weather-image

Wenn die Turnhalle zum Dschungel wird

Springe. Reißende Flüsse und tiefe Schluchten müssen sie überwinden. Sich an Tarzan und Jane ein Vorbild nehmen, wenn sie mit einer Liane von Baum zu Baum schwingen. Was nach einer Abenteuer-Exkursion im Amazonas-Gebiet klingt, entpuppt sich als Sportkurs in der Turnhalle der Grundschule Hinter der Burg, die Lianen als Seile. Hier hören die zehn Kinder auf das Kommando von Kolja Knerlich. Der 24-Jährige leitet den Kurs „Erlebnisturnen“ vom Kneipp-Verein – und ist als junger Mann in diesem Sportbereich eine echte Ausnahme.

270_008_7684348_kinderturnen2.jpg

„Ich bin durch meine Mutter zum Turnen gekommen“, sagt der Springer. Die gibt selbst Kurse – bei denen er als Kind mitmachte. Später unterstützte er sie in den Stunden und merkte schnell, „dass mir die Arbeit mit Kindern liegt“. Und dass den Kindern andersherum an ihm eine Menge liegt.

Dass er als Mann Kurse leitet, ist auch aus seiner Erfahrung etwas Besonderes: „Ich hatte in meiner gesamten Turnzeit als Kind und Jugendlicher ausschließlich Frauen als Trainer.“ Das sei natürlich keineswegs weniger gut gewesen, betont Knerlich. Allerdings weiß er als Psychologiestudent auch, wie wichtig es ist, dass Kinder männliche Identifikationsangebote bekommen. Doch in Kindergarten, Grundschule oder eben beim Kinderturnen überwiegen immer noch Frauen. „Ich glaube für die Kinder ist es außerdem klasse, weil ich noch recht jung bin“, sagt Knerlich. Für viele habe er somit eine Vorbildfunktion, sei eben „viel näher dran“.

„Was machen wir heute?“, will Mika wissen und springt aufgeregt hin und her. Auch die anderen Kinder hören aufmerksam zu, als Knerlich verrät, welche Geräte aufgebaut werden sollen. Als alles steht, erklärte er, was die Kinder an den einzelnen Stationen machen sollen. Nicht etwa mit Fachbegriffen, sondern als kleine Geschichte.

In Zeiten von Playstation und Computerspielen müsse man sich schon ein bisschen was einfallen lassen, um die Kinder zu begeistern, sagt Knerlich. Heute warnt er die Kinder zum Beispiel beim Balancieren über die umgedrehte Bank – „ein Baumstamm“ – das Gleichgewicht nicht zu verlieren und ins Wasser – auf die blauen Matten – zu fallen: „In dem Fluss lauern viele hungrige Piranhas.“

Keine fünf Minuten später toben die Mädchen und Jungen durch die Turnhalle, balancieren über Bänke, schwingen sich an Seilen von Kasten zu Kasten. Die Leitung des Turnkurses hat Knerlich auch in seiner Berufswahl bestärkt: Nach seinem Studium möchte er mit geistig und körperlich behinderten Kindern und Jugendlichen arbeiten – vielleicht sogar beim Sport.jes



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt