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Wer kümmert sich eigentlich um Bennas Wegweiser?

SPRINGE. Es sind Wegweiser, an denen Besucher anhalten und laut auflachen. Das war das Markenzeichen des Holzbildhauers Helmut Benna, bereits als er noch in Schlesien arbeitete. Wer kümmert sich heute eigentlich um die historischen Stücke?

Kunstwerke wie diese zeugen von Humor und Wert, ihr Schöpfer war ein Flüchtling und ausgezeichneter Künstler zugleich. Foto: Weißling
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Katharina Weißling Redakteurin zur Autorenseite

 Die Nachkriegszeit spülte den Sohn eines berühmten Glasgraveurs und selbst mehrfach ausgezeichneten Schnitzkünstlers nach Springe. Heute, Helmut Benna hat längst seine letzte Ruhe auf dem Springer Friedhof gefunden, zieren noch etliche seiner Werke die Stadt am Deister. „Ich finde die einfach toll, sie sind etwas Besonderes für Springe und sehr erhaltenswert“, sagt Bürgermeister Christian Springfeld auf Anhieb. Eine genaue Aufstellung der Figuren gibt es in der Verwaltung allerdings nicht. Bei der Erfassung sämtlicher städtischen Vermögenswerte zu Buchhaltungszwecken rutschten die Benna-Werke irgendwie durch. Ein Zufall?

Stadtarchivar Andreas Lilge kann auf die Schnelle stichprobenartig nachweisen, dass die Werke in der Regel von Privatleuten in Auftrag gegeben wurden. Doch so klar belegbar ist, wer seinerzeit für welche Summen aufkam, so historisch sind diese Personen inzwischen. Ein Hotel, auf das in Benna-Manier hingewiesen wurde — längst geschlossen. Die Bähre-Holzwerke — vom Markt verschwunden und die Deisterpforte, auf die ein Bonvivant mit Hummer auf dem Tischtuch und Wein in der Hand zusammen mit einer feschen Wanderin verweist, hat seit Wochen geschlossen.

Die Frage, wer sich also um die Kunstwerke kümmert, bleibt offen. Ein tückischer Umstand, während der Zahn der Zeit an den Holzwerken nagt. Heidrun Karkosch vom Springer Museum Auf dem Burghof ist dabei, immerhin den schriftlichen Benna-Nachlass für die Nachwelt zu sichten und aufzubereiten. Sie selbst war gut mit einem von Bennas Söhnen bekannt. Aus dem Fundus, den die Familie dem Museum hinterließ, soll dort ein eigener Helmut-Benna-Raum entstehen. Was die Werke im Freien angeht, appelliert Karkosch an die Stadt, sich zuständig zu fühlen. Grundsätzlich rennt sie da offene Türen ein: „Ich denke, dass der Rat dafür Rückstellungen bilden könnte“, sagt Springfeld.

Rückblickend sei es erstaunlich, dass ein Geflüchteter, Vertriebener wie Benna gerade in der kargen Nachkriegszeit offenbar rasch Fuß fassen konnte in der neuen Heimat.

Sein augenfälligstes Denkmal, der verschmitzt dreinblickende „Ratsnachtwächter Heinerich“ stammt aus dem Jahr 1951 und wurde gestiftet von dem Industriellen Fritz Bähre anlässlich des 50. Jubiläums der Bähre-Werke. Der Heinerich, entstanden übrigens in einer kleinen Werkstatt auf dem Bähre Gelände, hat die Firma seines Mäzens längst überlebt. Dabei war schon seine Enthüllung seinerzeit weit mehr als eine firmeninterne Angelegenheit. „Da waren Tausende auf dem Marktplatz“, erinnert sich Karkosch. „Solche Erlebnisse haben uns Flüchtlinge und Einheimische damals zusammengebracht“, erklärt sie.



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