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Welche Probleme Flüchtlinge bei der Integration plagen

SPRINGE. Eine unzureichende Wohnsituation, zu wenig Betreuungsplätze, Hindernisse beim Spracherwerb oder Diskriminierung bei der Wohnungssuche – Flüchtlinge in Springe haben im Alltag mit vielen Herausforderungen und Hindernissen zu kämpfen. Das berichtet das Forum Flüchtlingshilfe.

Integrationsberaterin Ulrike Schilling von „Labora“ in Barsinghausen und Friederike Hoffmann vom Nachbarschaftsladen „Doppelpunkt“ beim Forum Flüchtlingshilfe. foto: szabo

Autor:

patricia szabo

Wie viele Eltern in Springe beklagen auch jene mit Fluchthintergrund den eklatanten Mangel an Betreuungsplätzen für Kinder. Zusätzliches Problem: Viele Mädchen und Jungen werden so ohne ausreichende Sprachkenntnisse eingeschult, hieß es bei einer Veranstaltung des Forums. Wie dramatisch die Situation in Springe ist, schilderte Mechthild Clemens, Klassenleiterin der Sprachlernklassen an der IGS: Laut Clemens könnten immer mehr Schüler weder lesen noch schreiben oder rechnen. „Durch die langen Aufenthalten im Kriegsgebiet oder Flüchtling-Camps haben sie es nie gelernt“, bedauert die Lehrerin. Doch so seien sie und ihre Kollegen zunehmend überfordert: „Wir können es nicht mehr leisten, weil wir personell zu schwach besetzt sind“. Sie suche derzeit händeringend personelle Unterstützung für die Sprachlernklasse.

Auch bei der Wohnungssuche haben Flüchtlinge es schwer: „Menschen mit Fluchterfahrung begegnen häufig Rassismus und das sollte man nicht verschweigen“, sagt Friederike Hoffmann, die für den Nachbarschaftsladen Doppelpunkt das Forum koordiniert. Dies sei nicht nur Vorurteilen geschuldet, sondern auch der insgesamt angespannten Wohnsituation im Stadtgebiet.

Diese sei für viele Springer schwierig, betonte Uwe Lampe von der Springer Tafel. Schließlich habe die Stadt laut Lampe mit 70 Prozent einen überproportionalen Anteil an Eigentumswohnungen: „Es fehlen Mehrfamilienhäuser im niedrigpreisigen Segment.“ Ulrike Hoffmann-Bürrig vom Kirchenvorstand sagte, dass viele Vermieter Angst um den Hausfrieden und vor Kulturkonflikten hätten. Um dem entgegenzuwirken und aufzuklären, gebe es einen Sozialarbeiter.

„Es ist wichtig, den Geflüchteten zu vermitteln, wie man in Deutschland wohnt. Das fängt schon bei der Mülltrennung an“, sagte auch Ulrike Schilling von Träger „Labora“ aus Barsinghausen, der sich in Springe um die Integrationsberatung kümmert.

Problematisch sei derzeit auch der Spracherwerb: Es gibt zu wenige Sprachkurse und Integrationskurse mit Kinderbetreuung. Zwar werde in der Kreuzkirche ein Gesprächskreis mit Kinderbetreuung angeboten, dieser sei jedoch so überlaufen, dass die Betreuer nicht mehr nachkommen, sagte ein Gast des Forums.

Koordinatorin Hoffmann nutzte das jüngste Treffen des Forums indes auch, um ihren Abschied zu verkünden. Hoffmann, deren Stelle beim Nachbarschaftsladen auf drei Jahre befristet war, verlässt Springe aus beruflichen Gründen. Bis „Labora“ die Integrationsberatung von der Diakonie übernahm, war sie auch dort tätig. „Labora“ berät in Koordination mit dem Jobcenter Flüchtlinge ab 16 Jahren, die Leistungen beziehen, um sie in Ausbildung, Studium oder Arbeit zu bringen.



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