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Wie die Landesforsten das kalte Wetter nutzen

SPRINGE/ELDAGSEN „Vrrrrrr“: Der Motor brummt. Detlef Breves gibt ordentlich Gas. Wenn es kalt wird draußen, wird der Motor von Felix, Forstspezialfahrzeug der Firma Pfanzelt, richtig heiß. Die 180 PS der Maschine quälen sich ganz schön, als der Forstwirt das Ungetüm den steilen Hang am Kleinen Deister hinauf steuert.

Und ab geht‘s: Das gefällt Holz wird den Hang heruntergezogen. FOTO: MISCHER
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

„Die Kollegen haben die Bäume gesägt, jetzt tüddel ich die Stämme raus“, sagt Breves. Am Deister ist eine Menge los in diesen Tagen – optimales Erntewetter, endlich.

„Aktuell sind wir sehr zufrieden mit der Witterung“, sagt Forstamtsleiter Christian Boele-Keimer. Praktisch waren etliche Monate für die Forstleute verlorene Monate: Regenmassen im September und Oktober, ein fast frühlingshafter November – und ein Dezember mit wenig Frost, dazu ein Orkan. Dauerfrost: Fehlanzeige, bis jetzt. Dabei sind die Forstleute bei der Holzernte auf durchgefrorenen Boden angewiesen, um im Wald und auf den Wegen nicht allzu großen Schaden anzurichten.

„Was das angeht, sind wir zertifiziert: Bodenspuren dürfen eine bestimmte Tiefe nicht überschreiten“, sagt Pressesprecher Joachim Hansmann. Nachdem die Nässe die Forstbetriebe quasi zum Abbruch des Holzeinschlags gezwungen hatte, weil die Böden aufgeweicht waren, geben die Akteure nun gewaltig Gas. Denn der Dauerfrost gibt ihnen nun die Chance, verlorenen Boden aufzuholen.

Breves und sein 13,7 Tonnen schweres Erntegerät sind oben. „Ohne Frost könnten wir hier gar nicht arbeiten, das ist alles sumpfig“, sagt er. Auf einer großen Ebene liegen etliche umgesägte Buchen. Ein Vierer-Team hat an den Kettensägen ganze Arbeit geleistet, jetzt machen die Männer Mittagspause im Schutzwagen. Darin sind die Temperaturen angenehm. „Wenn man sich bewegt, ist das mit der Kälte kein großes Problem“, sagt Boele-Keimer, problematisch werde es nur während der Pausen. Deshalb stehen an den Stellen, an denen die Ernte-Trupps im Einsatz sind, die besagten Schutzwagen, eine Art Bauwagen, die mit einer Heizung ausgestattet sind.

„Heute Morgen hatten wir zwölf Miese auf dem Thermometer, das war schon ordentlich“, sagt Breves. Und ist vielleicht ein wenig froh darüber, dass er im warmen Allradfahrzeug sitzt. Doch jetzt muss er doch noch nach draußen – an einem großen Stamm muss ein Drahtseil befestigt werden. Rund zwei Tonnen ist das Buchenstammholz schwer, für Felix ist das kein Problem. Breves hat eine Fernbedienung in der Hand, mit der er die Seilwinde der Erntemaschine steuern kann. „Ssssssss“ – nach zehn Sekunden hängt der Baumstamm kurz vor dem Greifarm der Maschine.

Bei einigen Sägewerken wurde die Situation regelrecht dramatisch: Während die Forstleute im Matsch versanken und ihre Sägen deshalb im Lager ließen, standen auch bei vielen Holzverarbeitern die Sägen still, weil kein Holz nachkam. Denn nicht nur in den Landesforsten war das Erntekontingent bislang zwangsläufig ziemlich eingeschränkt worden. „Wir können das sicherlich nicht alles in diesen Frost-Tagen aufarbeiten – aber es ist uns zumindest möglich, wieder Holz an unsere Vertragspartner zu liefern“, sagt Boele-Keimer. Hansmann betont, dass auch während der wärmeren Witterung geerntet worden sei – aber nur an solchen Stellen, die trotz Nässe keine Probleme bereiten.

Wenn der Frost noch nicht so lange wie jetzt das Regiment führt, ist der Boden oft nicht ganz durchgefroren. Kommt dann noch Neuschnee dazu, bleibt der Boden frostfrei, weil der Schnee zusätzlich isoliert. Zum Unmut der Forstwirte. „Dann nutzen wird oft den Trick, dass wir den Schnee räumen – über Nacht zieht der Frost dann meist durch“, sagt Hansmann. Den brauchen sie jetzt aber nicht.

Mit drei Stämmen im Schlepptau rollt Breves den Berg wieder herunter. Die Stämme landen anschließend auf einem Holzstapel, von dort werden sie später abgeholt – per Lastwagen.

Geht es nach den Mitarbeitern der Landesforsten, bleibt es auch in der nächsten Woche so kalt, dass der Lastwagen über gefrorene Waldwege rollen kann. Und dadurch fast keine Schäden im Boden hinterlässt. Alles, was bleibt, sind ein paar Reifenspuren im Schnee.

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