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Die Vereinigung ehemaliger Mittelschüler Eldagsens blickt auf sechs turbulente Jahrzehnte zurück

Weißwein vom anonymen Spender

Eldagsen. So sieht es also aus, wenn man 60 Jahre auf Papier bringt. Im Wohnzimmer von Heide Wolter stapeln sich die Ordner, die Fotoalben, die Zettel. Sechs Jahrzehnte „Veme“ hat die Vorsitzende gesammelt. So viele Erinnerungen an die „Vereinigung ehemaliger Mittelschüler Eldagsen“, protokolliert und abgeheftet. In diesem Monat wird der runde Geburtstag groß gefeiert – Zeit für einen Rückblick.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Zum Beispiel: in den März des Jahres 1872. Damals genehmigte die preußische Regierung den Betrieb der „Gehobenen Schule zu Eldagsen“ – die Vorgängerin der 1940 gegründeten Mittelschule. Von der gingen in den kommenden Jahren zahlreiche Schüler ab. Und blieben doch in Kontakt zur Heimat und zueinander. So rege war das Gemeinschaftsgefühl, dass sich am 8. März 1953 im Berggarten schließlich die „Veme“ gründete. 4 Mark im Jahr kostete die Mitgliedschaft zu Beginn, erster Vorsitzender war Arnold Henrici. Es gab einen Arbeitsausschuss, einen Festausschuss – und noch am gleichen Abend einige Flaschen Weißwein „eines anonymen Spenders“, wie es im Gründungsprotokoll gewissenhaft vermerkt ist.

Von nun an gab es unter dem Dach der Vereinigung Treffen, Ausflüge – und als einen der gesellschaftlichen Höhepunkte Eldagsens, den jährlichen „Veme“-Ball im Ratskeller mit hunderten Gästen. Schnell gründete sich auch eine Laienschauspielschar. 1972 hat der Verein seine Blütezeit erreicht – mit 348 Aktiven. Zwei Jahre später verliert Eldagsen seine Selbstständigkeit – und seine weiterführende Schule. Der Mitgliederstrom versiegt.

In ihrem Wohnzimmer blättert Wolter im Protokollbuch. Neben ihr sitzt die langjährige Schriftführerin Bärbel Block. Auch sie weiß, dass die Vereinigung viel mitgemacht hat in ihrer Geschichte. Da war die turbulente Jahresversammlung 1985, als der Vorstand das Handtuch werfen wollte – und 40 Mitglieder über die Auflösung der Gruppe entscheiden sollten. Nach langen Diskussionen heißt es schließlich: Wir machen weiter.

Gerade erst hat sich Wolter (72) nach zehn Jahren an der Spitze der „Veme“ erneut zur Vorsitzenden wählen lassen. Das Besondere: Sie ist nie zur Mittelschule Eldagsen gegangen; zog erst in den 1970er-Jahren aus Hannover an den Gehlenbach. Sie organisiert immer noch Fahrten, die 170 verbliebenen Mitglieder haben in den vergangenen Jahren ganz Europa erkundet.

Wenn am Sonntag, 21. April, im Ratskeller der 60. „Veme“-Geburtstag gefeiert wird, dann sind auch 17 Gründungsmitglieder dabei, erzählt Wolter stolz: „Eine Dame ist schon 88 Jahre alt!“ Es wird ein Tag voller Erinnerungen sein, das steht fest. Um die „Veme“-Chefin herum liegen die Ordner, die Bücher, die Fotos.



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