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Wo Lernen fürs Leben auf dem Stundenplan steht: Berufsschule bildet jetzt Pflegeassistenten aus

Waschen, ausziehen – und die Scheu verlieren

Springe. Die Umgebung erinnert an ein Pflegeheim: Drei Betten, in alle erdenklichen Positionen verstellbar, zwei Rollstühle, Waschbecken, lebensechte Puppen, die zugedeckt daliegen und friedlich schlummern. Dabei ist alles ein fiktives Szenario, ein Ort des Lernens, wie es ihn in keiner anderen Schule in Springe gibt.

Probeliegen: Eine Schülerin spielt die pflegebedürftige Person,

Autor:

Markus Richter

Insgesamt 15 junge Frauen und Männer bereiten sich zurzeit an den Berufsbildenden Schulen (BBS) auf den (Job-)Alltag vor. Auf eine Branche, die nicht nur nach Meinung des Einrichtungsleiters Michael Krampe in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird: die Pflege. Und die Ausbildung zum Pflegeassistenten ist in dieser Form neu. „Die Teilnehmer mit Hauptschulabschluss machen gleichzeitig ihre Mittlere Reife“, sagt Lehrerin Susanne Spreckels – die BBS-Pädagogen sehen das als große Chance für alle Hauptschüler.

Der Lehrplan sieht auch das Büffeln von Deutsch, Englisch, Mathe und weiteren Fächern vor, im Wesentlichen geht es aber darum, den Umgang mit alten oder pflegebedürftigen Menschen zu erlernen. Fähigkeiten, die von zuhause oder den allgemeinbildenden Schulen ganz offensichtlich nicht geschult werden. „Die Praxis hat damit zu tun, sich einem Patienten zu nähern, sich mit ihm zu unterhalten, ihn anzufassen, zu waschen, ihm Essen zu geben.“, sagt Spreckels. So putzen sich die Schüler gegenseitig die Zähne, waschen sich, kleiden sich gegenseitig an – klar, dass dabei auch mal gekichert wird. „Das macht auch Spaß und ist für viele eine neue Erfahrung.“

Zeitweise war nur ein einziger junger Mann im Kurs – momentan sind es drei – er musste sich immer für die Rasur zur Verfügung stellen, schmunzelt die Lehrerin. Aber dann geht‘s in die Praxis, den wesentlichen Part der zweijährigen Ausbildung. Auch im Springer Krankenhaus, vor allem aber in Altenheimen oder im ambulanten Pflegedienst tauchen die Heranwachsenden im Alter von aktuell 17 bis 20 Jahren in ihnen teilweise ganz neue Welten ein. Die Lehrer führen in den Betrieben – die im gesamten Bereich der Region Hannover liegen – regelmäßig Prüfungen durch, sind zu Vorgesprächen oder Reflexionen vor Ort.

Die Schüler lernen, erwachsen zu werden

Spreckels hat festgestellt, dass viele ihrer Schüler kaum noch Lieder, Gedichte oder Geschichten kennen, mit denen sie ihren Patienten Aufmerksamkeit schenken können. „Eine Schülerin sollte einen Apfelkuchen backen, kannte aber nicht die Sorte der Früchte, als ihre Patientin danach fragte.“ Dennoch habe sie die Situation nett gemeistert. Hauswirtschaft ist ebenfalls ein Teil der Ausbildung. Immer wieder wird deutlich: Was an der Berufsfachschule Pflegeassistenz gelernt wird, kann für das spätere Leben nur von Vorteil sein – die Schüler lernen, erwachsen zu werden.

„Wir haben ein gutes Gefühl, dass die Teilnehmer voll dabei sind und als staatlich geprüfte Pflegeassistenten im Berufsleben einen Platz finden.“ Möglich ist im Anschluss auch, die Altenpflegeschule zu besuchen oder die Qualifikation im Bereich Physiotherapie auszubauen – und seine Chancen zu verbessern.

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