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Weniger Flüchtlinge, weniger zu tun?

Immer weniger Flüchtlinge kommen nach Springe. Trotzdem stehen Helfer, Unterkünfte und Sozialarbeiter bereit. Werden sie überhaupt noch gebraucht? Eine Spurensuche.

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Autor:

von saskia helmbrecht

SPRINGE. Immer weniger Flüchtlinge kommen nach Springe. Trotzdem stehen Helfer, Unterkünfte und Sozialarbeiter bereit. Werden sie überhaupt noch gebraucht? Eine Spurensuche.

Die Stadt hat drei Stellen für Sozialarbeiter geschaffen. Sind die jetzt überflüssig? „Auf keinen Fall“, sagt Bürgermeister Christian Springfeld. Auch wenn die Zahl der Flüchtlinge abnimmt: Die Arbeit sei nicht weniger geworden. „Die Sozialarbeiter können jetzt wieder ihrer eigentlichen Kerntätigkeit nachkommen“, so der Rathaus-Chef. Als die vielen Migranten nach Springe kamen, ging es um existenzielle Fragen der Unterbringung. „Das haben wir gelöst, jetzt können wir erst richtig helfen und die Herausforderung Integration annehmen.“

Laut Herbert Mensing, stellvertretender Fachdienstleiter „Soziales“ bei der Stadt, hat sich auch die Unterbringungssituation deutlich entschärft. Einige Wohnungen, die die Stadt für die Neuankömmlinge gemietet hatte, stünden leer. Auch im ehemaligen Pflegeheim Roddau gebe es noch Kapazitäten. Das sei aber auch wichtig – denn die Stadt muss in diesem Monat noch einmal 34 Flüchtlinge unterbringen.

Viel zu tun hat Mensings Team immer noch: „Eine Aufgabe ist es auch, Bankkonten zu vermitteln, das ist ein Teil der Integration.“ Springe stehe besser da als noch vor einem halben Jahr. „Jetzt kann ich ausschließen, dass eine Turnhalle belegt werden muss. Das konnte ich vor einem halben Jahr noch nicht.“ Schritt für Schritt solle die Integration jetzt vorangetrieben werden. „Wir können vom Chaos in die vernünftige Arbeit übergehen“, so Mensing.

Der Integrationsprozess steht auch für Friederike Hoffmann, Koordinatorin für Flüchtlingsarbeit des Kirchenkreises Laatzen-Springe, im Mittelpunkt der Arbeit. Dieser Prozess könne bis zu fünf Jahren dauern „Die Nachfrage nimmt nicht ab“, sagt Hoffmann.

Aus diesem Grund sei es wichtig, auch weiterhin Sprach- und Begegnungsangebote anzubieten. „Bei dem Sprachkurs im Doppelpunkt gibt es immer noch eine Warteliste.“ Immer wieder würden sich die Flüchtlinge mit Fragen an sie wenden. Dazu gehört der Wunsch nach einem Schwimmangebot für Frauen (wir berichteten). Die Vermittlung von Sprachkursen, die Suche nach eigenem Wohnraum für die Neubürger, die Hilfe bei der Arbeitssuche oder bei der Qualifizierung für einen Job stehen jetzt im Mittelpunkt von Hoffmanns Arbeit. Obwohl weniger Flüchtlinge nach Springe kommen, sei die Hilfsbereitschaft immer noch groß.

Abgenommen habe dagegen die Spendenbereitschaft einiger Springer, weiß Britta Lehnhardt vom Kinderschutzbund. „Die Arbeit hat sich mit der Zeit stark verändert“, so Lehnhardt. Vor rund einem Jahr war die Einrichtung mit der Masse an eingegangenen Spenden und deren Verteilung überfordert. Jetzt geht es bei den Flüchtlingen nicht mehr um Kleidung, sondern um die Bewältigung des Alltags. „Viele Familien suchen Rat für die Behördengänge, brauchen Hilfe bei Asylanträgen oder bei der Suche nach einem Deutschkurs“, beschreibt Lehnhardt die Arbeit des Kinderschutzbundes.

Die Angebote, zum Beispiel der Schwimmkurs im Lehrschwimmbecken Bennigsen, werden immer noch nachgefragt. Ein Ausflug ins Rastiland, ein Kochtag mit Frauen aus Syrien oder das Müttercafé seien wichtig für die Integration, sagt Lehnhardt.„

„Wir haben viel Arbeit, aber es ist auch toll, bereichernd und es macht Spaß“, betont sie. Die Entspannung der Flüchtlingssituation sieht sie allerdings zwiespältig. Durch ihre Arbeit hat sie zu vielen Familien eine Beziehung aufgebaut – und deren Schicksale kennengelernt. „Manche Angehörige leben noch im Ausland, die Familien sind mit den Gedanken in ihrer Heimat. Das ist unglaublich traurig und bewegend, was die Menschen erlebt haben.“ Neue ehrenamtliche Helfer gebe es aber weniger. Wer schon helfe, sei weiter engagiert dabei.

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