrippe ist schuld.

Ärgerlich – „aber es ist nachvollziehbar“, sagt der Springer Landwirt: „Es hat ja auch keiner was davon, wenn bei uns eine infizierte Ente landet und alle Tiere gekeult werden müssen. So sieht das auch die Region: Die Stallpflicht sei ein wichtiges Mittel, um die Ausbreitung der Vogelgrippe zu verhindern, teilt sie mit.

Dass die Hühner den wochenlangen Stubenarrest gut überstehen, da macht sich Kickel keine Sorgen: „Wir beschäftigen sie drinnen – aber das machen wir draußen auch.“ Zumindest eng sei es nicht im Stall: Der Betrieb halte die Hennen auf mehr Platz, als das EU-Recht verlange.

Mehrarbeit hat der Hof aber auch so – wegen der Umetikettierung: „Die Eier dürfen ab sofort nicht mehr als Freiland-Eier mit der Ziffer 1 beschriftet werden, sondern müssen nun mit der Ziffer 2 gekennzeichnet sein“, erklärt Junglandwirt Kickel. Die „2“ steht für Bodenhaltung – um die es sich momentan nun mal gezwungenermaßen handele.

Eigentlich seien Eier aus Bodenhaltung günstiger zu kaufen als Freilandhaltung. „Den Verkaufspreis habe ich aber nicht verändert“, sagt der Landwirt. Denn: „Die Produktionskosten haben sich schließlich nicht verändert. Die Freilandfläche ist nach wie vor da, die Hennen dürfen sie nur nicht nutzen.“ Prinzipiell verursache die Umstellung sogar Mehrkosten. „Die Hennen müssen jetzt mit Picksteinen und Heu vor Langeweile und Lagerkoller bewahrt werden.“

Im Betrieb selbst bereitet die neue Beschriftung kaum Umstände: „Ich musste bei dem Drucker nur die 1 durch eine 2 ersetzen“, erklärt Kickel. Neue Eierkartons mussten auch nicht her: Die Kennzeichnung Freilandhaltung werde einfach überklebt.

Glück im (kleinen) Unglück: „Da wir unsere Eier hauptsächlich auf den Wochenmärkten in und um Springe verkaufen, kommen wir mit dem Kunden direkt ins Gespräch und können den Status quo erklären“, betont Kickel. Dabei reagierten die Kunden immer sehr verständnisvoll.

Geflügelhalter haben generell die Möglichkeit, bei der Region eine Ausnahme von der Stallpflicht zu beantragen, die dann im Einzelfall geprüft wird. „Das wäre in meinem Fall kein Problem gewesen, aber ich habe mich dagegen entschieden“, sagt der Landwirt.

Als Grund nennt er die damit verbundenen Kosten. „Ein Tierarzt hätte alle drei Wochen in den Legehennenstall kommen müssen, um exakt 60 Hennen zu kontrollieren. Das hätte jedes Mal 500 Euro gekostet und wer weiß, wie lange die Aufstallungspflicht noch bestehen bleibt.“

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