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Werbegemeinschaft: Dranbleiben am Zentrum

SPRINGE. Nach dem Aus für das Millionen-Bauprojekt im Zentrum mahnt der Werbe- und Informationsring „WIR“ Politik und Stadt, bei der Veränderung der Innenstadt nicht nachzulassen: „Wir sind uns alle einig, dass wir hier was tun müssen“, sagt der „WIR“-Vorsitzende Wilko Struckmann.

Blick auf das Geschäftszentrum an der Fünfhausenstraße: Wie geht es hier weiter? FOTO: SCHEFFLER

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MARITA SCHEFFLER UND CHRISTIAN ZETT

Er hatte die Pläne der Investoren Dennis Melching und Peter Othmer begrüßt und unterstützt – und sich davon einen Impuls für das Zentrum erhofft. „Wir haben hier wirklich eine verdammt schöne Innenstadt, auch im Vergleich mit anderen Städten“, sagt Struckmann – „aber wir brauchen mehr Frequenz.“ Genau die hatten sich er und viele andere Einzelhändler vor allem von der geplanten Ansiedlung eines großen Rewe-Markts erhofft. Ein Plan, von dem die Investoren den Rewe-Konzern überzeugen konnten – der aber in der Stadtverwaltung auch auf eine gewisse Skepsis stieß. Baufachbereichsleiter Jörg Klostermann hatte öffentlich erklärt, ein solcher Rewe könne ohnehin keine Konkurrenz zum E-Center sein. Und: Zuletzt hatte er den Investoren zu deren Unmut vorgeschlagen, auch den Lebensmittelmarkt kleiner einzuplanen.

Den Rückzug von Melching und Othmer nehme die Werbegemeinschaft „mit großem Bedauern zur Kenntnis“, sagt Struckmann jetzt. Er hofft, „dass die zarten Pflänzchen, die gesät wurden, nicht eingehen“. Sprich: Dass sich sowohl Stadt als auch Politik weiter um eine Belebung der Altstadt bemühen: „Ich habe den Eindruck, dass der Wille, Dinge zu verändern, durchaus da ist.“

Bereits gestern hatte Bürgermeister Christian Springfeld in eine ähnliche Richtung argumentiert: Er will das Thema an sich und das Interesse weiterer Investoren nutzen, um sich mit der Politik grundsätzliche Gedanken über die Innenstadt zu machen: Was ist wo möglich? Was nicht? Auch eine Art Ideenwettbewerb kann sich der Rathauschef vorstellen. An Ideen ist auch Struckmann gelegen: Die Einzelhändler bräuchten die besten Bedingungen für ihren Kampf gegen den digitalen Handel, betont er. Angebote wie der Einkauf über Sprachassistenten nähmen immer mehr Fahrt auf: „Und der Mensch ist da bequem.“

Die Werbegemeinschaft stehe für alle Ansprechpartner parat, biete sich als Vermittler zwischen Stadt, Politik und Investoren an und bringe gerne ihre Überlegungen ein, betont Struckmann.

Aber was ist nun noch möglich? Wie geht die Sanierung des Woolworth-Gebäudes voran? Was bieten die neuen Investoren, die sich im Rathaus gemeldet haben? Ortsbürgermeister Karl-Heinz Friedrich (CDU) befürchtet, dass „der ganze große Wurf“ nach dem Rückzug von Othmer und Melching nicht mehr gelingt.

Er sieht die Rolle der Stadt kritisch: Den vom Bürgermeister zitierten „roten Teppich“ habe Springfeld den Investoren nicht ausgerollt, findet Friedrich. Er habe eher das Gegenteil beobachtet: „Die Stadtverwaltung hat von vornherein Bedenken gesehen. Das sah für mich eher danach aus, dass man irgendwann zusätzlich etwas ausgegraben hat, um das Projekt zu verhindern.“ Die Auflagen der Verwaltung seien zu hoch und die damit verbundenen Verzögerungen unübersehbar gewesen.

Dabei seien die Pläne vielversprechend: „Schon die ersten Entwürfe und Zeichnungen haben mich angesprochen.“ Auch der umstrittene Parkplatz vor dem Einkaufszentrum hätte durch eine geschickte Begrünung aufgehübscht und gut ins Umfeld eingepasst werden können, glaubt der Christdemokrat.

Für ihn sei die Nachricht vom Aus des Vorhabens ebenso enttäuschend wie für die Geschäftsleute und die zahlreichen Bürger, die ihn in den vergangenen Tagen auf das Thema angesprochen haben. Friedrich stellt aber auch klar: Mehr Möglichkeiten, als sich ganz klar für das Bauprojekt auszusprechen, habe der Ortsrat nicht gehabt.

Aus seiner Sicht habe Investor Peter Othmer durchaus Ideen und Pläne für das Projekt geliefert: „Mit seiner sehr direkten Art muss man aber umgehen können. Und vielleicht kommt Dennis Melching mal arrogant rüber. Das ist er aber nicht.“

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