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Wer fördert die Wirtschaft in Springe?

SPRINGE. Einig sind sich alle in der Politik: Es wäre erfreulich, wenn mehr Unternehmen nach Springe kämen. Denn das brächte nicht nur mehr Gewerbesteuern, sondern würde vor Ort auch Arbeitsplätze schaffen.

Versteckt: Mit diesem Schild an der Straße Richtung Gestorf wirbt die städtische Wirtschaftsförderung in Völksen um potenzielle Käufer der Gewerbegrundstücke. FOTO: MISCHER
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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Und das wiederum könnte über kurz oder lang dazu führen, dass mehr Menschen nach Springe ziehen. Beim Bereitstellen von Personalressourcen für das aktive Werben um Neuansiedlungen tut sich die Stadt aber schwer: Immerhin ist die Stelle des Wirtschaftsförderers seit Monaten nur auf dem Papier besetzt. Und daran dürfte sich so schnell nichts ändern.

Für Stefan Noort von der Industrie- und Handelskammer steht außer Frage, dass ein Wirtschaftsförderer aus Unternehmenssicht ziemlich sinnvoll ist: „Er dient als Schnittstelle zwischen Unternehmen und Verwaltung – und das ist seine Kernaufgabe.“ Für Unternehmen stelle es eine große Erleichterung dar, wenn sie nur einen Ansprechpartner für fast alle Themen bei der Verwaltung haben. Aber auch um die Kontaktpflege zu Region und Land, um das Einwerben von Fördermitteln und um das Flächenmarketing sollte er sich im Idealfall kümmern und Anfragen beantworten, die Firmen haben, die sich in der Stadt ansiedeln möchten. „Die Bandbreite ist riesengroß“, räumt Noort ein, viel zu tun also für einen klassischen Wirtschaftsförderer.

Potenziale zur Ansiedlung neuer Betriebe gäbe es in Springe auf jeden Fall. Für die Stadt spricht nicht nur die verhältnismäßig gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur, sondern auch ein Blick auf die Gewerbesteuer. Der Hebesatz in der Deisterstadt liegt im Jahr 2016 mit 395 Prozent deutlich unter dem in Pattensenen (430) und Ronnenberg (450).

In Form von Firmen-Neuansiedlungen zahlt sich das für Springe bislang aber nicht aus. 0,7 Hektar Gewerbeflächen hat die Stadt im Jahr 2016 an Unternehmen verkaufen können. Im benachbarten Pattensen lag die Zahl immerhin bei 1,2 Hektar. Und in Barsinghausen wurden im Vorjahr 2,6 Hektar verkauft. In Gehrden wurden 2 Hektar veräußert.

Dort etwa gibt es einen Wirtschaftsförderer, der sich mit einer Vollzeit-Stelle um die Belange der Unternehmen sowie um das Anwerben neuer Firmen kümmert. Auf dem Papier verfügt Springe zwar auch über einen Wirtschaftsförderer. Der Leiter des Fachbereichs III ist aber auch für Bauen, Umwelt und eben Wirtschaftsförderung zuständig. Und zudem seit Monaten erkrankt. Wichtige Projekte wie etwa das Einzelhandelskonzept liegen deshalb derzeit mehr oder weniger auf der Parkposition: Zwar übernimmt auch der Bürgermeister Wirtschaftsförderer-Aufgaben – aber die Verabschiedung des Konzepts sollte eigentlich bereits vor den Kommunalwahlen vom damaligen Rat verabschiedet werden. Passiert ist seitdem nichts Sichtbares..

Dabei will die Stadt schnellstmöglich einen Verwaltungsfachangestellten im Bereich Wirtschaftsförderung einstellen. Die Ausschreibung lief, die Bewerbungsfrist ist gerade abgelaufen. „Wir haben relativ viele Bewerbungen bekommen“, sagt Vize-Verwaltungschef Gerd-Dieter Walter. Im Augenblick laufe das übliche Auswahlverfahren. „Wenn alles glatt läuft, wissen wir in zwei bis drei Monaten, wer den Posten übernimmt.“

Das Problem: Es handelt sich bei der Vollzeitstelle eher um eine Mitarbeit in der Wirtschaftsförderung. Nebenbei müssen auch noch Tätigkeitsfelder in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, im Bereich Stadtmarketing und im Bereich Städtepartnerschaften bedient werden. Zudem sollen Sonderaufgaben des Bürgermeisters erledigt werden. „Wer auch immer den Job antritt, wird vor allem zuarbeiten. Das heißt, er oder sie wird etwa Förderrichtlinien ermitteln oder prüfen.“ Baurechtliche Fragen blieben weiterhin Chefsache. Bedeutet bei der aktuellen Personallage: Bürgermeister Christian Springfeld muss sich kümmern.

Noch erledigt Verwaltungsmitarbeiter Thomas Konior sowohl Aufgaben beim Standesamt als auch bei der Wirtschaftsförderung, Öffentlichkeitsarbeit und arbeitet dem Bürgermeister zu – eigentlich vier Vollzeitstellen. Diese vier Aufgabenbereiche hatte Konior in den vergangenen acht Monaten zugleich wahrgenommen. Beworben hatte er sich eigentlich nur auf eine Stelle als Wirtschaftsförderer und für die Öffentlichkeitsarbeit. Konior wird ab dem 1. September einen neuen Job antreten – nach 16 Jahren bei der Stadtverwaltung.



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