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Was Experten zur Wolfssichtung sagen

SPRINGE. Wenn Rudolf Krause vom Naturschutzbund aus dem Fenster schaut, gleitet sein Blick über Wiesen, Felder und Waldrand: Weder eine reine Naturlandschaft – noch eine reine Kulturlandschaft. Trotzdem würde es Krause nicht wundern, wenn er eines Tages den Wolf durchs Tal bei Altenhagen I streifen sähe.

Im Wisentgehege alltäglich, Nutztierhalter sollten laut Experten höhere Zäune errichten, um den Wolf fernzuhalten. FOTO: ARCHIV
Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Ein Problem hätte der Naturschützer damit nicht: „Ich sehe das ganz locker.“

Wie berichtet, wurde am Wochenende bei Steinkrug ein Wolf gesichtet. Das sorgt bei Naturschützern und Experten für Diskussionen darüber, wie dafür gesorgt werden kann, dass das Wildtier in der Kulturlandschaft Deister heimisch werden kann – ohne Probleme zu verursachen.

Krause ist davon überzeugt, dass der Wolf im Deister dauerhaft genug Nahrung finden würde und helfen könnte, den Wildbestand zu regulieren. Damit das Raubtier aber bei Tierhaltern nicht für böse Überraschungen sorgt, appelliert er an sie, Schafe und Co. besser zu schützen. „Das ist reine Bequemlichkeit, wenn das Pferd gemeinsam mit dem Fohlen über Nacht auf der Koppel bleibt“, meint er. Stattdessen wäre es sinnvoller, die Tiere in einen kleinen Stall zu bringen, wo sie sicherer seien.

Heiko Brede, für Naturschutz zuständiger Förster, betont, dass es bei den Landesforsten im Forstamt Saupark noch keine bestätigte Wolfssichtung gegeben habe. Auch er glaubt jedoch, dass es nur eine Frage der Zeit sein kann, bis der Wolf kommt, auch dauerhaft. „Am Deister gibt es eine gute Nahrungsgrundlage“, ist er überzeugt – und denkt dabei nicht an Schafe oder Fohlen, sondern an Rehe. Dass deren Bestand durch den Wolf deutlich abnimmt, glaubt Brede indes nicht: Langzeituntersuchungen hätten gezeigt, dass Jäger trotz des Wolfs, der in ihrem Revier auf die Pirsch geht, selbst auf ihre Abschussquoten kämen.

Dass das Wildtier allerdings zuweilen den Nutztieren in die Quere kommen könnte, kann der Förster indes nicht ausschließen – er schätzt das Risiko aber eher als gering ein. „Nutztiere machen weniger als einen Prozent des Nahrungsspektrums des Wolfes aus“, stellt er klar. Dennoch wäre es sinnvoll, wenn sich Tierhalter dauerhaft Gedanken darüber machen, wie sie Schafe und Co. besser vor unerwünschten Raubzügen schützen. „Das Land gibt da auch finanzielle Unterstützung“, betont Brede. Etwa für die Anschaffung von Elektrozäunen.

Wolfsberater Matthias Vogelsang sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Betont aber, dass es hundertprozentige Sicherheit für Tierhalter nicht gebe. „Wichtig ist, dass der Zaun auch den Anforderungen entspricht“, sagt er. Wichtig sei, dass der Schafzaun mindestens 100 Zentimeter hoch sei und über eine vollgeladene Batterie verfüge. „Der Wolf ist ein Weit-, kein Hochspringer“, erläutert der Experte. Wichtig sei zudem, dass das Stromgerät alle drei bis vier Sekunden einen elektrischen Impuls abgebe. Um ganz sicher zu gehen, sei es zudem sinnvoll, oberhalb des Elektrozaunes noch ein Flatterband anzubringen. Das verunsichere den Wolf zusätzlich.

In den Augen von Vogelsang ist der Deister durchaus ein attraktiver Lebensraum für die Raubtiere. „Wir haben sehr guten Wildtierbestand und guten Waldbestand, das sind ideale Bedingungen.“ Darüber ob und wann sich ein Tier am Deister fest ansiedelt, möchte er nicht spekulieren.

An der Echtheit der Sichtung am Steinkrug hegt er indes keine Zweifel. Immerhin habe er das Foto selbst angeschaut, zweifelsohne handele es sich bei dem Tier um einen Wolf.

Allerdings glaubt Vogelsang, der im Wisentgehege die Wolfsabende anbietet, dass das Tier mittlerweile schon wieder weg ist. „In Hildesheim gab es Anfang dieser Woche eine Sichtung.“ Dabei könne es sich um das Tier vom Steinkrug gehandelt haben. Vogelsangs Theorie ist, dass ein junger Wolf gerade auf der Suche nach einem neuen Revier ist und dabei durch den Deister gekommen ist. Ob er wiederkommt und dann bleibt, wird die Zukunft zeigen.

Ein Wolfsrevier ist in Deutschland etwa 150 bis 200 Quadratkilometer groß. Der Deister umfasst etwa 80 Quadratkilometer, wäre also für einen Wolf als Lebensraum zu klein. Denkbar wäre aber, dass ein Individuum etwa die Lebensräume Deister und Solling als ein Revier wählt.

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