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Trotz Stellenabbaus gibt die Stadt mehr Geld für ihre Mitarbeiter aus

Weniger Personal, höhere Kosten

Springe. Heute sollen den Beschäftigten der Stadtverwaltung und anschließend den Spitzen der Politik die Ergebnisse der sogenannten Organisationsuntersuchung vorgestellt werden. Die gutachterliche Bewertung wird Grundlage für die künftige Stellenplanung im Rathaus sein. Der Personalrat hat unterdessen bereits vor weiteren Einschnitten gewarnt. „Die Grenze des Erträglichen ist erreicht“, sagt der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Dirk Lucasiewski.

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Autor:

Marc Fügmann

Binnen drei Jahren habe sich die Zahl der Stellen um 16 verringert, bilanziert Lucasiewski. Die Personaldecke sei inzwischen so dünn, dass es nur noch zum Verwalten reiche, Zeit zum aktiven Gestalten des Gemeinwesens gebe es nicht mehr. Stellenvakanz und krankheitsbedingter Ausfall hätten in den vergangenen Wochen deutlich gezeigt, dass die Mitarbeiter nicht mehr nur einer Mehrbelastung, sondern mittlerweile einer Überlastung ausgesetzt seien, macht der Personalratsvorsitzende in einem Brief an Bürgermeister Jörg-Roger Hische deutlich.

An der Verwaltungsspitze hat man durchaus großes Verständnis für die Sorgen der Mitarbeiter. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht“, hat Hische selbst mehrfach öffentlich deutlich gemacht. Und auch Personalchef Gerd-Dieter Walter hält die Unmutsäußerungen im eigenen Haus für durchaus berechtigt. Der andauernde Kostendruck habe dazu geführt, dass über die Jahre viele frei gewordene Stellen nicht wiederbesetzt worden seien. „Wir überprüfen praktisch ständig, wo wir Personal einsparen können“, versichert Walter. Im Ergebnis habe dies zu einer großen „Arbeitsverdichtung ohne Reserven“ geführt. Wenn ein Mitarbeiter plötzlich ausfalle, fehle häufig eine Vertretungskraft. Dies gelte beispielsweise aktuell für die Besetzung der Verwaltungsaußenstellen.

Trotz sinkender Beschäftigtenzahlen stiegen in den vergangenen Jahren allerdings die Personalausgaben kontinuierlich. Sie machen ein Viertel des Gesamtbudgets aus. Für das kommende Jahr erwartet Walter, der gleichzeitig Kämmerer ist, Kosten in Höhe von 12,456 Millionen Euro – ein neues Rekordniveau. Im laufenden Jahr 2013 beträgt der Personalaufwand knapp 12,394 Euro, eine Steigerung um 62 000 Euro. Gleichzeitig sinkt der Personalbestand um voraussichtlich sechs Stellen, was unter anderem mit der Rückgabe des Jugendamts an die Region Hannover zusammenhängt. Auch in den beiden Vorjahren waren jeweils fünf Mitarbeiter eingespart worden – Ergebnis der von Walter angeführten „ständigen Überprüfungen“.

Das Missverhältnis zwischen wachsenden Kosten und abnehmender Beschäftigtenzahl führt die Stadt vor allem auf Tariferhöhungen und zunehmende Versorgungsaufwendungen zurück. Allein für 2014 fallen die Rückstellungen für Pensionen und Beihilfen um rund 90 000 Euro höher aus als im Vorjahr. Hinzu kommen aber auch Höhergruppierungen von Beschäftigten – bis hinauf in die oberste Führungsebene.

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