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Gereimte Heimatgeschichte im Museum

Wenn Nonnen über Hochzeiten fabulieren…

Springe (vob). „Unser kulturhistorisches Erbe – Gedichte, Lieder und Sprüche im calenberg-hannoverschen Dialekt“, hieß es jetzt im Museum auf dem Burghof. Im Rahmen der Vortragsreihe „Sonntags um elf“ standen diesmal Mundartpflege, Nostalgisches und Dichterisches aus der Heimat auf dem Programm.

Friedrich Wilhelm Netzel stellte Calenberger Tanz- und Spottlied

Die Zuhörer ließen sich von Referent Friedrich Wilhelm Netzel durch dichterische und musikalische Werke – vom Mittelalter bis hin zur Neuzeit – führen. Netzel stellte alte Calenberger Tanz- und Spottlieder vor sowie einige Kinderlieder aus der Umgebung.

Obschon die teils sehr zotigen Texte für viel Amüsement sorgten, war nicht jeder der Besucher des Plattdeutschen mächtig genug, um jeden Text auf Anhieb verstehen zu können. Weniger Schwierigkeiten machten da schon die Gedichte und Gesänge aus dem 19. Jahrhundert, die geprägt waren durch eine Mischsprache aus Platt und Hochdeutsch. „Man wollte zu der damaligen Zeit teilhaben am kulturellen Austausch und wendete sich so immer mehr dem Hochdeutschen als gemeinsamer Sprachbasis zu“, erklärte Netzel.

Wieder entdeckt

Als besonderes Bonbon präsentierte er seinen Zuhörern ein lange verschollenes Lied, das nach dem Zweiten Weltkrieg unter den Fußbohlen im Kloster Wienhausen entdeckt wurde und von Experten auf das 15. Jahrhundert datiert worden war. Bislang ausschließlich als Faksimile erschienen, beschreibt die Lese- und Singfassung ein Hochzeitsszenario in Fabel-form. Da dieses eher weltliche Lied wahrscheinlich von einer Nonne verfasst worden war, gab es den Museumsgästen zusammen mit den Anmer-kungen Netzels einen interessanten Einblick in die Vorstellung einer Geistlichen vom Alltag der Menschen außerhalb der Klostermauern zu jener Zeit.

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