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Wer profitiert von der städtischen Kulturförderung?

SPRINGE.. „Unter den Ehrenamtlichen ist die Stimmung schlecht, weil da schon der Eindruck ist, dass nur die Profis hier in Springe von den Kulturfördermitteln der Stadt profitieren“, empört sich CDU- Ratsherr Wilfred Nikolay.

Foto: Archiv
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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

Seine Haltung: Die vielen ehrenamtlichen Institutionen der Stadt seien ebenso tragende Säulen der Kultur in Springe wie diejenigen, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten, namentlich der Hermannshof in Völksen, die Musikschule Springe oder auch der öffentlich bekannte Schmiedekünstler Andreas Rimkus.

Anders als diese Institutionen allerdings seien die Ehrenamtlichen „Kulturbotschafter der Stadt“ gar nicht in der Lage, sich detailliert mit Förderbedingungen und passgenauen Anträgen zu beschäftigen. Dabei hatte der Rat eigentlich beabsichtigt, eine aktive Kulturförderung in Springe zu etablieren, von der kleine wie große Institutionen und vor allem die Einwohner der Stadt profitieren. „Wir möchten Springe mit Kultur füllen“, interpretiert der zuständige Mitarbeiter beim Ordnungsamt, Werner Mosch, das Förderverständnis des Rates. Konkret heißt das zum Beispiel: Veranstaltungen fördern. Im jüngsten Kulturausschuss wurden Mittel für ein Konzert der Musikschule und den Aufbau eines Metallerlebnispfades unter Federführung von Andreas Rimkus bewilligt. Die Hälfte des auf 10 000 Euro aufgestockten Etats für 2017 ist damit noch frei.

„Wir bekommen jetzt immer mehr Anträge, die sind in aller Regel aber nicht förderfähig“, sagt Mosch mit Blick auf die kleinen vor allem ehrenamtlich getragenen Institutionen. Tatsächlich ist es ihnen auch in diesen Jahr bisher nicht gelungen, die Ausschussmitglieder zu überzeugen.

Hardware wie zum Beispiel Musikinstrumente oder die gewünschte Musikanlage der Hallerschipper entsprechen nicht den selbst auferlegten Regeln des Kulturausschusses. Obwohl Mosch allen möglichen Antragstellern persönliche Beratung anbietet, gerne Tipps gibt, worauf es ankommt.

„Wir arbeiten dran“, kommentiert Mosch enttäuschte Erwartungen als Ergebnis der jüngsten Kulturausschusssitzung. Ein Handzettel mit klaren Förderrichtlinien soll Orientierung bieten.

„Bei allen möglichen Stiftungen sind doch auch Förderbedingungen abrufbar“, sagt Sabine von Döhren, die Vorsitzende des Fördervereins des Springer Quilisma-Chores dazu. Zufällig arbeitet sie gerade an einem Förderantrag für das Projekt „Luther Reloaded“. Wo genau sie ihn einreicht und was Erfolg verspricht, weiß sie noch nicht so genau, wohl aber, dass der Weg dorthin Mühe kostet. „Jeder Bittsteller tut gut daran, sich angenehm zu verkaufen“, sagt sie dazu und ist auch ein wenig stolz darauf, in eineinhalb Jahren „Learning by Doing“ in punkto Förderanträge immer weitergekommen zu sein.

Einen Wettbewerb um Fördermittel in Springe empfindet sie nicht gerade. Um einen solchen zu vermeiden, haben Kulturschaffende der Stadt auch gerade erst einen Kulturstammtisch ins Leben gerufen. „Es ist schon Sinn der Sache, sich da auch abzusprechen, wer was vorhat“, sagt Lothar Schaefer ebenfalls für den Quilisma-Chor. Mit am Tisch: Auch Vertreter der sogenannten Hochkultur, wie Eckhart Liss vom Hermannshof. „Natürlich teilen wir unser Wissen da gerne“, sagt er dazu. Und verweist im Übrigen auf die Landesarbeitsstelle Soziokultur, LAZ. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich eine Institution, von und für Kulturschaffende, die unter anderem in Hannover unkompliziert Basisseminare für Antragsteller*innen anbietet. Untertitel: „Projektförderung aus öffentlichen Mitteln erhalten und unfallfrei abrechnen.“

Und dann gibt es noch eine Option: Auch die Ortsräte unterstützen schon lange Kultur. Aus eigenen Töpfen und nach eigenen Regeln.



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