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Wasser für Kibakwe

ELDAGSEN. „Wasser für Kibakwe“ – so lautete im Sommer 2013 der Aufruf von Hans Mönninghoff und seinen Mitstreitern. Gemeinsam mit Thomas Runge wollten er es wissen: In Kibakwe wurde die ersten Zapfstellen eingeweiht. Aber es gibt noch eine Menge Arbeit.

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ELDAGSEN. „Wasser für Kibakwe“ – so lautete im Sommer 2013 der Aufruf von Hans Mönninghoff und seinen Mitstreitern. Der bis vor kurzer Zeit in Eldagsen lebende gelernte Wasserbauingenieur und langjährige Wirtschafts- und Umweltdezernent von Hannover und sein Nachbar, der Ingenieur Thomas Runge, wollten es wissen. Die Gemeinde Kibakwe inmitten Tansanias, langjährige Partnergemeinde des Kirchenkreises Springe-Laatzen, sollte eine intakte Wasserversorgung bekommen. Jetzt wurden die ersten Zapfstellen eingeweiht. Aber es gibt noch eine Menge Arbeit.

Auf welch ein spannendes Abenteuer sich die beiden zusammen einließen, ahnten sie noch nicht. Doch sie haben es nicht bereut. „Wir haben unsere Arbeit gemacht: 10 000 Menschen in Kibakwe haben jetzt eine gute Wasserversorgung für die dortigen Bedürfnisse“, stellt Mönninghoff zufrieden und ein bisschen stolz fest. Er fügt aber auch hinzu: „Jetzt liegt es an den Menschen vor Ort, diese Wasserversorgung richtig zu betreiben, zu pflegen und vor allem auch, das Wasser gerecht zu verteilen“. Sein Partner Thomas Runge weiß: „Das ist natürlich eine Herausforderung. Die Rohre müssen gewartet, Leckagen schnell repariert werden. Um das zu finanzieren, muss von allen Verbrauchern Wassergeld kassiert werden. Das alles ist neu in Kibakwe.“

Die Voraussetzungen dafür hat das Projekt geschaffen. Mit mehr als 200 000 Euro Spendengeldern von 170 Förderern, mit großem eigenem Einsatz des Projektteams und mit tatkräftiger Unterstützung der Bewohner Kibakwes bei der Verlegung neuer Wasserleitungen in bislang unerschlossene Ortsteile ist ein beeindruckendes Versorgungsnetz entstanden.

Heute gibt es neun neue öffentliche Zapfstellen, insgesamt liefern 92 öffentliche und private Wasserabgabestellen das kostbare Nass an alle Stellen im weitläufigen Kibakwe. 60 Abgabestellen sind bereits mit Wasseruhren versehen: eine freundliche Spende der Stadtwerke Bremen. Die anderen erhalten sie in Kürze. Hinzu kommt ein neuer Tiefbrunnen mit Pumpwerk und neuem Hochbehälter. Die Pumpe wird mit einer 5,5 Kilowatt-Solaranlage betrieben, ist also autark und fördert täglich weitere 20.000 Liter gutes Trinkwasser. Mönninghoff: „Wir nutzen vorhandene Technik und neue Solartechnik. Das ist beispielhaft für die Region und findet große Beachtung.“

Zur Einweihungsfeier kam der aus Kibakwe stammende Staatsminister des tansanischen Regierungschefs aus Daressalam. Ein wichtiges Zeichen. Auch der Bischof der Lutheraner war da. Allerdings weiß er, dass keine Kirche, keine Interessensgruppe das Wasser für sich beanspruchen darf. Deshalb betont er: „Wasser hat keine Religion und keine Stammeszugehörigkeit. Wasser gehört allen.“

Das Modell der Wassergenossenschaft mit Vertretern aus allen Ortsteilen im Aufsichtsrat und einer Geschäftsführung könnte sich als kluger Schachzug erweisen. „Wir haben dafür gesorgt, dass vor allem Frauen bei der Genossenschaft mitreden und mitentscheiden. Denn sie sind in den Familien für das Wasserholen zuständig. Sie haben sich beim Bau neuer Wasserleitungen sehr engagiert“, erzählen die Ingenieure.

So kamen gleich vier Frauen am Tag vor der Abreise der Deutschen ins „Guesthouse“ und bedankten sich mit bewegenden Worten und Geschenken. Die mitgereisten Frauen der deutschen Gruppe bekamen traditionelle bunte Kanga-Tücher. Auf dem Dorfplatz oder bei Spaziergängen wurden die Deutschen immer wieder angesprochen: Man ist glücklich, dass die Warteschlangen Vergangenheit sind und verspricht, die neue Wasserversorgung zu pflegen.

Wie groß die Aufgabe für die Wassergenossenschaft ist, wird in den Arbeitssitzungen am Tag nach den Einweihungsfeiern deutlich. In den ersten Monaten der laufenden Wasserversorgung ist viel zu wenig Wassergeld gezahlt worden. Kibakwe muss sich auf ein ganz neues System aus Wasseruhren, Betreibern öffentlicher Zapfstellen und einer Genossenschaft einlassen.

Jede Menge Mut: Entwickelt die Genossenschaft die Kraft für den nachhaltigen Betrieb der Wasserversorgung? Hans Mönninghoff und Thomas Runge sind hin- und hergerissen. Sie haben gespürt, wie weit der Weg ist. Der Dank und die Versprechen der vielen Menschen, die vor Ort mitgeholfen haben, machen ihnen aber jede Menge Mut.

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